27. Juni 2017, 20:21 Uhr

Demandt stellt Jubiläum infrage

27. Juni 2017, 20:21 Uhr
Bürgermeister Norbert Syguda (l.) dankt Prof. Alexander Demandt für die humorvolle Festrede zum 1250-Jährigen. (Foto: sax)

Es sei ein Risiko, einen Althistoriker als Festredner einzuladen, warnte Professor Alexander Demandt. Und sägte prompt an den Grundlagen der Altenstädter Jubiläumsfeier. Zum einen sei die Gemeinde deutlich älter, zum anderen wäre das Jubeljahr anders festzulegen.

Bei der Feier des Jubiläums der ersten urkundlichen Erwähnung bezieht sich Altenstadt auf eine Stiftungsurkunde an das Kloster Lorsch aus dem Jahr 767. Demandt konterte mit einem römischen Gedenkstein, der sich in das Jahr 242 mehr als 500 Jahre früher datieren lässt. Zwar sei der Name der Siedlung in römischer Zeit anders gewesen. Dennoch sei das römische Kastell als Ursprung der Gemeinde Altenstadt anzusehen.

Nicht zuletzt die eigentümliche ursprüngliche Führung der Hauptstraße, die von Lindheim kommend, am westlichen Ortsausgang am ehemaligen Standort der Lagerbefestigung, scharf nach rechts und links abknicke, belege die Verbindung zwischen der Entstehung der Siedlung und dem Kastell.

In seinem Vortrag wies Demandt auch auf Möglichkeiten hin, der Geschichte im Bewusstsein der Gemeinde mehr Raum zu geben als bisher. So sollte eine Kopie eines Matronensteins, der drei keltisch-germanischen Göttinnen geweiht war und bei Ausgrabungen auf der früheren Fläche des Kastells gefunden wurde, nicht nur im Heuson-Museum in Büdingen, sondern auch an prominenter Stelle im Rathaus Altenstadt gezeigt werden.

Seine Kritik am Umgang mit der Geschichte erstreckte sich auch auf den Umgang mit den Zeugnissen der jüdischen Mitbewohner. Die Synagoge in der Kerngemeinde sei »1938 aus ideologischen Gründen von den Nationalsozialisten ramponiert worden«, erinnerte er. Die Lindheimer Synagoge, der dieses Schicksal erspart blieb, sei jedoch »aus praktischen Gründen 1973 von den Sozialdemokraten abgerissen worden.«

Demandt zog aber auch Parallelen zur Verwaltungsstruktur der Region. So hätten sich im Mittelalter in der Mark Altenstadt die Dörfer Rodenbach, Oberau, Höchst und Rommelhausen befunden. In dem Umstand, dass der Obermärker nicht unbedingt in der Mark ansässig sein musste, fand der Historiker eine Parallele zum heutigen Bürgermeister. »Mir kam es darauf an, dass die Großgemeinde nichts Neues ist«, begründete er seinen Exkurs.

Den wunden Punkt der Gebietsreform sprach auch Bürgermeister Norbert Syguda in seiner Festrede an. »Wie geschätzt und beliebt die Altenstädter sind, drückt nichts so eindeutig aus, wie die seit Generationen liebevoll als Aaltschter Huchsascher bezeichneten Menschen aus Altenstadt«, charakterisierte er das spannungsreiche Verhältnis zwischen Kerngemeinde und Ortsteilen.

Diesen Konflikt werde man, prognostizierte Syguda, jedoch zum nächsten Stadtjubiläum in 50 Jahren gelöst haben. In der glänzenden Zukunft, die er der dann um die Orte Limeshain und Glauburg erweiterten Großgemeinde prophezeite, werde Altenstadt nicht nur endlich Stadtrechte haben, sondern zum Abschluss der Feierlichkeiten vom Bundespräsidenten die Auszeichnung »schönste Stadt Deutschlands« überreicht bekommen.

Limeshains Bürgermeister Adolf Ludwig machte bei der Übergabe seines Gastgeschenks, einem Limeswachturm, deutlich, was er von dieser Vision hielt. »Wenn Du ihn anschaust, kannst Du weiterhin von einer Übernahme Limeshains träumen. Ohnehin sei noch nicht gesichert, ob das nächste Jubiläum der Gemeinde Altenstadt in 50 oder bereits in 25 Jahren als 1800-Jahr-Feier, wie Demandt errechnete, gefeiert wird.

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