23. September 2019, 18:56 Uhr

Beifallsstürme für lettischen Chor

23. September 2019, 18:56 Uhr
Hinter den Klängen, die »DeCoro« präsentiert, steckt harte Arbeit: Die jungen Sängerinnen und Sänger proben jede Woche zwei- bis dreimal. (Foto: pv)

. Außergewöhnlich gut besucht war die St.-Bonifatius-Kirche beim Gastspiel des Universitätschors »DeCoro« aus der lettischen Hauptstadt Riga - offenbar hatte es sich schon im Vorfeld dieses Konzerts herumgesprochen, dass das Baltikum zu Recht als »Weltmittelpunkt der Chormusik« bezeichnet wird. Und selbst hoch gesteckte Erwartungen wurden noch übertroffen durch das grandiose Klangerlebnis, das der Chor dann seinen Gästen bot.

»DeCoro« zeigte unter der Leitung von Peteris Vaickovskis, dass ein Chor mehr sein kann als die Summe der Stimmen seiner Sängerinnen und Sänger - wenn ein Ensemble in dieser Reinheit der Tongebung, Differenziertheit der Dynamik und Geschlossenheit in Aussprache und Rhythmus musiziert wie dieser Kammerchor, dann entsteht ein geradezu emotionaler Gesamtklang, der direkt in die Seele der Hörenden geht.

Und hinter einem so bezaubernden Klang steht harte Arbeit: Die jungen Sängerinnen und Sänger proben jede Woche zwei- bis dreimal. Sie erarbeiten ein vielfältiges Repertoire geistlicher und weltlicher, lettischer und internationaler Chormusik, singen also in unterschiedlichen Sprachen. Und auch ihre Auftrittserfahrungen sind enorm, denn sie singen bei offiziellen Veranstaltungen der Stadt und der Universität Riga, nehmen an Wettbewerben teil, gestalten Konzerte in Kirchen und qualifizieren sich regelmäßig für das alle fünf Jahre stattfindende Chorfestival in Riga, wo sie in dem extra dafür gebauten Stadion dann Teil der gigantischen Sängergemeinschaft von über 10 000 Stimmen sein dürfen.

Für ihr Gastspiel in der Region hatte »DeCoro« ein Programm mit Chorsätzen überwiegend aus seiner lettischen Heimat zusammengestellt - einzige Ausnahme waren zwei Kompositionen von Arvo Pärt, der ja aus Estland stammt. Die meisten Besucherinnen und Besucher dürften Namen von Komponisten wie Ugis Praulinš, Margeris Zarinš, Lucija Garuta, Emils Dãrzinš, Ãdolfs Ãbele, Jãzeps Vitols oder Jãnis Lusens wohl noch nie gelesen oder gehört haben. Und auch deren Kompositionen klangen in vielfacher Hinsicht anders als alles, was im westlichen Europa nach 1850 komponiert wurde: Romantisch, aber ganz ohne Kitsch, und seltsam vertraut, wie musikalische Bilder aus einer vergangenen besseren Zeit.

A cappella, also ganz ohne Begleitung, bezauberte der Kammerchor mit insgesamt 15 Chorsätzen sein Publikum. Zum Abschluss trug er als musikalische Widmung an Lettland mit seinen so verschiedenen Landschaften eine Komposition von Eriks Ešenvalds vor, die zwei Unterschiede zu allen vorhergehenden aufwies: Annette Dörr, Chorleiterin aus einem Nachbarort und Betreuerin des »DeCoro« bei dessen Gastspiel in unserer Region, begleitete den Chorsatz auf einem Keyboard, und Peteris Vaickovskis, der großartige Chorleiter, sang mit wunderschönem Bariton ein Solo.

Danach hielt es das begeisterte Publikum nicht mehr auf den Sitzen: Mit nicht enden wollendem stürmischen Beifall konnte es die lettischen Gäste schließlich zu einer Zugabe bewegen, und der Chor wiederholte zur allgemeinen Freude die wunderbare Abschlusskomposition von Eriks Ešenvalds.

Henning Stahl

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