04. Oktober 2019, 11:00 Uhr

90. Geburtstag

Der Pfarrer, der geblieben ist

Als Eduard Scheld 1963 ins Pfarrhaus einzog, war er erst 34 Jahre alt. Knapp 56 Jahre ist das nun her. Heute, am 4. Oktober, feiert er seinen 90. Geburtstag und zugleich seinen Abschied als Pfarrer.
04. Oktober 2019, 11:00 Uhr

Ungefähr 30 Jahre ist es her. Pfarrer Eduard Scheld war damals um die 60, als er vom Personalchef des Bistums gefragt wurde, ob er nicht noch einmal die Pfarrstelle wechseln möchte. Der Oppershofener Pfarrer wollte nicht. Er wollte in der Gemeinde bleiben, in die er 1963 als junger, 34-jähriger Pfarrer gekommen war. »Es kommt nicht häufig vor, dass ein Pfarrer so lange am selben Ort bleibt«, sagt er heute, zu seinem 90. Geburtstag, »aber mir hat es hier so gut gefallen, deswegen bin ich geblieben. Ich habe hier gut gelebt und gewirkt.«

Dabei gab es einige Skeptiker damals. Der Pfarrer erinnert sich an eine Situation, von der ihm erzählt worden ist. Demnach soll ein Gemeindemitglied über den jungen Pfarrer gesagt haben: »Mit dem essen wir keinen Sack Salz.« Eduard Scheld lacht beim Erzählen. Diese Redewendung habe er noch nie gehört vorher, aber er wusste, was es bedeutet: Dieser Pfarrer wird wohl kaum lange hierbleiben.

Ja, erzählt er, damals, mit 34 sei er nicht gerade der typische katholische Pfarrer gewesen. Statt mit einem Auto fuhr er mit dem Fahrrad durch den Ort. Und die Gemeinde war andere Pfarrer gewohnt: »Alle vor mir waren gestandene, ältere Pfarrer.«

Ganz so, wie Eduard Scheld heute auch. Mit 90 Jahren hört er als Pfarrer auf. Er wird in seinem Haus wohnen bleiben, von dem er die gegenüberstehende Kirche im Blick hat.

Mit über 70 noch unterrichtet

Das ist übrigens ein schöner Zufall: Die Kirche ist 1829 gebaut worden, genau 100 Jahre, bevor Eduard Scheld in Oderberg in Brandenburg geboren wurde. Dort sind er und seine Familie jedoch nicht lange geblieben, wie er erzählt. Während des Zweiten Weltkriegs ging er mit seiner Mutter und seinem Bruder nach Baden-Württemberg, wo seine Schwester an einem Institut arbeitete. Eduard Scheld wuchs in dem Ort Tailfingen auf - im Gegensatz zu seinem Geburtsort eine katholisch geprägte Stadt.

Durch die »lebendige Jugendarbeit in der Kirche« reifte in ihm die Idee, Theologie zu studieren. Und so ging Eduard Scheld nach Mainz, studierte Theologie und Philosophie, trat 1950 dem Priesterseminar bei und wurde katholischer Pfarrer. 1956 wurde er im Mainzer Dom zum Priester geweiht. Nach den Kaplansjahren trat er seine erste und einzige Pfarrstelle an: am 15. November 1963 in Oppershofen. »Eigentlich hatte ich mir damals vorgenommen, nur für zehn Jahre zu bleiben, dann, dachte ich, nehme ich eine Stelle für eine längere Zeit an, und zum Abschied noch einmal zehn Jahre in einer kleineren Gemeinde.« Doch es ist für knapp 56 Jahre dieselbe Gemeinde geblieben. Ob er diese Entscheidung je bereut hat? Nein, sagt er. »Es war immer schön.« In der Gemeinde hat er Menschen von der Taufe an begleitet. Über 800 Taufen fallen in seine Zeit, zahlreiche Paare hat er verheiratet, Verstorbene beerdigt.

In all den Jahren ist die Kirche zweimal renoviert worden. Zu tun gab es ohnehin immer genug. Als Pfarrer unterrichtete er mit über 70 Jahren noch an den Schulen in Butzbach, Bad Nauheim, Rockenberg und Oppershofen.

Vor allem habe er immer großen Wert auf die Liturgie gelegt - »den Gottesdienst so schön zu machen, wie es geht«, zum Beispiel mit Musik. Das sei sowieso das Schönste an seiner Arbeit gewesen: »Dass ich den Menschen den Glauben vermitteln durfte.«

Doch über alle die Jahre habe sich viel geändert, erzählt Eduard Scheld. Am meisten die Zahl der Kirchgänger, so wie überall: »Als ich anfing, waren sonntags 800 Leute in der Kirche, heute sind es 130.«

Am Sonntag jedenfalls dürfte die Kirche noch einmal voll werden. Dann feiert Eduard Scheld seinen Abschiedsgottesdienst. Pfarrer Dr. Gregor Waclawiak aus Rockenberg wird danach die Leitung von St. Laurentius übernehmen.

Pfarrer Eduard Scheld wird dennoch in der Gemeinde bleiben, die ihn 2003 zum ersten Ehrenbürger ernannt hat. Eine weitere Auszeichnung folgte vor wenigen Jahren: Der Platz neben der Kirche trägt seinen Namen: »Pfarrer-Eduard-Scheld-Platz«. Das sei eine besondere Ehre. Und eine, die zu dem Pfarrer passt: »Ich habe mein ganzes Leben mit der Gemeinde verbracht.«

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