16. September 2019, 17:00 Uhr

Als Kleindarsteller im TV

Ein Fall für Aky: Am Filmset Parnter der großen Stars

Erst im Ruhestand hat’s mit dem Traumjob geklappt: Hans-Werner Ackermann aus Bad Nauheim hat als Komparse in vielen TV-Serien mitgewirkt und dabei Filmset-Luft geschnuppert.
16. September 2019, 17:00 Uhr
Wandlungsfähiger Komparse: Hans-Werner »Aky« Ackermann stand im Film schon an derSeite von Bastian Pastewka, Uschi Glas oder Wanja Mues (»Ein Fall für zwei«). (Foto: ihm)

Ein Mann schreit markerschütternd. Die Hochzeitsgäste fahren herum, schauen auf Onkel Theo, der am Flügel sitzt und gequält die Hand hochhält. »Mit den Fingern geht gar nichts mehr!«, ruft Theo. Kein Wunder, denn ein Junge hat den Klavierdeckel zugeschlagen.

Wer Hans-Werner Ackermann im »Hochzeitswalzer« am Flügel sitzen sieht, kommt vermutlich nicht darauf, dass er ursprünglich Versicherungskaufmann ist. Bekannt ist der Bad Nauheimer vielmehr aus Film- und Fernsehrollen als Kleindarsteller und Komparse. Das kam so: »Als ich nach Frankfurt zu einer großen Versicherung ging, war nebenan eine private Schauspielschule.« Abends nach der Arbeit ging Ackermann, den seine Freunde seit seiner Jugend »Aky« nennen, dorthin. »Ich wollte immer so was machen: Schauspiel oder in die Mode«, erzählt der 70-Jährige.

Schon in der Ernst-Ludwig-Schule spielte der gebürtige Steinfurther Theater, war als junger Mann als Disc-Jockey aktiv. Seine Eltern rieten ihm allerdings, einen »vernünftigen« Beruf zu lernen.

Nach seiner Zeit bei der Versicherung, einem Jahr in Pennsylvania/USA in der Landwirtschaft und anschließend in der Buchhaltung einer Bank ergab sich die Gelegenheit, bei einer Modenschau des Modehauses Ruths mitzumachen. Anschließend ging er beruflich zu »Ruths«, zunächst als Aushilfe, danach in Vollzeit. Er machte sich mit Bekleidungsgeschäften selbstständig, bis er mit knapp 60 aufhörte.

Der Vorruhestand füllte Ackermann aber nicht aus, und so passte es, als er im Jahr 2006 einen Tipp bekam: »Hast du Lust, in der Serie ›Der Fuchs‹ für SAT1 mitzuspielen?« Er bewarb sich, die Agentur in Wiesbaden gab ihm den Zuschlag. »Bei der Folge war ich ein Partygast. Es war interessant und aufregend, ich stand neben bekannten Schauspielern.«

Nach dem Dreh hatte Aky Blut geleckt. Der Agenturchef sagte: »Ich kann dich weiterbeschäftigen.« Ein bestimmter Typ zu sein, sei dabei wichtig, sagt Aky. In seinem Fall: Best Ager, Model, Kleindarsteller, Erfahrung. Die Abläufe sind normalerweise so: Eine Agentur fragt an, ob er Zeit habe, die Entscheidung trifft letztlich der Regisseur. Nicht immer klappt es: »In einem Fall sah ich dem Hauptdarsteller so ähnlich, dass ich nicht gebucht werden konnte.« Kurz vor dem Dreh erhält Ackermann Infos, wohin er kommen muss. Die Filme schaut er sich gern an, wenn sie wiederholt werden, so auch den »Hochzeitswalzer«. Immerhin hat er dabei eine Schlüsselrolle.

Bei der Serie »Morgen hör ich auf« mit Bastian Pastewka, die in Bad Nauheim spielt, bewarb sich Ackermann ebenfalls. Ein Kollege gab ihm den Tipp, er wurde als Banker engagiert. Die Kleidung muss er in der Regel mitbringen, zwei oder drei Outfits sind gefragt. »Und wenn es nicht passt, bekommt man was.« In der Maske wird das Gesicht abgepudert, der Regieassistent erklärt, was zu tun ist.

Durch die Glasscheibe zu sehen

Bei »Morgen hör ich auf« sollte Aky zwischen den Bankschaltern hin- und herlaufen, telefonieren, in den PC schauen und für eine Kundin ein Sparbuch anlegen. Es war im Juli 2015, einer der heißesten Tage. »Unter den Strahlern gehst du ein wie eine Primel«, denkt er schmunzelnd zurück. Drehort war die Sparkasse Oberhessen in der Kurstraße, mit verschiedenen Kameraeinstellungen. »Man weiß vorher nicht, wie man im Film zu sehen ist«, schildert Ackermann. Bei »Morgen hör ich auf« agiert er im Hintergrund eines Gesprächs zwischen dem Hauptdarsteller und dessen Bankberater. Aky ist durch eine Glasscheibe zu sehen.

Eine heimische Initiative, bei der er mitmachte, war das Stück »Die Heirat« des Bad Nauheimer Zimmertheaters von Gertrud Pintz-Böhler. Die Aufführung war witzig, nicht so romantisch wie »Der Hochzeitswalzer«, wo Ackermann als Onkel Theo eine Kehrtwende einleitet. Denn nachdem der Klavierdeckel auf seine Finger fällt, muss die Hauptdarstellerin einspringen. »Sie ist eine ehemalige Klavierspielerin, die eigentlich nicht mehr spielen wollte - es war ihr Durchbruch.«

»Tatort« und »Ein Fall für zwei«

Als Kleindarsteller und Komparse spielte Hans-Werner Ackermann in Serien wie »Ein Fall für zwei«, »Der Staatsanwalt«, »Geld macht Liebe«, »Tatort« und in Reality-TV-Serien mit. Zudem war er bei Filmen wie »Windland«, »Der Mann an meiner Seite«, »Phantomschmerz«, »Der Hochzeitswalzer« und »Dostojewski« dabei. In Verfilmungen der Taunus-Krimis von Nele Neuhaus war er mit von der Partie, aber er trat auch schon in Werbespots auf, beispielsweise für Binding Bier, Lexmark und die Bahn AG. Er spielte mit Stars wie Iris Berben, Til Schweiger, Heike Makatsch und Elyas M’Barek. Nächstes Jahr wird er im Kinofilm »Max und die Wilde 7« mit Uschi Glas zu sehen sein.

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