18. Juli 2019, 19:08 Uhr

Ein »Krimi« im Gefängnis

18. Juli 2019, 19:08 Uhr
Domkapitular Hans-Jürgen Eberhardt (r.) hält den Gottesdienst mit Gefängnispfarrer Pater Georg Menke. (Foto: pm)

Frauenstimmen sind im Gottesdienst des Butzbacher Gefängnisses selten. Doch am Sonntag war wieder gemischter Gesang aus dem Kirchenraum zu hören: Zum Tag der Gefangenen, der diesmal im Zeichen des 125-jährigen Jubiläums der katholischen Seelsorge an der JVA stand, waren Domkapitular Hans-Jürgen Eberhardt und 25 Gemeindemitglieder aus St. Gottfried gekommen, um mit den Gefangenen die Messe zu feiern.

Es war die zentrale Veranstaltung des Bistums Mainz zum Tag der Gefangenen, der 2000 von Papst Johannes Paul II. ins Leben gerufen worden war. Zwischen den 25 Gefangenen in ihren weinroten Anstaltshemden und dem leuchtend gelben Hemden des JVA-Kirchenchores unter der Leitung von Marion Bathe hatten sich schon zum 14. Mal die Gläubigen von »draußen« gemischt, um ein Zeichen der Verbundenheit zu setzen. »Ich weiß, dass er gern kommt«, freute sich Gefängnispfarrer Pater Georg Menke über den Besuch des Domkapitulars, der bereits 2015 den Tag mit den Butzbachern gefeiert hatte. Auch unter den Gästen aus der Pfarrgemeinde waren viele, die schon mehrfach Gast in der JVA waren und manche der Männer schon lange kennen.

Ausgerechnet eine »Kriminalgeschichte«, so Eberhardt, stand an diesem Tag im Mittelpunkt der Liturgie: das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, der einem Mann hilft, der von Räubern überfallen wurde. Täter - das seien eben nicht nur die, die eine schlechte Tat begehen wie die Räuber, sondern auch die, die eine gute wie die Hilfe an dem Verletzten unterlassen. Häufig neige man dazu, nur aus Sympathie Menschen zu helfen. Christi Aufruf zur Nächstenliebe gehe aber darüber hinaus. »Gutes tun und nicht unterlassen - das ist der Job von uns Christen«, sagte der Domkapitular. Wie beim Opfer im Evangelium stelle sich für Menschen immer wieder die Frage, wem sie vertrauen können. Jesus Christus habe denen, die sich mit dem Herzen auf andere einließen, neues Leben versprochen. Durch sein Kreuz habe er gezeigt, dass die Liebe stärker sei als Verrat und Tod.

In den Fürbitten wurde auch für die Opfer von Verbrechen, für Richter und JVA-Bedienstete gebetet. Schwungvolles Schnipsen begleitete den achtköpfigen JVA-Kirchenchor bei seinen modernen geistlichen Liedern. Nach dem Gottesdienst war bei einer Tasse Eiskaffee Zeit für kurze Gespräche zwischen Gefangenen und Gästen, bei denen es um vieles ging, aber nicht um die Straftaten der Männer. So versuchten die Gäste, die Männer nicht als Täter, sondern einfach als Menschen wahrzunehmen.

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