Wetterau

Begleitung für Sterbende

Im März hatte sich in Friedberg der Förderverein für ein stationäres Hospiz gegründet. Ziel ist es, Bau und Betrieb eines stationären Hospizes für den Wetteraukreis zu begleiten. Wieso ein Förderverein notwendig ist, erläutert Vorsitzender Stefan Fuchs: »Die Krankenkassen geben zwingend vor, beim Betrieb eines Hospizes Ehrenamtliche im Boot zu haben.« 95 Prozent der Kosten würden von den Krankenkassen übernommen, fünf Prozent müsse das Ehrenamt erbringen, sagt der 54-Jährige, der hauptberuflich das Diakoniewerk Elisabethhaus in Bad Nauheim leitet. In der Gründungsversammlung hatte er sich spontan entschieden, für den Vorsitz zu kandidieren.
15. Mai 2019, 21:36 Uhr
Redaktion
An der Spitze des Vorstands steht Vorsitzender Stefan Fuchs, hier mit den Kolleginnen Petra Michael (vorne M.), Brunhilde Otto (vorne r.), Marion Osenberg (hinten l.) und Katja Bohn-Schulz. Das Gremium will so schnell wie möglich mit der Arbeit beginnen.
An der Spitze des Vorstands steht Vorsitzender Stefan Fuchs, hier mit den Kolleginnen Petra Michael (vorne M.), Brunhilde Otto (vorne r.), Marion Osenberg (hinten l.) und Katja Bohn-Schulz. Das Gremium will so schnell wie möglich mit der Arbeit beginnen.

Im März hatte sich in Friedberg der Förderverein für ein stationäres Hospiz gegründet. Ziel ist es, Bau und Betrieb eines stationären Hospizes für den Wetteraukreis zu begleiten. Wieso ein Förderverein notwendig ist, erläutert Vorsitzender Stefan Fuchs: »Die Krankenkassen geben zwingend vor, beim Betrieb eines Hospizes Ehrenamtliche im Boot zu haben.« 95 Prozent der Kosten würden von den Krankenkassen übernommen, fünf Prozent müsse das Ehrenamt erbringen, sagt der 54-Jährige, der hauptberuflich das Diakoniewerk Elisabethhaus in Bad Nauheim leitet. In der Gründungsversammlung hatte er sich spontan entschieden, für den Vorsitz zu kandidieren.

»Im Leben eines Menschen gibt es zwei entscheidende Momente. Das ist, wenn er auf die Welt kommt und wenn er wieder geht. Beide Male braucht er jemanden, der ihn begleitet. Er benötigt die Sicherheit, dass alles gemacht wurde und er in Ruhe gehen kann. Dafür steht ein Hospiz, und darum mache ich das«, sagt Fuchs. Wie Vorstandskollegin Marion Osenberg ergänzt, müssten viel mehr sterbende Menschen die Möglichkeit eines Hospizes haben. Oft seien die Wege zu weit.

70 000 bis 80 000 Euro nötig

Ziel des Vereins ist es nun, so viel Geld wie möglich zu sammeln. Auf 70 000 bis 80 000 Euro pro Jahr schätzt der Vorstand den benötigten Betrag. Der Verein möchte das Spendenaufkommen zum Teil durch Mitgliedsbeiträge erwirtschaften, die möglichst niedrigschwellig sein sollen. Noch steht die Höhe nicht fest, die Mitgliederversammlung soll dies am Freitag, 17. Mai, beschließen. Im Fundraising werde sich der Verein breit aufstellen, erläutert Vorstandsmitglied Elke Schulze. Kollegin Petra Michel merkt an: »Schon früh haben Menschen bereits gefragt, wo sie sich anmelden und spenden können.«

Zu der Versammlung am Freitag sind zunächst die Gründungsmitglieder eingeladen. »Danach starten wir«, kündigt Fuchs an. Homepage und Flyer sollen nach Worten von Schriftführerin Brunhilde Otto sicherstellen, dass der Verein etwas in den Händen hält. Auch Aufnahme-Anträge sind laut Vorstandskollegin Katja Bohn-Schulz bereits entworfen. Zwei Vorstandssitzungen waren bereits terminiert, Info-veranstaltungen sollen folgen.

Laut Pressemitteilung des Fördervereins will die Gesellschaft für diakonische Einrichtungen in Hessen und Nassau (GfdE) die Trägerschaft für das Hospiz übernehmen. Sie betreibt 13 Alten- und Pflegeheime, Gesellschafter ist die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). »Vor etwa eineinhalb Jahren hat der Aufsichtsrat der GfdE das Thema Hospiz aufgenommen«, berichtet Geschäftsführer Karlheinz Hilgert. Für einen guten Standort halte die Gesellschaft die Johanneskirche in Bad Nauheim, um dort anzubauen. »Wir sind diesbezüglich in der Planung und auch interessiert, Träger zu sein«, sagt Hilgert. Die Verhandlungen laufen. Das evangelische Dekanat unterstütze die Initiative, wie Dekan Volkhard Guth unterstreicht. »Wir haben einerseits die Nähe zu einigen Hospizinitiativen. Andererseits haben wir heute schon Pfarrerinnen und Pfarrer, die im Bereich der palliativmedizinischen Arbeit - stationär wie auch ambulant - Menschen begleiten.« Tod und Sterbebegleitung seien ein Arbeits- und Auftragsfeld als Kirche in der Region, gleichwohl sei es kein konfessionelles Thema. »Es ist ein Dienst an Menschen, den wir an dieser Stelle tun.« Wie Ulrich Schröder, Mitglied des Kirchenvorstands der evangelischen Kirche Bad Nauheim, erklärt, halte die Gemeinde die Gesundheitsstadt als Standort für geeignet. »Da wir hörten, es gebe derzeit keine alternative Fläche in Bad Nauheim, sind wir gern bereit, die Johanneskirche mit ihrem freien Grundstück nebenan zur Verfügung zu stellen. Wir begrüßen ausdrücklich, dass das Hospiz allen Menschen offenstehen soll.«

Die Verhandlungen mit den Krankenkassen führt derzeit der Wetteraukreis, der laut Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch als einziger hessischer Landkreis kein eigenes Hospiz hat. Laut Becker-Bösch sind die Signale seitens der Kostenträger positiv.

(Foto: Petra Ihm-Fahle)

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedbergbadnauheim/Wetterau-Begleitung-fuer-Sterbende;art472,590341

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