28. September 2019, 08:00 Uhr

Baugebiet

Bezahlbarer Wohnraum im »Gollacker«: »Maximal 7,20 Euro warm«

Wie lässt sich bezahlbarer Wohnraum im nachhaltigen Assenheimer Neubaugebiet »Gollacker« umsetzen? Auch im Haupt- und Finanzausschuss gab es dazu keine neuen Erkenntnisse. Nun hofft man auf den Wetteraukreis.
28. September 2019, 08:00 Uhr
Seit Jahren steht das Schild der »Gollacker«-Gegner an der Landstraße. Und immer noch wird diskutiert. (Foto: Nici Merz)

Die Fronten zwischen SPD und der Linken auf der einen Seite und CDU, Grünen und FDP auf der anderen Seite sind beim Thema »Wohngebiet Gollacker« inzwischen so verhärtet, dass eine einvernehmliche Lösung nur schwer vorstellbar ist.

Gegen den heftigen Widerstand der Opposition hatte die rot-rote Koalition nach jahrelangen Diskussionen die Realisierung des Neubaugebietes zwischen Assenheim und Bruchenbrücken im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht. Im Juni dieses Jahres schob sie dann einen Antrag nach, mit dem innerhalb des 10,7 Hektar großen Neubaugebiets angesichts der immer höher steigenden Mieten den Anteil an bezahlbaren Wohnraum auf »mindestens 25 Prozent« festgelegt werden soll. Da jedoch nicht genau definiert wurde, was unter »bezahlbaren Wohnraum« zu verstehen ist, war der Antrag zur weiteren Beratung erst einmal in den Haupt- und Finanzausschuss überwiesen worden.

Fast drei Monate sind seither vergangen. Zwischenzeitlich wurde auf Antrag der Verwaltung nicht nur beschlossen, sich mit dem Bauvorhaben an dem Projekt des Landes Hessen »Plus-Energie-Siedlung« als eine von acht Modelregionen beteiligen zu wollen, sondern es wurde auch im Rathaus weiter an der Realisierung des Neubaugebietes gearbeitet. So wurde nach Auskunft von Bürgermeister Dr. Bernhard Hertel beim Planungsverband die Änderung des Regionalen Flächennutzungsplans beantragt. In Absprache mit der Hessischen Landgesellschaft (HLG), die das Wohngebiet erschließen und vermarkten soll, sei die Ausschreibung für die erforderlichen Planungsarbeiten auf den Weg gebracht worden. Auch mit den Archäologen habe man bereits die Termine für die notwendigen Bodenuntersuchungen vereinbart. »Es läuft alles bestens«, meinte Hertel deshalb zufrieden.

Eigenheime bleiben außen vor

Anderer Ansicht ist da die Opposition. »Ihr Antrag erscheint mir weiterhin sehr unpräzise. Was wollen Sie denn nun? Sozialen Wohnungsbau oder bezahlbaren Wohnraum?«, fragte in der Sitzung das FDP-Ausschussmitglied Peter Schmitz. Und ob auch private Bauherren in ihren Einfamilienhäusern für bezahlbaren Wohnraum sorgen müssten, wollten er und CDU-Ausschussmitglied Gerd Einhoff wissen.

236 Wohneinheiten sollen im »Gollacker« voraussichtlich entstehen, 142 Geschosswohnungen und 94 Eigenheime. Letztere seien von dem Antrag allerdings nicht betroffen, sagte Rudi Kreich (Die Linke). Es gehe nur um die 142 Wohneinheiten, immerhin 60 Prozent der Wohnbebauung. Davon sollten mindestens 25 Prozent »bezahlbar sein«. Laut Kreich, der sich auf Untersuchungen der OECD und der Nassauischen Heimstätten beruft, soll die Kaltmiete zwischen 6 und 6,50 Euro liegen, warm bei maximal 7,20 Euro. Ein Alleinstehender dürfte demnach nicht mehr als 324 Euro im Monat für eine rund 50 Quadratmeter große Wohnung zahlen.

Ein Mietpreis, den CDU-Mann Einhoff für nicht realistisch hält, «so etwas kann allenfalls in größeren Wohnblocks in Kombination mit anderen Wohnungen gehen, die dann zu marktüblichen Konditionen vermietet werden können«, zweifelt er den Vorschlag der rot-roten Koalition an. Zu diesen Konditionen ließe sich kaum ein Investor finden. Hinzu käme die zusätzliche Hürde mit dem Energie-Plus-Beschluss zum nachhaltigen Bauen, der das Vorhaben noch einmal deutlich verteuern werde.

Die Lösung erhofft sich der Ausschuss nun in dem Bestreben des Wetteraukreises, schon in Kürze eine eigene Wohnungsbaugesellschaft gründen zu wollen, die mit entsprechender Unterstützung durch Bund und Land für genau solchen zahlbaren Wohnraum sorgen will.

Auf Vorschlag Einhoffs wurde deshalb eine Entschlussfassung zu diesem Thema im Ausschuss auf Ende November verschoben, da bis dahin auf Kreisebene die Entscheidung über eine kreiseigene Wohnungsbaugesellschaft gefallen seien soll.

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