26. Februar 2018, 17:00 Uhr

Wasserserie

Bevor der Wölfersheimer See umkippt

Die Wasserqualität des Wölfersheimer Sees ist ein Problem. Die Situation in den Griff zu bekommen ist weder einfach noch billig. Doch es gibt Gefahren, die beseitigt werden müssen.
26. Februar 2018, 17:00 Uhr
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Von Sabrina Dämon

Die Wasserqualität war noch nie die beste, und doch: »Viele Generationen haben im Wölfersheimer See schwimmen gelernt«, sagt Bürgermeister Rouven Kötter. Früher war das eben anders. Da hat keiner gefragt: Sommer, Sonne, Kopfsprung. Erst in den vergangenen Jahren ist das Problem Wasserqualität in den Fokus gerückt. Schwimmen ist heute verboten, an einem Sommertag ist dennoch einiges los am See. Ein drei Kilometer langer Rundweg lockt Spaziergänger, es wird geangelt, Leute grillen, andere sind im Hochseilgarten. Es gibt einen Mehrgenerationenspielplatz, in diesem Jahr hat die Fußballgolfanlage eröffnet. Für einige Tage im Sommer sind zudem Leinwand und Stühle aufgestellt: Kinosommer am See.

Ja, in den vergangenen Jahren hat sich viel getan an dem rund 37 Hektar großen ehemaligen Tagebaurestsee – der der größte See in der Wetterau ist.

Seine Vergangenheit ist dem See kaum noch anzusehen, nur an einer Stelle steht das Fundament der alten Sprühanlage. Die Probleme jedoch, die heute die Gemeinde beschäftigen (sie hat den See vor zehn Jahren gekauft), liegen in der Entstehungsgeschichte. Da es sich nicht um ein natürlich entstandenes Gewässer handelt, gibt es keinen großen Zulauf. Der See hat eine Wasserzufuhr aus der Kläranlage, dem Heldteich und aus dem Grundwasser, in den Biedrichsgraben fließt es ab. Das Wasser allerdings ist kaum in Bewegung. Der See hat im Sommer unter drei Metern Wassertiefe bis zum Grund in 18 Metern Tiefe keinen Sauerstoff. »Er ist dort ökologisch tot«, sagt Kötter. Gefährlich könne es im Sommer werden, durch einen Hagelsturm etwa könne der See umkippen – bedeutet: Die Fische würden sterben.

 

Wie das Wasser besser wird

Der See leidet unter einer extrem hohen Zufuhr von Nährstoffen, erklärt Kötter – ein großer Teil dieser Zufuhr kommt aus der Kläranlage. Es muss sich also etwas ändern, welche Lösung die beste ist, ist allerdings noch nicht klar.

Seit Jahren werde die Wasserqualität ständig überwacht, von Fachleuten analysiert. Außerdem sei ein Gutachten erstellt worden. Die Frage: Wie kann die Wasserqualität dauerhaft verändert werden? Wie Kötter erklärt, macht das Gutachten den Zufluss durch die Kläranlage als Hauptproblem aus. Dieses fließt über einen Graben in den See (pro Tag seien es momentan rund 1000 Kubikmeter geklärtes Wasser). Auf der anderen Seite fließt es in den Biedrichsgraben und weiter Richtung Echzell. »Belüftungsanlagen oder chemische Phosphatfällungen würden für den See wie Kopfschmerztabletten wirken – sie lindern kurzfristig die Symptome, aber sie packen das Problem nicht an der Wurzel.« Ziel sei es, dass das Kläranlagenwasser nicht dauerhaft in den See fließe.

Welche Lösungen gibt es? »Entweder man verrohrt das geklärte Abwasser und führt es am See vorbei. Dann würde es jedoch unverdünnt auf den Biedrichsgraben treffen« – es sei aber nicht klar, inwiefern die Pflanzen- und Tierwelt dieses kleinen Gewässers das verkraften würde. Die zweite Alternative sehe vor, die Kläranlage stillzulegen und das Abwasser nach Utphe zur Verbandskläranlage zu pumpen (dort werden bereits die Abwässer aus Wohnbach und Berstadt geklärt). »Beide Varianten würden jedoch Kosten in Millionenhöhe verursachen. Aus diesem Grund wurde ein zweiter Gutachter beauftragt mit der Frage: Gibt es eine Möglichkeit, die Wasserqualität dauerhaft und nachhaltig zu verbessern, obwohl das geklärte Abwasser der Kläranlage weiterhin in den See fließt?« Kötter sagt: »Dieser Frage muss man fundiert nachgehen – sie könnte der Gemeinde Millionen sparen.«

Parallel dazu werde bald testweise ein Tiefenbelüfter installiert (die »Kopfschmerztablette«), um die dadurch erzeugten Veränderungen zu beobachten – mit diesem werde Sauerstoff auf den Grund gepumpt. Ziel sei es, die Auswirkungen zu analysieren, um Erkenntnisse für die weitere Gewässertherapie zu gewinnen.

Ob die Wölfersheimer je wieder in ihrem See schwimmen können? Kötter ist recht zuversichtlich: »Ich möchte, dass meine Enkel darin schwimmen können.«



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