04. März 2019, 08:00 Uhr

Parlamentsbeschluss

Doch kein Kulturbahnhof in Bad Nauheim

Für die Gründung eines Kulturbahnhofs in Bad Nauheim gab es viel Zustimmung aus der Bevölkerung. Das Stadtparlament erteilte der Idee nun eine Absage – und legte andere Pläne vor.
04. März 2019, 08:00 Uhr
Noch lassen sich Besucher des Badehauses 3 Gerichte und Getränke schmecken. Doch wie lange noch? Nach dem Willen des Stadtparlaments soll in dem Jugendstilgebäude ein Kulturzentrum entstehen. (Foto: Nici Merz)

Die seit Jahrzehnten verwaiste ehemalige Bahnhofsgaststätte samt der großen Nebenräume könnte sich doch als neuer Standort für die städtische Kleinkunstreihe und für die Aufführungen des Theaters Alte Feuerwache (TAF) eignen. Entsprechende Überlegungen hatten vor etlichen Jahren schon mal eine Rolle gespielt und waren kürzlich von der Bad Nauheimer UWG wieder aufgegriffen worden. Die Spielstätte befindet sich bisher im Badehaus 2 des Sprudelhofs, muss dort aber bald der Therme weichen. Nach einem Pressebericht in Sachen Kulturbahnhof hatte es etliche positive Stimmen aus der Bevölkerung gegeben, ein Tag der offenen Tür im Bahnhof war gut besucht.

Doch außer den Freien Wählern kann sich keine Fraktion des Stadtparlaments dafür erwärmen. Das zeigte sich in der jüngsten Sitzung: Ein UWG-Antrag, das Kulturbahnhof-Konzept wenigstens einer genaueren Prüfung zu unterziehen, wurde abgelehnt. Eine deutliche Mehrheit gab es dagegen für die Beschlussvorlage des Magistrats, der ein kulturelles Zentrum inklusive Spielstätte im Badehaus 3 vorsieht.

 

45 000 Euro Jahresmiete

In der Debatte gingen weder Befürworter noch Gegner des Kulturbahnhofs näher auf die Vor- und Nachteile eines solchen Konzepts ein. CDU, SPD, Grüne und FDP hatten sich schon im Vorfeld auf die Linie des Magistrats festgelegt, für die Spielstätte einen Neubau neben dem Badehaus 3 zu errichten, der den alten Behälterraum ersetzen soll. Mindestens 2,4 Millionen Euro sollen investiert werden. Eine Summe, die nach Ansicht von UWG-Fraktionschef Markus Theis nicht ausreichen wird. Zudem müsse die Stadt für die Spielstätte weitere Räume in den Badehäusern anmieten. Der Eigentümer des Bahnhofs verlange dagegen eine Jahresmiete von »nur« 45 000 Euro.

»Wir wollen uns zwischen zwei Möglichkeiten entscheiden können, deshalb sollte neben der Planung eines Neubaus auch der Kulturbahnhof näher geprüft werden«, forderte Theis. Das sei nicht sehr aufwendig. Da die Miete bereits bekannt sei und der Bahnhofsbesitzer die Grundsanierung bezahle, müsse nur noch ermittelt werden, wie viel Geld für theaterspezifische Umbauten der Räumlichkeiten erforderlich sei. Die anderen Fraktionen wollten dagegen nur eine Option prüfen. Wenn sich aber herausstelle, dass der Theater-Neubau oder das gesamte Kulturzentrum nicht zu finanzieren sei, stehe die Stadt ohne Alternativlösung da. Theis appellierte: »Geben Sie dem Bahnhof eine Chance.«

Dieser Aufruf wurde nicht erhört. Alle übrigen Redner lehnten die Idee ab. Ein Argument tauchte immer wieder auf. Die Stadt sei nicht für die Belebung des Bahnhofs verantwortlich, auch nicht dafür, dort für Mieteinnahmen zu sorgen. »Es ist nicht unsere Aufgabe, den Eigentümer des Bahnhofs zu erfreuen. Das Gebäude hat Potenzial, aber wenn dem Besitzer Ideen fehlen, ist das nicht das Problem der Stadt«, sagte FDP-Fraktionsvorsitzender Benjamin Pizarro.

 

Spareffekte als Argument

Mehrfach war von »Synergieeffekten« die Rede, die entstünden, wenn mehrere Kultureinrichtungen unter einem Dach existierten. Das sorge für Einspareffekte, wie Dr. Martin Düvel (Grüne) meinte. UWG-Sprecher Theis meldete Zweifel an, in der Beschlussvorlage würden diese Synergieeffekte nicht näher definiert.

Für einen Neubau im Sprudelhof spricht nach Ansicht von SPD-Fraktionschef Axel Bertrand noch ein anderer Punkt. Im Jugendstilensemble schaffe die Stadt öffentliches Eigentum, das langfristig genutzt werden könne. Das sei im Bahnhof nicht der Fall, wo der Mietvertrag 25 Jahren laufen soll. Zudem, so Manfred Jordis (CDU), sei der Sprudelhof das »kulturelle Zentrum« der Stadt. Wichtige Einrichtungen wie die Spielstätte, die viel Publikum anlockten, sollten nicht ausgegliedert werden.

Ob das geplante Kulturzentrum in der von der Parlamentsmehrheit gewünschten Form tatsächlich entstehen wird, ist allerdings offen. »Wir brauchen zunächst Zahlen, Fakten und Daten. Nach der Planung kennen wir die Kosten, dann können die Stadtverordneten endgültig entscheiden«, sagte Bürgermeister Klaus Kreß.

 

Info

Stadtbücherei soll umziehen

Mit 27:13-Stimmen haben die Stadtverordneten den Magistrat beauftragt, ein Kulturzentrum im Badehaus 3 des Sprudelhofs zu planen. Neben dem Gebäude soll eine neue Spielstätte entstehen, im Badehaus selbst sind Stadtbücherei, Jugendstilzentrum und »Haus des Gastes« vorgesehen. Die Bücherei soll von der Zanderstraße in den Sprudelhof umziehen, weil dort deutlich mehr Platz für Medien und Personal vorhanden ist. Was aus dem Bistro wird, das sich im Badhaus 3 etabliert hat, ist unklar. (bk)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bahnhöfe
  • CDU
  • FDP
  • FDP-Fraktionschefs
  • Freie Wähler
  • Klaus Kreß
  • Kunst- und Kulturzentren
  • Presseberichte
  • SPD
  • Sprudelhof Bad Nauheim
  • Stadtbüchereien
  • Bad Nauheim
  • Bernd Klühs
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos