07. Januar 2019, 20:17 Uhr

Ausstellung mit Augenzwinkern

07. Januar 2019, 20:17 Uhr
Die Ausstellung in der Volksbank behandelt die Krankheit Demenz auf humorvolle Weise. Das soll Außenstehenden und Angehörigen helfen, offen mit dem Thema umzugehen.

»Entschuldigung, wohne ich hier?«, fragt die ältere Dame eine junge Frau, die eben die Wohnungstür geöffnet hat. »Fast! Nur zwei Türen weiter, Frau Fröhlich«, erklärt sie freundlich. Was der bekannte Karikaturist Peter Gaymann hier auf humorvolle Weise zu Papier gebracht hat, spielt sich so oder so ähnlich jeden Tag oft tatsächlich ab. Über anderthalb Millionen Menschen sind in Deutschland an Demenz erkrankt, laut Alzheimer Gesellschaft kommen jährlich 300 000 Neuerkrankungen dazu.

»Wir möchten das Thema Demenz weiter enttabuisieren«, erklärte Waltraud Neisel am vergangenen Wochenende zur Eröffnung der etwas anderen Ausstellung zum Thema der krankhaften Vergesslichkeit. »Demenz – was bedeutet das noch mal?« ist der augenzwinkernde Titel einer Wanderausstellung des Hessischen Sozialministeriums, die den ganzen Januar über in der Volksbank Ober-Mörlen zu deren Öffnungszeiten zu sehen ist.

Verhalten für Angehörige oft peinlich

Anlässlich des fünften Geburtstages ihres Demenzcafés hatte sich die Arbeiterwohlfahrt Ober-Mörlen um die Exponate bemüht und in der selbstständigen Volksbank Unterstützung gefunden. »Wenn alle gemeinsam über die Vergesslichkeit schmunzeln, kann das Spannungen lösen und auch Schamgefühle zum Verschwinden bringen«, betonte AWO-Vorsitzende Neisel.

Das »Plaudercafé« werde zwar gut angenommen, noch immer sei aber vielen Menschen das Verhalten ihrer demenzkranken Angehörigen peinlich. »Humor könnte sie dazu bringen, lockerer zu reagieren statt vor Scham im Boden zu versinken«, ermunterte Neisel zum offenen Umgang mit der Krankheit. »Wir lachen mit den Menschen, nicht über sie!« Mit einer Veranstaltungsreihe anlässlich des Demenzcafé-Geburtstages wolle man Menschen mehr Sicherheit im Umgang mit dementen Menschen vermitteln.

Die ist auch der Ansatz der Ausstellung, die Cartoonist Peter Gaymann in Zusammenarbeit mit dem renommierten Freiburger Alterswissenschaftler Professor Thomas Klie geschaffen hat. Beide beobachteten den Alltag von Menschen mit Demenz und setzten ihn mit menschenfreundlichem Humor in Szene. Ihr Ansatz: Mit überzeichnendem Humor ist es einfacher, das Thema Mensch und Demenz aus der Ecke zu holen und mitten in die Gesellschaft zu rücken.

Eine Therapie gegen Demenz gebe es nicht, unterstreicht Professor Klie, deshalb »können wir nur mit Demenz leben lernen«. Gemeint sind nicht nur Familie, Freunde und Nachbarn, sondern die Gesellschaft insgesamt. Der Alterswissenschaftler ist überzeugt: »Demenz ist und wird immer mehr zu einer Lebensform.« (Fotos: hau)

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