31. Juli 2019, 21:02 Uhr

Der richtige Sound zum Zocken

Er spielt gerne am Mischpult. Musik und Sprache sind seine Leidenschaft, und Prominente gehen bei ihm ein und aus. Der in Nidderau wohnhafte Toningenieur, Regisseur und Produzent Michael Torunsky betreibt in Offenbach mit seinem Partner Benjamin Hessler das »m&s music Tonstudio«. Schwerpunkt ihrer Arbeit: Computerspiele.
31. Juli 2019, 21:02 Uhr
Michael Torunsky hat schon unzählige Stunden in solchen Sprachkabinen verbracht.

Im Innenhof der alten Hassia-Fabrik in Offenbach hat Michael Torunsky 300 Quadratmeter in Haus drei des Gebäudekomplexes bezogen. Drei Tonkabinen und drei Regieräume, ein Server-Raum, Küche und Büro - dem Besucher präsentiert sich eine faszinierende Welt der Töne und Technik. Auf der Fensterbank im Empfangsraum stehen Protagonisten von Computerspielen als Kunststofffiguren. Kein Wunder, denn am Arbeitsplatz des 42-Jährigen aus Nidderau, der mit Ehefrau Jana im Nidderauer Stadtteil Heldenbergen lebt, werden die übersetzten Texte für beliebte Computerspiele eingesprochen.

Torunskys Weg bis zum eigenen Tonstudio war nicht leicht, doch mittlerweile können sich seine Referenzen sehen lassen: Im Bereich Werbung und Industrie zählen Kunden wie Fraport, Deutsche Bank, Grana Padano oder Hessen Mobil dazu. Auch mit Künstlern wie den Weather Girls, Terence Trent D’Arby oder Uwe Ochsenknecht hat Torunsky schon gearbeitet. Und bei Videospielern lassen Titel wie »World of Warcraft«, »Guitar Hero« oder »Final Fantasy« aufhorchen.

Das Archiv des Nidderauers umfasst rund 50 000 Geräusche. Dabei sei keines wichtiger als das andere. »Bei einer Schmuckausstellung in Pforzheim war die Unterwasserwelt ein Thema. Hier benötigte ich Geräusche wie das Blubbern von Wasser oder für die Darstellung der Wüste das Geräusch des Sandrieselns«, erklärt Torunsky. Wer glaubt, Geräusche zu designen, sei ein leichter Job, der irrt. »Ein 30 Sekunden dauernder Werbefilm für Porsche kann zwei bis drei Monate Arbeit bedeuten«, hält Torunsky fest. »Es gibt jemanden, der designt nur das Geräusch einer sich schließenden Tür.«

Sein Diplom als Toningenieur erhielt Torunsky im Jahr 2000 an der School of Audio Engineering in Frankfurt. Danach studierte er vier Semester Betriebswirtschaft an der Goethe-Universität und arbeitete als Veranstaltungstechniker im Frankfurter Hof. »Da das Feld Audio sehr groß ist, entschied ich mich, etwas Geregeltes anzunehmen.« Ab 2001 arbeitete er bei »m&s« als Toningenieur. 2007 stieg er als Geschäftsführer ein. Martin Schäfer, der das Tonstudio gemeinsam mit Stefan Lupp gründete, sei sein Mentor gewesen.

Heute ist Torunsky mit unterschiedlich aufwändigen Projekten betraut - von wenigen Stunden Arbeit bis hin zu Jahren ist alles dabei. »Seit zwölf Jahren führe ich Regie für das Online-Spiel ›World of Warcraft‹, berichtet Torunsky und nennt eine Zahl von bisher 300 Sprechern, die an diesem Projekt beteiligt seien. Für »Call of Duty«, eine der bekanntesten Marken, führte er die Planung, Organisation, das Casting und die Instrumentierung der Sprache zu Geräuschen durch.

Profi-Sprecher gehen ein und aus

Seiner anfänglichen Faszination für die Technik sei der Leidenschaft für die Sprecher gewichen. »Wir arbeiten ausschließlich mit Schauspielern wie Ben Becker, Wotan Wilke Möhring oder Thomas Kretschmann zusammen. Manchmal werden wir auch eingeflogen«, erzählt Torunsky. Er habe auch schon nachts via Live-Schaltung nach Miami mit Otto Waalkes einen Auftrag besprochen. Auch die Synchronsprecher bekannter Hollywood-Stars waren schon im Studio, wie Manfred Lehmann, der Bruce Willis und Gérard Depardieu spricht.

An Stimmen fasziniere ihn, »dass jede einzigartig ist« und es ermögliche, Emotionen, Tonlagen und Tempo zu erzeugen. Es sei wie Magie, wenn Profis wie auf Knopfdruck eine Stimme produzieren, um einer Figur Leben einzuhauchen. Manchmal, sagt Torunsky, seien bis zu acht Sprecher pro Tag im Studio. Dann gehe es dort zu wie in einem Taubenschlag.

Nebenbei erzählt er von der Synchronisation von drei Staffeln »Dragon - Der blaue Drache« für das ZDF oder der Arbeit am Kinofilm »Prophezeiungen von Celestine«. Zum Portfolio zählt auch die Audio-Unterstützung von Museen, Theaterinszenierungen und Veranstaltungen.

Doch die Games bleiben am wichtigsten: Zu Torunskys internationalem Kundenkreis zählen Spielehersteller wie Activision aus den USA, Square Enix aus Japan oder Piranha Bytes aus Deutschland. »Der Markt wächst, Spiele werden rege nachgefragt. Kunden kaufen viel über Online-Plattformen«, sagt Torunsky, der selbst nur gelegentlich zockt. Er selbst beschäftigt aktuell elf Mitarbeiter sowie fünf bis sechs Freie.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Ben Becker
  • Bruce Willis
  • Computerspiele
  • Deutsche Bank
  • Fraport AG
  • Gérard Depardieu
  • Hessen Mobil
  • Johann Wolfgang Goethe-Universität
  • Leidenschaft
  • Otto Waalkes
  • Porsche
  • Produzenten
  • Regisseure
  • Thomas Kretschmann
  • Toningenieure
  • Uwe Ochsenknecht
  • World of Warcraft
  • Wotan Wilke Möhring
  • ZDF
  • Nidderau
  • Georgia Lori
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 1 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.