31. Januar 2018, 20:23 Uhr

Aus allen Ecken zwitschert es

31. Januar 2018, 20:23 Uhr
Zehn Vogelarten, acht Jubilare, 14 Flötistinnen und Flötisten gestalten ein eindrucksvolles Konzert. (Foto: hms)

Lerche, Kuckuck, Nachtigall, Star und Distelfink gaben sich am Sonntag schon mal ein Frühlingsstelldichein in der Burgkirche. Aus allen Ecken zwitscherte es, die Piccoloflöte tirilierte, musikalische Liebesboten flatterten durch den Raum. Unter dem Motto »Jubilare und Jubilieren« hatte die Flötistin und Lehrerin an der Musikschule Friedberg, Sabine Dreier, ein ebenso reizvolles wie anspruchsvolles Programm für das Projektensemble The Flute Connection zusammengestellt.

Das Benefizkonzert galt vorzugsweise der Orgel in der Burgkirche, die ausgereinigt und ergänzt werden muss. In einem Wochenendworkshop hatten die Akteure neue Arrangements für drei bis 14 Querflöten vom frühen Mittelalter bis zu Barbara Streisand einstudiert. Die ehemaligen und aktuellen Schülerinnen und Schüler von Sabine Dreier kamen aus ganz Deutschland. Manche waren zum zwölften Mal dabei, andere sind neu. Viele spielen neben der modernen Böhmflöte von Sopran bis Kontrabass auch ausgefallene Instrumente wie die irischen Tin- und Low-Whistles oder historische Renaissance-Traversflöten. Das Publikum konnte sich im Laufe des abwechslungsreichen Programms ein gutes Bild machen von den unterschiedlichen Klängen der Epochen.

Tief Luft holen

Programmmusik über Vogelstimmen wurde schon seit der frühen Renaissance für die Flöte geschrieben, da sie dem Klang der Vögel besonders gut entspricht. Schlichte mittelalterliche Melodien und Volkslieder erzählen vom Krähen des Hahnes. Das »schneeweiß Vögelein« aus einem flämischen Volkslied steht symbolisch für den Briefboten. Vielschichtiger wird die Melodik im Barock. Der jubilierende Gesang der Nachtigall von Couperin – sein 350. Geburtstag wird in diesem Jahr gefeiert – und deutliche Kuckucksrufe bei Daquin oder gar das Vogelkonzert von Rameau entführten in eine virtuose Flötenwelt.

Ob im Trio, kleinen Ensemble oder Tutti, die unterschiedlichen Besetzungen der Stücke zeigten die großartige Beherrschung der Instrumente. Schwer Luft holen musste Michael Sturm an der Kontrabassflöte die wegen der notwendigen Länge im oberen Teil zu einem Dreieck gebogen ist. Sabine Dreier selbst, die mehr als zehn verschiedene Flöten beherrscht, nahm meist die Bassflöte zur Hand, begleitete aber auch auf der Gitarre. Erzählte Texte verdeutlichten das Wesen der englischen und irischen Tanz- und Volkslieder. Typisch dafür ist der Klang der Whistles, gespielt von Sebastian Kaindl und Irene Berndt.

Da es aber auch um acht Komponisten-Jubilare ging, nahmen ein Teil des Konzerts die Klassiker ein. Rossini (150. Todestag) steuerte die Wilhelm Tell-Ouvertüre bei, das berühmte Menuett von Boccherini erklang zu dessen 275. Geburtstag und das »Vöglein« zwitscherte zu Griegs 175. Anmutig huldigte der Tanz der Schwäne Tschaikowsky zu seinem 125. Todestag und durchsichtig schimmerte »Vocalise« für Rachmaninow (75. Todestag). Zum 100. Geburtstag wurden Debussy und Bernstein geehrt; letzterer mit »Somewhere« aus der West Side Story, gesungen von Christina Glebe. Streisands »A Star is born« könnte auch auf den Vogel des Jahres 2018, den Star, passen.

Mit dem Frühling aus Vivaldis Jahreszeiten, in dem sich virtuose Vogelstimmen im Wettstreit bis zum großen Konzert aufschwingen, endete das Programm.

Vor der abschließenden Zugabe fiel das Publikum in der vollen Burgkirche ins Jubilieren ein mit dem Lied »Alle Vögel sind schon da«.

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