12. Dezember 2017, 14:00 Uhr

»Sang«-Ärger

Bewohner beschweren sich: Baustellen-Ärger im Neubaugebiet »Sang«

Das Neubaugebiet »Sang« wird als eines von Rosbachs Vorzeigeprojekten gepriesen, doch nicht alle sind zufrieden. Die Bewohner der Siedlung »Am Salzberg« sind sauer, der Bürgermeister widerspricht.
12. Dezember 2017, 14:00 Uhr
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Von Edelgard Halaczinsky
Leben auf der Baustelle: Einst in frischem Gelb neu gestrichen ist die Hausfassade von Markus Jung inzwischen von Staub übersät. (Fotos: lh)

Unsere Häuser sehen aus wie Sau«, schimpft ein Anwohner der Rosbacher Bestandssiedlung »Am Salzberg« im Neubaugebiet »Sang«. Die weiße Fassade seines Hauses wurde beim Abriss des Silica-Gebäudes im Sommer in grauen Staub gehüllt. »Das war im Sommer, als wir gerade die Zeit auf unserem Balkon hätten genießen können.« Schon ein Gang nach draußen, zum Beispiel um die Blumen zu gießen, habe wegen des unerwünschten feinkörnigen Bodenbelags Spuren hinterlassen. »Wenn wir die Fenster zum Lüften geöffnet haben, kam keine frische Luft, sondern Staubwolken herein«, berichtet Christa Sangl und erntet das Kopfnicken ihrer Nachbarn.

Was als die heiß ersehnte Anbindung an die übrige Wohnbebauung von Ober-Rosbach verkauft wurde, sorgt nun für Verdruss. »Eigentlich hätten wir das Neubaugebiet gar nicht gebraucht, denn wir leben hier seit über 40 Jahren ganz gut«, meint Markus Jung. Er hatte sein Vierfamilienhaus gerade frisch gestrichen, als die Bagger anrollten. Das zarte Gelb der Außenfassade mutierte zu einem schmuddeligen Ocker. »Ich habe bei der Stadt angerufen, und den Rat bekommen, die Fassade selbst zu reinigen.« In fast zehn Metern Höhe hätte er dazu auf eine Leiter gemusst. Das traute er sich nicht zu.

 

 

Bürger fühlen sich von Bürgermeister alleine gelassen

 

Markus Jung zeigt Schäden an seiner Grundstücksmauer. (Foto: lh)

Nun wird auch noch die Straße grundsaniert – die Zufahrt zu den Grundstücken »Am Salzberg« ist damit teilweise nicht mehr möglich. »Hier wohnen viele ältere Leute. Wie soll ein Notarzt oder Krankenwagen zu ihnen kommen?«, fragt Anwohner Edgar Walter. Die Feuerwehr hätte im Ernstfall Probleme, und auf die Müllabfuhr müsse man manchmal bis zu vier Tage warten. Fußgänger wüssten erst gar nicht, wo sie lang laufen sollen. »Das soll aber bis Ende Februar so bleiben«, schimpft Walter.

»Wir werden von der Stadt allein gelassen«, klagen die betroffenen Bürger unisono. Bürgermeister Thomas Alber entgegnet, es handele sich bei der Kritik nur um einzelne Beschwerdeführer. Nach seinem Kenntnisstand teilten nicht alle Anlieger deren Meinung. Christa Sangl widerspricht: »Wenn Leute sich nicht im Rathaus beschweren, heißt das noch lange nicht, dass sie zufrieden sind.«

 

 

Alber: Großbaustelle bringt naturgemäß Beeinträchtigungen mit

 

Nachbar Jung zeigt derweil die Beschädigungen an seiner Grundstücksmauer, die durch das Aufreißen des Bürgersteigs verursacht wurden. Bürgermeister Alber sagt dazu: »Schäden, die an uns herangetragen wurden, zum Beispiel durch Staubentwicklung verschmutzte Häuser, wurden direkt behoben oder der Versicherung gemeldet. Dies gilt auch für den Abriss des Silica Gebäudes.« Die »Salzberg«-Bewohner schütteln den Kopf. Hier sei viel versprochen, aber nur wenig gehalten worden.

Laut Alber handelt es sich bei der Erschließungsmaßnahme »Sang« ohnehin um eine Großbaustelle, die naturgemäß Beeinträchtigungen für Anlieger mit sich bringe. Man sei aber auf Beschwerden und Wünsche der »Salzberg«-Bewohner eingegangen, und habe im Vorfeld informiert. »Ich würde die Anwohner herzlich bitten, die Vorteile zu beachten, die sich aus der Entwicklung des Baugebietes ergeben.«

 

 

Bürgermeister: »Salzberg«-Bewohner bekommen Vorteile kostenlos

 

Als Beispiele nennt er die Anbindung an Ober-Rosbach mit grunderneuerter und ausgebauter Fahrbahn sowie Gehwegen und Beleuchtung, des Weiteren die Beleuchtung der Straße »Sang« bis zum Waldparkplatz, die vollständige Sanierung der Straße »Am Salzberg« mit Wasser, Kanal und Fahrbahn sowie die Aufweitung der Baufenster im Bebauungsplan für die rund 1000 Quadratmeter großen Grundstücke für eine Hinterbebauung oder Grundstücksteilung. Zudem sei durch die Verlegung von Glasfaserkabel die Breitbandversorgung gegeben. »Für diese Erschließungsmaßnahmen im Baugebiet zahlen die neuen Grundstückseigentümer entsprechende Erschließungsbeiträge, die Bewohner des »Salzberg« profitieren ohne Beitragsleistung«, schließt Alber.



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