29. August 2018, 14:00 Uhr

Ära im Freibad

Die Zwei von der Kasse: Abschied in Ockstadt

Das Ehepaar Hofmann ist eine Institution im Ockstädter Freibad. Die beiden engagieren sich seit Jahren ehrenamtlich als Kassierer. Doch damit ist bald Schluss.
29. August 2018, 14:00 Uhr
Hiltrud und Horst Hofmann werden ihr Engagement als Kassen-Ehepaar im Ockstädter Quellwasserschwimmbad nach dieser Saison beenden. Die Dauerkartenbesitzer müssen sich dann womöglich umstellen und ihre Karte vorzeigen. Die Hofmanns verlangen das nämlich nicht, weil sie sowieso jeden Einzelnen von ihnen kennen. (Foto: lod)

Mit Beginn der Badesaison 2012 übernahm der Förderverein Quellwasserschwimmbad Ockstadt den Betrieb des Freibades – unterstützt von der Stadt. Da stellte sich die Frage: Wer sitzt im Kassenhäuschen? Und das für möglichst wenig Bezahlung. Die rettende Idee kam Vorstandsmitglied Sabine Schmidt: »Meine Eltern könnten das machen.« Vater Horst Hofmann war damals 64 und Rentner, Mutter Hiltrud ist knapp zwei Jahre jünger und damals ebenfalls schon aus dem Berufsleben ausgeschieden. So kam es denn auch: Die in Friedberg-West wohnenden Hofmanns wurden das Kassierer-Ehepaar, auch »wenn mich unsere Tochter lange beackert hat, bis wir ja gesagt haben«, wie Horst Hofmann erzählt. Zusammen mit seiner Frau ist er längst zu der Institution des Schwimmbads geworden. Eines war allerdings sofort klar: »Mich gibt es nicht alleine, wir machen das zusammen«, sagt Horst Hofmann.

 

Saison wird verlängert

 

»Die Hofmanns sind immer freundlich, nett und hilfsbereit«, hört man immer wieder in Ockstadt. Doch nach dieser Saison ist Schluss. »Wir machen nächstes Jahr nicht mehr weiter. Nach meiner Bruchoperation im Winter war es für mich dieses Jahr schon sehr anstrengend«, sagt Horst Hofmann. »Es war dieses Jahr fast schon zu viel«, ergänzt seine Ehefrau. Dass die Hofmanns tatsächlich aufhören, wollten die Stammbesucher erst gar nicht glauben.

»Müssen wir dann wieder unsere Dauerkarten mitbringen und vorzeigen?« fragte ein Mädchen. Die Dauerkarten, vor allem die von Kindern und Jugendlichen, sind im Kassenhäuschen deponiert. »Wir kennen sie alle,« sagt Hiltrud Hofmann. So laufen die Dauerkartenbesitzer mit einem fröhlichen Hallo einfach am Tisch neben dem Kassenhäuschen vorbei, an dem die Hofmanns bei schönem Wetter sitzen und den Eintritt kassieren. »Im Kassenhäuschen ist es viel zu heiß«, sagt Horst Hofmann. Ein Schwätzchen zur Begrüßung gehört dazu. Hat ein Radfahrer mal sein Schloss vergessen, haben Hofmanns ein Ersatzschloss parat. »Wir haben auch Kaffeebecher da, falls die dem Kiosk mal ausgehen«, sagt Hiltrud Hofmann.

Na ja, wenn es nächstes Jahr mal ganz eng wird, dann helfen wir auch mal aus

Horst Hofmann

Die laufende Saison war für das Ehepaar die anstrengendste überhaupt. »Ganze zwei Tage war das Schwimmbad seit Fronleichnam wegen schlechtem Wetter geschlossen, das gab es noch nie«, blickt der Ehemann zurück. So waren die Hofmanns über drei Monate jeden Tag im Schwimmbad, in den Sommerferien und an Wochenenden von 10.30 Uhr bis zur Kassenschließung um 19 Uhr, ansonsten ab ungefähr 14 Uhr. »Wir kommen immer eine halbe Stunde vor Kassenöffnung«, sagt Horst Hofmann. In den letzten Wochen ist zu Hause einiges liegen geblieben. »Ihr wollt nicht wissen, wie es bei uns aussieht«, meint die Ehefrau lachend. »Es war einfach eine tolle Zeit, die wir nicht vermissen möchten«, sagt Horst Hofmann, und seine Frau ergänzt: »Irgendwann muss mal Schluss sein.«

 

Die 25 000. Freibadbesucherin Daniela Klotz (l.) zusammen mit (v. l.) Hiltrud und Horst Hofmann, Adnan Halatci und Sören Mag.	(Foto: lod)
Die 25 000. Freibadbesucherin Daniela Klotz (l.) zusammen mit (v. l.) Hiltrud und Horst Ho...

 

Eines ist den Hofmanns noch besonders wichtig: »Wir möchten den Ockstädtern und allen Schwimmbadbesuchern ein herzliches Dankeschön sagen. Sie waren immer freundlich und sehr nett zu uns«, sagt der Ehemann und seine Frau nennt sofort ein Beispiel: »Als es so heiß war, hat uns eine Besucherin mehrfach zwei Flaschen Wasser hingestellt.« »Na ja, wenn es nächstes Jahr mal ganz eng wird, dann helfen wir auch mal aus«, meint Horst Hofmann dann doch. Jedenfalls haben die Schwimmbadbesucher jetzt noch eine Woche mehr Zeit, sich von den Hofmanns zu verabschieden, denn eigentlich sollte am kommenden Sonntag Schluss sein, doch in Absprache mit der Stadt verlängert der Förderverein die Saison um eine Woche bis einschließlich 9. September. Um die Rekordsaison gebührend zu feiern, wird am Freitag, 7. September, ab 18 Uhr ein Saisonabschlussfest mit Getränken, Grillwürstchen und Musik gefeiert. Es besteht die Möglichkeit, bis in die Dunkelheit hinein zu schwimmen.

Wie es an der Kasse weitergeht, das weiß auch der zweite Vorsitzende Marius Meisinger noch nicht genau, aber »wir werden eine Lösung finden«. Die Hofmanns jedenfalls sind ein besonderer Glücksfall.

Info

Saison der Rekorde im Quellwasserschwimmbad

Für Marius Meisinger ist die zu Ende gehende Saison eine »Saison der Rekorde«. Bis zum 23. August wurden 26 330 Besucher gezählt, darunter 34 Schulklassen und die Teilnehmer des Kinderplaneten. Mit Daniele Klotz wurde bereits letzte Woche die 25 000. Besucherin begrüßt. Sie erhielt von Sören Mag vom Förderverein einen Gutschein für die Saisonkarte 2019. Auch der neue Kioskpächter Adnan Halatci freute sich mit der Gewinnerin und spendierte einen Eiskaffee. Für ihn war die Saison ein gelungener Einstand. Viermal wurde Yoga auf der Liegewiese und dreimal Aquagymnastik angeboten. Die durchschnittliche Lufttemperatur lag bei 28,81, die durchschnittliche Wassertemperatur bei 22,1 Grad. Letzteres ist für das von einer Quelle gespeiste Schwimmbad ein absoluter Höchstwert. Besonders erfreulich ist laut Meisinger, »dass wir in der extremen Trockenperiode mit unserem Badewasser noch den Rasen und die Pflanzen bewässern konnten, statt es in den Abfluss überlaufen zu lassen«. Sehr gut zusammengearbeitet hat das neues Bademeisterteam, das eine hervorragende Wasserqualität durchgehend gewährleisten konnte. (har)

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