02. April 2019, 11:00 Uhr

Thermalbad

Bad Nauheimer Therme: Abriss beendet, Neubau kann kommen

In der Ludwigstraße, wo einst die Therme gestanden hat, klafft eine große Baugrube: Viel Platz fürs neue Bad Nauheimer Thermalbad, das ans Badehaus 2 angebunden wird. Auch ein Hotel ist geplant.
02. April 2019, 11:00 Uhr
Ende 2015 hat die Stadtverwaltung die Schließung des Thermalbads angeordnet. Jetzt ist der Abriss des Altbaus abgeschlossen, das Grundstück zwischen Ludwigstraße und Badehaus 2 soll genügend Platz für Hotel und neue Therme bieten. (Foto: Nici Merz)

Ende März 2018 hatte Bürgermeister Klaus Kreß grünes Licht für den Start der Abrissarbeiten gegeben. Nach der rund zwölfmonatigen Abbruchphase sind das 1972 erbaute Thermalbad sowie die Außenanlagen Geschichte.

»Ich bin sehr froh und zufrieden, dass alles reibungslos abgelaufen ist und wir unseren Kosten- und Zeitplan gehalten haben. Wir wollten im Mai 2019 mit dem Abriss durch sein – das haben wir geschafft. Die Schadstoffsanierung und der Abriss gingen zügig voran. Bei einem so großen Projekt mit Überraschungspotenzial ist das nicht selbstverständlich«, erklärt der Bürgermeister.

 

Schließfach als Überraschung

Er dankte bei einem letzten Begehungstermin allen Beteiligten für die gute Arbeit. Tobias Poschmann, Geschäftsführer von der a5 Planung GmbH, überraschte Kreß mit der Tür des Schließfachs Nummer 1 aus der alten Therme, die er vor der Entsorgung gerettet hatte. Auf der polierten Edelstahlplatte hatte er das Erbauungs- und das Abrissjahr eingravieren lassen.

Planung und Bauleitung für den Rückbau, der in zwei Phasen unterteilt wurde, lagen beim Büro a5 Planung aus Bad Nauheim. Von März bis Dezember 2018 wurden zunächst die Nebengebäude wie die Saunen abgerissen, die Außenanlagen mit Teich zurückgebaut und das Gebäude entkernt.

 

Große Erschütterungen vermieden

Hierbei wurden die belasteten und gefährlichen Baustoffe von den unbelasteten Tragwerken getrennt und durch das Unternehmen F&R Industriedemontage und Abbruch GmbH aus Neunkirchen fachgerecht entsorgt. Diese Arbeiten wurden durch die Behörden überwacht. Ferner wurden beispielsweise die Einbauten und die Haustechnik entfernt, sämtliche Boden-, Wand- und Deckenverkleidungen abgenommen und die Fenster und Türen ausgebaut. Zuletzt waren die Schwimmbecken an der Reihe.

In der zweiten Abrissphase, die im Januar dieses Jahres begonnen hatte, wurde das rund zehn Meter hohe Hauptgebäude der in Stahlbetonskelett-Bauweise errichteten Therme abgerissen. »Die Bagger haben die Betonwände dabei nach und nach vorsichtig zerkleinert, um eine große Erschütterung durch eine Abrissbirne und Staubwolken für die Anwohner zu vermeiden. Gleichzeitig wurden das Außenbecken und die Wasserspiele zurückgebaut«, erläutert Volkmar Dörn, Fachdienstleiter Kureinrichtungen und Therme.

 

Kosten von rund 1,8 Millionen Euro

Im letzten Schritt wurden die Bodenplatte entfernt und die rund vier Meter tiefe Baugrube so gestaltet, dass niemand hineinstürzen kann. Rund 1,8 Millionen Euro kostete der Abriss inklusive Entkernung und Schadstoffentsorgung bei 29 000 Kubikmetern umbautem Raum. »Während der gesamten Abriss- und Rückbauphase waren wir in sehr gutem Kontakt mit den unmittelbaren Nachbarn, der Kerckhoff-Klinik, dem Rehazentrum am Sprudelhof und der Stiftung Sprudelhof. Wir haben umfänglich über die Arbeiten informiert und deren Belange berücksichtigt", sagt Steffen Schneider, Fachbereichsleiter Kur- und Servicebetrieb.

Sensoren haben den Schall und die Erschütterung rund um die Uhr gemessen, damit  auf kleinste Grenzwertüberschreitungen sofort hätte reagiert werden können – zum Schutz der Patienten und Anwohner. Erfreulicherweise gab es keine Auffälligkeiten. Das Gelände bleibt bis auf weiteres eingezäunt. Der angrenzende Parkplatz kann weiterhin genutzt werden.«

Info

Hintergrund des Therme-Abrisses

Die Therme musste nach Angaben der Stadtverwaltung Ende 2015 ihren Betrieb einstellen, da die in großen Teilen unveränderte Technik wie Elektroinstallationen und Raumluftanlagen ihre gewöhnliche Nutzungsdauer überschritten hatte. Die Reparaturanfälligkeit sei sehr hoch gewesen, die aggressive Sole habe viele Bauteile angegriffen. Das Säurelager sei nicht mehr genehmigungsfähig gewesen, auch hinsichtlich des Brandschutzes hätte erheblich investiert werden müssen. (pm)

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