09. Februar 2019, 12:00 Uhr

Anbau geplant

Aus Johanneskirche soll stationäres Hospiz werden

Vor zehn Jahren scheiterte ein ernstzunehmender Versuch, in Bad Nauheim ein stationäres Hospiz für die Wetterau zu gründen. Jetzt wird ein neuer Anlauf unternommen, eine Kirche steht im Fokus.
09. Februar 2019, 12:00 Uhr
Die Entwurfsplanung sieht zwei neue, längliche Baukörper vor, von denen die Johanneskirche im Süden und Osten eingerahmt wird. Einer der Neubauten soll dort entstehen, wo jetzt die Parkplätze zu sehen sind. (Foto: Nici Merz)

Die letzten Lebenstage im Kreis der Familie zu verbringen, ist längst nicht mehr die Regel. Viele Senioren wohnen heute weit weg von ihren Angehörigen oder wollen ihrer Familie einen Pflegefall nicht zumuten. Die Idee des stationären Hospizes hat sich deshalb in den letzten Jahrzehnten durchgesetzt, immer mehr Häuser werden in Deutschland gegründet. In der Wetterau gibt es seit gut 20 Jahren Überlegungen, diese Versorgungslücke zu schließen – bislang ohne Erfolg.

Jetzt unternehmen Stadt Bad Nauheim, Wetteraukreis, Evangelische Kirchengemeinde Bad Nauheim und Gesellschaft für diakonische Einrichtungen (Darmstadt) einen neuen Anlauf, das Projekt endlich zu stemmen. Geplant ist, die evangelische Johanneskirche in der Kurstadt (Ecke Mondorfstraße/Auguste-Viktoria-Straße) mit einem großen Anbau zu versehen, um das Hospiz dort etablieren zu können.

Finanzielle Rahmenbedingungen verbessert

Schon vor 15 Jahren schien das stationäre Hospiz auf einem guten Weg zu sein. 2004 gründete sich eine Förderverein, Baupläne lagen vor, ein Grundstück neben der Pitzer-Begegnungsstätte stand zur Verfügung. Als die Betreibergesellschaft 2009 gegründet werde sollte, scheuten einige der Organisationen, die sich beteiligen wollten, im letzten Moment vor dem finanziellen Risiko zurück. Damals übernahmen die Kranken- und Pflegekassen 90 Prozent der Kosten, den Rest musste der Träger beisteuern. 2017 haben sich die finanziellen Rahmenbedingungen verbessert, seitdem beträgt der Kassenanteil 95 Prozent.

»Ein stationäres Hospiz ist überfällig. Es ist eine stimmige Sache, eine kleine Kirche ins Zentrum einer solchen Einrichtung zu stellen«, sagt Ulrich Schröder, stellvertretender Vorsitzender des evangelischen Kirchenvorstands, zu den Plänen, die Johanneskirche für das Projekt zu nutzen. Er ist optimistisch, dass die Entwurfsplanung für den Anbau in absehbarer Zeit genehmigungsreif werden kann.

Vereinsgründung im Frühjahr?

Das Gotteshaus wird von der Gemeinde nur sporadisch benötigt, wenige Gottesdienste und Konzerte werden dort veranstaltet. Diese Termine in die Dankes- und die Wilhelmskirche zu verlagern, wäre kein Problem. Wird die Johanneskirche Teil des Hospizes, bedeutet das auch eine finanzielle Entlastung, weil die Gemeinde das denkmalgeschützte Gebäude nicht mehr instand halten muss.

»Die Wetterau war noch nie so nahe an einem stationären Hospiz wie jetzt«, sagt Schröder. Diesen Optimismus teilt Andrea Höpfner, die als persönliche Referentin von Kreissozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch die Projektleitung für den Hospiz-Förderverein übernommen hat. Nach einem ersten Treffen hätten fast 50 Interessenten ihre Mitarbeit zugesagt, im Frühjahr soll der Verein gegründet werden.

Eigenanteil: 70000 Euro pro Jahr

Seine Aufgabe wird es sein, genügend Spenden zu sammeln, um den fünfprozentigen Eigenanteil zur Betriebskostenfinanzierung aufbringen zu können. Ersten Schätzungen zufolge müssten pro Jahr rund 70 000 Euro zusammenkommen. Höpfner ist zuversichtlich, spricht von steigender Spendenbereitschaft für solche Zwecke.

Noch ist es allerdings ein weiter Weg bis zur Realisierung des stationären Hospiz. Voraussetzung für die Zulassung ist die Gründung des Fördervereins. Parallel soll die Stadt ihre Entwurfsplanung für den Anbau weiterentwickeln, Partner ist dabei die als Träger vorgesehene Gesellschaft für diakonische Einrichtungen. Geschäftsführer dieser Gesellschaft ist Karlheinz Hilgert, Mitglied des Kirchenvorstands der evangelischen Gemeinde der Kurstadt.

Zentral und ruhig gelegen

Projektleiterin Höpfner hofft auf einen Baubeginn 2020. »Seit Jahrzehnten gibt es Überlegungen für ein stationäres Hospiz. Wir können Betroffene aus der Wetterau nicht weiter auf Einrichtungen in Wetzlar oder Gießen verweisen, falls es dort überhaupt einen freien Platz gibt.«

Auch Bürgermeister Klaus Kreß sieht gute Chancen, das Projekt zu realisieren, das er wie seine Amtsvorgänger befürwortet. »Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, die Entwurfsplanung erarbeitet und bei der Standortsuche geholfen.« Die Johanneskirche eigne sich optimal, sei zentral und trotzdem ruhig gelegen. Ein Hospiz dürfe nicht an den Stadtrand abgeschoben werden.

 

Info

Bis zu zwölf Pflegezimmer

Die Konzeptstudie für das Hospiz Johannneskirche, die bereits seit November 2017 vorliegt, sieht einen zweigeschossigen Neubau vor. Zwei rechteckige Baukörper – der eine gut 20, der andere gut 30 Meter lang – sollen das Gotteshaus von Osten und Süden her einrahmen. In der Entwurfsplanung ist vorgesehen, das neue Gebäude an zwei Stellen mit der denkmalgeschützten Kirche zu verbinden. Dadurch entstünde ein geschützter Innenhof zwischen beiden Gebäuden. Der Neubau soll auf einer Nutzfläche von 1120 Quadratmetern Platz für bis zu zwölf Pflegezimmer sowie Gäste- und Schwesternzimmer bieten. Büros und ein Besprechungsraum sind ebenfalls vorgesehen. Für die Johanneskirche, die ebenso wie der Anbau aus Richtung Auguste-Viktoria-Straße durch ein Foyer betreten werden soll, sind nach den bisherigen Überlegungen Gemeinschaftsräume wie Speisezimmer, Teeküche oder Bibliothek vorgesehen. Eine konkrete Kostenschätzung für das Bauprojekt liegt noch nicht vor. Probleme mit dem Denkmalschutz wegen der Anbindung des Neubaus an die 1899 errichtete Johanneskirche erwartet Bürgermeister Klaus Kreß nicht. »Ich rechne mit einer Genehmigungsfähigkeit«, sagt der Rathauschef. Westlich des Gotteshauses existiert ein Parkplatz. Teile davon werden der Entwurfsplanung zufolge bebaut, die restlichen Stellplätze dienten künftig dem Hospiz. (bk)

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