04. Dezember 2018, 11:00 Uhr

Friedberger SPD

Das Motto des neuen SPD-Vorsitzenden: Jetzt erst recht!

Umfragen sehen die SPD auf einer Höhe mit der AfD. Für Jürgen Volz ein Grund mehr, Verantwortung zu übernehmen. Der 52-jährige Finanzbeamte ist neuer Vorsitzender der Friedberger SPD.
04. Dezember 2018, 11:00 Uhr
Die Aufgabe ist neu, aber Jürgen Volz hat keine Bange vor dem Amt als SPD-Vorsitzender. Der Neue sieht sich als Teamplayer, der gerne Verantwortung übernehme. (Foto: Wagner)

Sozialdemokrat im Herzen sei er schon lange gewesen. Aber erst im Oktober 2017, nach dem »schockierenden Ergebnis bei der Bundestagswahl, trat Jürgen Volz in die SPD ein. Jetzt erst recht, sagten sich er und sein Arbeitskollege Andreas Fuhrmann, mit dem er im Finanzamt in der Burg ein Büro teilt. Was die beiden ganz besonders antreibt: »Das Erstarken der Rechtspopulisten. Die vertreten keine demokratischen Werte. Wenn wir uns nicht entgegenstellen, ist unsere Demokratie gefährdet«, sagt Volz.

Vergangene Woche wurde der 52-jährige Finanzbeamte mit großer Mehrheit ohne Gegenstimmen zum neuen Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins Friedberg gewählt; sein Kollege Andreas Fuhrmann ist nun Beisitzer. Das war Volz bereits seit letztem Jahr. Nicht nur an den Wahlständen hat er Einsatz gezeigt, auch bei Partei-internen Diskussionen meldete er sich zu Wort und vertrat klare Positionen. Anfang des Jahres sprach er sich gegen eine Große Koalition in Berlin aus. »Nicht wegen der CDU, mit der kann man zusammenarbeiten. Wegen der unberechenbaren CSU.« Die Querschüsse von Innenminister Horst Seehofer habe er erwartet.

Als Motivationskünstler gefragt

Die SPD will sich erneuern, viel ist davon nicht zu erkennen. »Das läuft für die Bürger eher im Verborgenen und muss öffentlich sichtbar gemacht werden. Unser Profil geht unter, die Bevölkerung nimmt uns nicht wahr.« Das sei ein großes Problem, sagt Volz. Er will es an der Wurzel anpacken. Die Ortsvereine seien noch immer »die Herzkammer und Basis der SPD«. Die Partei müsse sich wieder mehr mit den Sorgen der Menschen beschäftigen, ihnen zuhören und Hilfe anbieten, etwa beim Ausfüllen von Rentenbescheiden. Das Problem: Die Friedberger SPD hat keinen Vereinsraum wie die Linken mit ihrem »Roten Laden«. Und keine regelmäßige Diskussionsrunde mit den Bürgern wie die »Stadtgespräche« der CDU.

Regelmäßige Angebote an die Bürger seien eines der Ziele, die er sich gesetzt habe. »Wir müssen mit den Menschen ins Gespräch kommen, ihr Vertrauen zurückgewinnen.« Die AfD mache das geschickt. »Die spielt sich als Anwalt der kleinen Leute auf, dabei verfolgt sie eine neoliberale Politik.«

Wohnhaft in Rosbach

Die SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung sei sehr aktiv. »Das war sie unter der jetzigen Ersten Stadträtin Marion Götz und ist sie unter Dr. Klaus-Dieter Rack.« Die Parlamentsarbeit in Friedberg bereite ihm keine Sorgen. Als vordringlichste Aufgabe sieht Volz, die eigenen Mitglieder zu motivieren. »Wir zählen mit rund 190 Mitgliedern zu den stärksten Ortsverbänden in der Wetterau. Ich sehe uns da kreisweit in der Verantwortung.«

Zur Jahreshauptversammlung kamen aber nur 30 Mitglieder. Da ist noch viel Luft nach oben. Ob er in zwei Jahren für die Stadtverordnetenversammlung kandidiert, kann Volz heute noch nicht sagen. Momentan wäre das auch nicht möglich. Volz wohnt mit seiner erwachsenen Tochter in Rosbach. »Seit 1993 lebe ich hier.« Seine Arbeitsstelle aber ist in Friedberg, wo er die meiste Zeit verbringt, mit Freunden in die Ü40-Disco zum Tanzen geht und auch sonst viel Freizeit verbringt. Volz arbeitet als Lohnsteuer-Außenprüfer, kommt viel herum. Geboren wurde er in Nordhessen. Seine Ausbildung zum Finanzbeamten absolvierte er in Frankfurt. »Ich fühle mich auch als Friedberger, kenne die Kreisstadt sehr gut.« Mit der Rosbacher SPD sei sein Engagement in Friedberg abgesprochen.

Zunächst einmal wird viel organisatorische Arbeit auf Volz zukommen. Mit seinem Vorgänger Benjamin Ster, der sein Amt aus beruflichen Gründen niederlegte, muss noch manches geregelt werden. Die Organisation des Neujahrsempfangs im Januar steht ganz oben auf der Liste. Im Gesangverein war er bereits Vorstandsmitglied, ein Vorsitzendenamt ist neu für ihn. Bange sei ihm vor der Aufgabe nicht. »Ich habe mit Evy Weiß und Michael Kesselring die besten Stellvertreter, die ich mir vorstellen kann.«

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