01. November 2019, 08:00 Uhr

Kreativ Müll reduzieren

Clever sein und Plastik sparen: Besonderer Kurs in Bad Nauheim

Wie können es Verbraucher schaffen, weniger Müll zu produzieren? Beim Müllvermeidungskurs im Bad Nauheimer Weltladen haben Andreas Arnold und Svenja Preuster Tipps gegeben.
01. November 2019, 08:00 Uhr
Andreas Arnold, Svenja Preuster (M.) und Gast Anja Kistner zeigen, wie man mit einfachen Mitteln Badesalz herstellen kann. (Foto: Ihm-Fahle)

Wie viel Plastikmüll produzieren die Deutschen pro Jahr und Kopf? 1000, 500 oder 50 Kilo? Die Antwort gibt Gerd Joachim. »Es sind 37 Kilo«, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Weltladens in Bad Nauheim. Auf einem Tisch stehen Zutaten wie Salz, Mehl, Olivenöl und Apfelsaft, der Laden ist voll mit Gästen. Andreas Arnold und Svenja Preuster stehen vor dem Publikum, um gleich ihren Mitmach-Kurs zur Müllvermeidung zu beginnen.

Drei Schwerpunkte hat das Seminar, für das sie viel Applaus ernten werden: Müll sparen in Bad, Küche und an Weihnachten. Vorab erzählen Preuster, die als »Fräulein Öko« einen Youtube-Kanal betreibt, und Arnold, wie sie auf das Thema gekommen sind. Für beide war es ein einschneidendes Erlebnis, den Film »Plastic Planet« zu sehen. »Werner Boote wollte damit nahebringen, was das viele Plastik mit dem Menschen und der Erde macht. Was mich am meisten beeindruckte, war die Menge, die im Meer versenkt wird«, sagt Arnold. Er schaute daraufhin in Kühlschrank und Küchenschränke - und siehe da: »Ich sah viel Plastik.«

Damals beschloss der Friedberger, in kleinen Schritten etwas zu ändern, monatlich eine Sache. In seinem Blog »Plastic Diary« schreibt Arnold darüber. Als Verzicht sieht der 43-Jährige die Plastik-Diät nicht, sondern als Befreiung. Hier sind seine Tipps fürs Bad:

Duschgel und Shampoo: Alternativen sind Haarseife und Seife. Flüssigseife lässt sich herstellen, indem man ein drei Esslöffel Kernseife raspelt und mit 500 Milliliter Wasser übergießt. Entweder kochend oder kalt, dann aber über Nacht stehen lassen.

Mundhygiene: Zahnbürsten gibt es aus Holz, sogar Modelle mit Bambus-Borsten. Zahnsalz lässt sich aus 100 Gramm Kochsalz und zwei gehäuften Esslöffeln Salbei herstellen, im Mörser zerkleinert man die Zutaten zu Pulver.

Deo-Creme: Man nehme zwei Teile Kokosfett, ein Teil Natron, ein Teil Speisestärke und fünf Tropfen Lavendelöl. Alle Zutaten zu Creme vermengen.

Bei Svenja Preuster kam das Umdenken, als sie über schädliche Bestandteile in Kosmetik las. »Es gibt viele erdölbasierte Stoffe, die nicht auf die Haut gehören«, sagt sie. Sie sortierte aus und wurde gleichzeitig auf Schadstoffe in der Ernährung aufmerksam. Um plastikfrei zu leben, fing sie an, zum Einkaufen Jutetaschen und Beutel für Obst und Gemüse mitzunehmen. Auf Alufolie verzichtet die 24-Jährige, Frischhaltefolie ersetzt sie durch vegane Wachstücher und Backpapier durch wiederverwendbare Backmatten.

Ein weiterer Aspekt des Seminars ist das Thema Weihnachtsgeschenke. »Hört man die Frage ›Was wünschst du dir?‹, fängt der Stress schon an«, stellen Arnold und Preuster fest. Denn die meisten Menschen haben schon alles, der Konsum überfordert. Wer stattdessen etwas selbst machen will, findet hier Tipps:

Erkältungssalbe: Man verrühre 50 Milliliter Pflanzenöl, fünf Gramm geschmolzene Kakaobutter, fünf Tropfen Pfefferminzöl und vier Tropfen Eukalyptusöl in einem Glas.

Für Badesalz kann man 250 Gramm Salz, 100 Gramm Natron und getrocknete Lavendelblüten in einem großen Glas vermischen.

Ein Kuchen im Glas könnte aus einem Teil Kakao, sechs Teilen Mehl und sechs Teilen Zucker bestehen, dies mit Vanille, Backpulver und Salz im Glas geschichtet. Man füge ein handschriftliches Rezept hinzu, mit dem Hinweis auf drei Teile Öl und sieben Teile Wasser.

Apfellikör: Man koche zwei Liter Apfelsaft, 300 Gramm Zucker, einen halben Teelöffel Zimt (oder zwei Zimtstangen) und eine Messerspitze Vanille gemeinsam auf und lasse die Flüssigkeit zehn Minuten ziehen. Anschließend gibt man 700 Milliliter weißen Rum und 16 Tropfen Bittermandelaroma hinzu. Für die Verpackung eignen sich Zeitungen und wiederverwendbare Schleifen. »Ein schönes Geschenk ist übrigens gemeinsam verbrachte Zeit«, empfiehlt »Fräulein Öko«. Und wem es leidtut, Weihnachtsbäume zu schlagen, kann unter www.bergwaldprojekt.de Ersatz-Bäume spenden. Alternative Adventskalender gibt es unter www.24-gute-taten.de: Hinter jedem Türchen verbirgt sich der Hinweis auf ein Benefiz-Projekt, zu dem der Kalender-Kauf beiträgt.

Müll an Weihnachten, Feinstaub an Silvester

An Weihnachten und Silvester wachsen Müll und die Belastung für die Umwelt sprunghaft an. Laut der Zahlen, die Svenja Preuster beim Müllvermeidungskurs präsentiert hat, entstehen an Weihnachten 15 Prozent mehr Rest- und Biomüll, 30 Prozent mehr Papiermüll und 40 Prozent mehr Glasmüll. Der Paketversand steigt um 50 Prozent an. Für das Silvester-Feuerwerk geben die Deutschen 100 bis 150 Millionen Euro pro Jahr aus. Das produziert 4500 Tonnen Feinstaub, was 15,5 Prozent des jährlichen Straßenverkehrsstaubs entspricht.

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