13. März 2018, 20:21 Uhr

Der lange Weg zur Gleichstellung

13. März 2018, 20:21 Uhr
Jutta Fenske, Fulya Yilmaz, Hanne Battenhausen und Petra Gatz (v. l.) blicken in die Historie des Einsatzes von Frauen und für Frauen. Ihnen geht es aber auch um künftiges Engagement. (Foto: pv)

Die aktuelle Bedeutung des Wahlrechts für Frauen, das es seit 100 Jahren gibt, zu würdigen und dessen Nutzen zu diskutieren darum ging es kürzlich im Frauenzentrum Wetterau in der Reihe »Frauenforum der Vielfalt«. Politologin Fulya Yilmaz gab einen Rückblick auf den Kampf um die Durchsetzung des allgemeinen Wahlrechts für Frauen und die Fortschritte in der Gesetzgebung seit dieser Zeit.

Sie berichtete von den ersten Frauen, die ein Wahlrecht für Frauen öffentlich gefordert hatten, von Louise Otto-Peters, die 1849 die erste deutsche Frauen-Zeitung gegründet, und von Auguste Schmidt, mit der sie 1865 zur Frauenkonferenz nach Leipzig eingeladen hatte. Oder von Helene Lange, die den Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenverein gründete und sich für die Möglichkeiten zu einer höheren Bildung für Mädchen einsetzte. Von den politischen Parteien forderte die SPD in ihrem Parteiprogramm von 1891 das Wahlrecht für Frauen, das erst nach der Ausrufung der Republik 1918 Gesetz wurde. Auch von Rosa Luxemburg war die Rede, die die ersten Wahlen im Januar 1919, an denen Frauen in Deutschland teilnehmen konnten, nicht mehr miterlebte, da sie wenige Tage zuvor ermordet worden war. Fast 90 Prozent der Wählerinnen beteiligten sich damals und wählten knapp zehn Prozent weibliche Abgeordnete – ein Prozentsatz, der erst 1983 wieder erreicht wurde. Von 1920 bis 1930 wurden viele soziale Gesetze, wie zum Beispiel das Jugendwohlfahrtsgesetz oder die Erweiterung des Mutterschutzes, durchgesetzt, die zum Teil noch heute in ihren Grundzügen bestehen. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden die Frauenverbände gleichgeschaltet oder aufgelöst und die Rechte der Frauen in vielen Bereichen eingeschränkt. Direkt nach der Befreiung 1945 entstanden wieder Frauenorganisationen, die sofort den Anspruch auf Teilhabe am demokratischen Aufbau erhoben. Seit 1977 kandidierten überall grüne und bunte Listen, die erstmals in der BRD paritätisch mit Frauen und Männern besetzt wurden und sich 1980 zur Partei Die Grünen zusammenschlossen. Der erste Lehrstuhl für Frauenforschung entstand ebenfalls 1980. Der Anteil der Frauen im Bundestag sank im Herbst 2017 auf 30,9 Prozent. Heute können Frauen bei acht verschiedenen Wahlgängen, vom Ortsbeirat bis zur Europawahl, ihr Wahlrecht nutzen.

In der Diskussion wurde deutlich, dass es auch in Zukunft notwendig sei, dass Frauen ihr aktives und passives Wahlrecht in Anspruch nehmen. »Aus unserer Arbeit wissen wir, dass es noch ein langer Weg ist bis zu einer realen Gleichstellung der Frauen in der Gesellschaft«, betonte die Frauenbeauftragte des Wetteraukreises, Hanne Battenhausen. »Der enorme Einsatz der Frauen im letzten Jahrhundert sollte uns heute ermutigen, uns politisch zu positionieren und zu engagieren«, verlangte die Organisatorin der Veranstaltung, Jutta Fenske.

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