18. Mai 2018, 10:04 Uhr

Jahrelanger Missbrauch

Bad Nauheimer Sextäter muss nicht ins Gefängnis

Zwischen 1993 und 2009 soll er zwei Enkelinnen seiner Lebensgefährtin sexuell missbraucht haben, vor allem eines der beiden Mädchen. Ins Gefängnis muss der Bad Nauheimer dafür nicht.
18. Mai 2018, 10:04 Uhr
(Foto: dpa/Symbolbild)

Trotz des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern muss ein 75-jähriger Bad Nauheimer nun doch nicht ins Gefängnis. Im wieder aufgerollten Fall erhielt er zwar auch eine Gefängnisstrafe, doch die wurde zur Bewährung ausgesetzt. Seit fünf Jahren wird über die insgesamt 16 Anklagepunkte wegen schwerer sexueller Übergriffe an Kindern gegen den Bad Nauheimer verhandelt – zunächst vor dem Landgericht Gießen, dann im Revisionsverfahren vor dem Bundesgerichtshof und schließlich auf Anordnung des obersten Gerichtes wieder beim Gießener Landgericht, jedoch bei einer anderen Strafkammer (die WZ berichtete). Die Übergriffe an den Enkelkindern seiner Lebensgefährtin haben bei einer von ihnen schwere gesundheitliche Schäden verursacht; bei ihr dauerten die Übergriffe über Jahre an.

 

Opfer seit 2011 in ärztlicher Betreuung

 

Trotz gewonnener Revision gegen das erste Urteil des Gießener Landgerichts, das ihn wegen lediglich zwei Fällen sexueller Misshandlung von Kindern zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt hatte, wollte der Angeklagte eine erneute Verhandlung samt Konfrontation mit den beiden Opfern vermeiden. Sein Verteidiger regte deshalb zu Beginn der neuerlichen Verhandlung einen Vergleich an. Danach würde sich sein Mandant in drei weiteren Fällen und damit insgesamt in fünf der 16 angeklagten Fälle für schuldig erklären. Des Weiteren würde er eine Schmerzensgeldzahlung in Höhe von 7200 Euro an die junge Frau zustimmen, die hauptsächlich unter seinen Übergriffen zu leiden gehabt hat. Wie die Mutter der inzwischen 25-Jährigen am Donnerstag mitteilte, befindet sich ihre Tochter seit 2011, nach ihrem physischen und psychischen Zusammenbruch aufgrund der Misshandlungen in ärztlicher Betreuung.

 

Schmerzensgeld soll gezahlt werden

 

In den beiden Verhandlungstagen in dieser Woche wurde die psychologische Gutachterin noch einmal ausführlich zu den Folgen der Misshandlung bei einer der jungen Frauen befragt. Diese habe zwar auch unter der frühen Trennung ihrer Eltern gelitten »sowie unter den vielfachen Mobbing-Attacken an ihrer Schule. Doch das eigentliche Trauma und ihre immer noch anhaltenden Verhaltensstörungen rühren eindeutig von den sexuellen Übergriffen her.«

Weil die Vorfälle aber schon sehr lange zurückliegen und sich im Zeitraum von 1993 bis 2009 abgespielt haben sollen, der Angeklagte zudem inzwischen 75 Jahre alt und gesundheitlich sehr stark angeschlagen ist, er darüber hinaus die restlichen Taten eingeräumt und dem Opfer ein Schmerzensgeld zukommen lassen will, hat nach der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage auch das Gericht in den Vergleich eingewilligt.

 

Angedrohte Vergewaltigung

 

Danach erhält der bisher nicht vorbestrafte Angeklagte eine zweijährige Gefängnisstrafe auf Bewährung. Der Angeklagte räumte auch die Androhung einer Vergewaltigung ein. Die inzwischen 15-Jährige soll sich zuvor heftig gewehrt haben.

Auch gegen dieses Urteil ist erneut Revision möglich, wie der Vorsitzende Richter betonnte. Da aber alle Verfahrensbeteiligten zuvor dem von der Verteidigung angestrebten Vergleich zugestimmt haben, ist dies eher unwahrscheinlich.

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