29. März 2019, 18:41 Uhr

Berufe jenseits von Klischees

29. März 2019, 18:41 Uhr
Jill Gölpel lernt den Beruf der Schäferin kennen.

Am »Girls’ Day« haben Mädchen Gelegenheit, in Berufe zu schnuppern, die bisher eher von Männern ausgeübt werden. So zum Beispiel Jill Gölpel und Mathilda McKimm, die den Schäfer Thomas Etzel in Altenstadt besucht haben. Obwohl im Wetteraukreis 15 Betriebe Schafe halten, gebe es zurzeit keine Schäferin.

Gemeinsam mit dem Fachdienst Naturschutz und Landschaftspflege haben sich die Mädchen verschiedene Naturschutzgebiete angeschaut und die Berufsbilder Schäferin und Landschaftsplanerin kennengelernt. »Ich war ganz beeindruckt, wie verbunden der Schäfer mit seinen Schafen ist. Die Schafe waren sehr neugierig und kamen gleich angelaufen. Wir durften die neugeborenen Lämmchen sogar auf den Arm nehmen. Überrascht hat uns, dass die Schafe in der Scheune ganz schön laut sind«, erzählt Jill von ihrem Tag.

Der »Girls’ Day« wird vom Fachdienst Frauen und Chancengleichheit koordiniert, wie auch der »Boys’ Day« am gleichen Tag. Ähnlich wie bei den Mädchen haben hier Jungen Gelegenheit, Berufe kennenzulernen, die bisher eher von Frauen ausgeübt werden. Mitarbeiterin Sarah Parrish erklärt: »Oft haben die Eltern und Kinder Zweifel, ob der Tag überhaupt sinnvoll ist. Doch hinterher haben sie meist ein gutes Gefühl dafür bekommen, wie ungewöhnlich es noch immer ist, als Frau in einer Männerdomäne oder als Mann in einer Frauendomäne zu arbeiten.«

Laut Wetteraukreis beteiligen sich viele unterschiedliche Betriebe am »Girls’ Day«, zum Beispiel die Ovag, die Revierförsterei, Repp Metallgestaltung, die Stadtwerke Bad Homburg und die Technische Hochschule Mittelhessen, bei den Jungen seien es vor allem Altenheime, Kindergärten, Optiker und Büchereien. Die Kreisverwaltung beteilige sich auch an dem Tag. 13 Jungen besuchten mit dem Fachdienst Jugendhilfe ein Kinderheim und lernten Berufe im sozialen Bereich der Verwaltung kennen. 40 Mädchen schauten sich Berufe wie Bauingenieurin, Berufspolitikerin, Architektin, Technikerin oder Bauzeichnerin an. Aber auch Führungsaufgaben konnten einige Mädchen kennenlernen, wie bei der Ersten Kreisbeigeordneten Stephanie Becker-Bösch.

»Die mehrjährige Teilnahme ermöglicht es euch, verschiedene Arbeitsfelder zu vergleichen. So seid ihr am Ende der Schulzeit gut informiert und könnt dann abwägen, was euch wirklich interessiert und euch gute Perspektiven für eure Zukunft bietet«, sagte Landrat Jan Weckler in seiner Begrüßung.

Das Engagement lohne sich für die Mädchen und Jungen sowie für die Unternehmen. Rund ein Drittel der »Girls’ Day«-Unternehmen bekäme später Bewerbungen von ehemaligen Teilnehmerinnen. Auch in der Kreisverwaltung würden inzwischen einige Frauen arbeiten, die den Kreis als Arbeitsplatz über den Girls’ Day kennengelernt hätten.

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