26. März 2019, 17:00 Uhr

Interview

Autorin Eva Demski will ihre Erinnerungen mit anderen teilen

Die Frankfurterin Autorin Eva Demski schildert in ihrem neuen Buch »Den Koffer trag ich selber« ihre ganz persönlichen Erinnerungen. In einer Welt der Bücher und im Literaturbetrieb.
26. März 2019, 17:00 Uhr
»Wenn in der Großstadt keiner kommt, kann man sich immer damit trösten, dass einem die Veranstaltung von jemand anderem die eigene versalzen hat. Wenn das in kleinen Orten passiert, liegt es an einem selber. Das ist schlimmer«, sagt Eva Demski. (Foto: dpa)

Frau Demski, Sie haben mit »Den Koffer trag ich selber« auf Ihr Leben zurückgeschaut und sehr amüsant erzählt. Haben Sie es absichtlich mit »Erinnerungen« untertitelt und nicht mit »Autobiografie«?

Eva Demski: In einer Autobiografie geht es in erster Linie um den Autor, das hat mich nicht interessiert. Mir ging es um die spannenden Menschen und Dinge, denen ich durch meinen Beruf begegnet bin. Ich wollte Erinnerungen, die so nur ich haben konnte, mit anderen teilen.

Sie schauen zum Beispiel auf die Frankfurter Buchmesse und nennen Sie »Geistermesse«. Wieso?

Demski: Für mich ist die Buchmesse jedes Jahr mehr auch eine Geistermesse, weil so viele, die man für unsterblich gehalten hatte (und sie sich zum Teil auch selber) nicht mehr da sind. Oft wird ihrer auch schon nach kurzer Zeit nicht mehr gedacht. Aber ich sehe sie eben noch vor mir.

Wie hat sich der Buchbetrieb rund um die Buchmesse verändert?

Demski: Ach, eigentlich gar nicht so sehr. Es ist halt nicht mehr so kathedralenhaft, sondern eher kaufhausmäßig. Aber immer noch will jeder sein Papierschiffchen dort sicher übers Wasser bringen.

Statt gedruckter Bücher bevorzugen mache Menschen die e-Reader. Was halten sie davon, elektronisch zu lesen?

Demski: Mir macht das keinen Spaß, aber für den Urlaub hat es Vorteile. Ich werde Papierfan bleiben.

Gibt es Begegnungen, über die Sie in Ihrem Buch schreiben, an die Sie sich besonders gerne erinnern?

Demski: Eigentlich alle, die mit schrägen Menschen verbunden waren, mit denen, die sich selbst genügt haben. Und natürlich alle, bei denen die Liebe im Spiel war. Das waren nicht so viele.

Nun kommen Sie zum zweiten Mal nach Karben. Wie ist der Kontakt zum Literaturtreff, einem sehr engagierten Forum, entstanden?

Demski: Ich glaube, das ging ganz professionell über den Verlag.

Unterscheiden sich die Lesungen in kleineren Städten zu denen in Großstädten?

Demski: Wenn in der Großstadt keiner kommt, kann man sich immer damit trösten, dass einem die Veranstaltung von jemand anderem die eigene versalzen hat. Wenn das in kleinen Orten passiert, liegt es an einem selber. Das ist schlimmer!

Es ist eine kurze Fahrt mit der S-Bahn. Von Frankfurt in die südliche Wetterau nach Karben. Mögen Sie die Gegend?

Demski: Ja. Ich mag generell undramatische Gegenden. Im Sommer vor zwei Jahren habe ich auf diesem Weg ein Feld voll Klatschmohn, Kornblumen und wilden Möhren gesehen. Unfassbar schön.

An was arbeiten Sie, wenn Sie es verraten dürfen, derzeit?

Demski: Sagen wir so: An einer Art Revolutionsbilderbuch.

 

Lesung in Karben

Eva Demski, Jahrgang 1944, ist die Tochter des Bühnenbildners Rudolf Küfner, verbrachte ihre Kindheit in Regensburg, Wiesbaden und Frankfurt. Von 1964 bis 1968 studierte sie Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie an den Universitäten Mainz und Freiburg im Breisgau. Anschließend arbeitete sie als Dramaturgieassistentin beim Schauspiel Frankfurt sowie als freie Verlagslektorin und Übersetzerin. Von 1969 bis 1977 war sie Mitarbeiterin des Hessischen Rundfunks. Von 1967 bis zu dessen Tod im Jahre 1974 war sie mit dem Strafverteidiger Reiner Demski verheiratet. Seit 1977 lebt sie als freie Schriftstellerin in Frankfurt. Auf Einladung des Karbener Literaturtreffs liest die Autorin Eva Demski aus ihrem Roman »Den Koffer trag ich selber«, am Donnerstag, 28. März, um 19.30 Uhr, im »Kuhtelier« im Schlosshof von Leonhardi in Groß-Karben. Karten gibt es in der Buchhandlung Kling, Luisenthaler Straße 3 bis 5 und an der Abendkasse.

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