22. Januar 2019, 20:02 Uhr

Ausflug in die Vergangenheit

22. Januar 2019, 20:02 Uhr
Für die komplette Wanderung sind die Lamas zwar diesmal zu unruhig, aber einen Besuch können die Wanderer ihnen trotzdem abstatten.

Der Kultur- und Traditionsverein Ossenheim hatte für den vergangenen Sonntag zum winterlichen Grenzgang eingeladen. Bei herrlichem Wetter begrüßte Vorsitzender Rainer Hoffmann vor der Firma Glatt-Glas die zahlreichen Gäste. Er hatte sich ein Quizspiel als roten Faden für den Spaziergang ausgedacht. In seiner linken Tasche hatte er Lollies für Kinder und in der rechten edle Kirschen für richtige Antworten bereit. Am Treffpunkt erläuterte Hoffmann, dass die Firma Glas-Glatt früher in Fauerbach ansässig gewesen war, dann nach Ossenheim umzog und seit 2014 vom neuen Inhaber Stefan Will betrieben wird. Auf die Frage, wann das Auferstehungsfenster von der Firma Glas-Glatt in der Ossenheimer Kirche geweiht wurde, flog auf die Antwort 1995 die erste Praline durch die Luft, und jenseits der Bundesstraße hatte der erste Braunkohleabbau in der Wetterau 1804 begonnen – eine zweite Kirsche fand ihnen Empfänger.

Ossenheimer Heiratsmarkt

Dann setzte sich der Tross in Bewegung, um an dem Überbleibsel einer großen Sandgrube zwischen der Firma Glatt-Glas und dem Jagdhaus den ersten Stopp einzulegen. Die Grube entstand wohl in den 1920er Jahren, war etwa 80 Meter breit, 200 Meter lang, hatte westlich zehn Meter hohe Steilwände und war ein Eldorado für Kinder, die damals nach der Schule ausschließlich an der frischen Luft unterwegs waren. Hoffmann erinnerte an Franz Ruppert, den Letzten, der den »Schmiersand« abgebaut hatte. Zudem sprach Hoffmann über Wasyl, der als russischer Kriegsgefangener nicht mehr in seine Heimat zurückwollte und über viele Jahre in einem Bauwagen mit Federvieh in der »Sandkaut« wohnte. Er ernährte sich autark, sammelte Ähren, Obst, Gemüse und holte Trinkwasser am Röhrbrunnen.

Bald war das Jagdhaus erreicht. Zur Auflockerung konnten die vier Lamas von Martina Schröder bewundert werden. Leider waren die Tiere etwas unruhig, sodass sie nicht an der kompletten Wanderung teilnehmen konnten. Auf die Fragen, wann das Jagdhaus von der Grafschaft gebaut worden war, kam die Antwort »1745«. Und wann fand der erste Wäldchestag statt? Antwort: »1807«. Der lyrisch beschlagene »Jägerwirt« Ludwig Aehle war von 1827 bis 1866 Chef im Jagdhaus und brachte den Wäldchestag zur vollen Blüte. Damals hat sich der Begriff »Ossenheimer Heiratsmarkt« eingebürgert. Gefeiert wurde alle zwei Wochen an fest installierten Buden, Tischen, Bänken und einem Tanzboden. Vom 1920 betonierten Tanzboden ging der »Wanderrat« auch auf das benachbarte und 1925 eingeweihte Turnerdenkmal ein.

Erinnerung an Bombenangriffe

Dann ging es im Wäldchen weiter über den Rundweg bis zu einer weiteren Besonderheit, dem letzten verbliebenen Bombentrichter. Amerikanische Flieger hatte ihre tödliche Last zwischen dem Wasserbassin und dem Bergwerksteich abgeladen – am 22. Februar 1945 um 23 Uhr, wie Hoffmann den Tagebüchern von August Kopp entnehmen konnte. Hoffmann erinnerte auch an den 11. September 1944, als Bomben über Ossenheim abgeworfen worden und acht Tote zu beklagen gewesen waren.

Auf südlicher Seite des Wäldchens versammelte sich die Gruppe am Sonntag am Gedenkstein von Graf Franz zu Solms-Rödelheim und Assenheim, der am 10. Mai 1910 seinen 400. Bock geschossen hatte. Eine größere Pause wurde am »Ossemer Wäldchestreff« eingelegt. Dort konnten die Blicke über die südliche Wetterau sowie nach Friedberg und Bad Nauheim schweifen. Beim Hofgut von Matthias Kautz-Kopp klang die informative Veranstaltung mit Christas Erbsensuppe, Würstchen, heißem Apfelsaft und Hessenpunsch unter freiem Himmel aus.

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