13. August 2018, 14:00 Uhr

Imbiss-Wirt

Ein Original mit Biss: Peter Junker hört in Friedberg auf

Etwas wird fehlen, samstags auf dem Elvis-Presley-Platz, wenn Peter Junker in den Ruhestand geht, auch wenn sein Imbiss-Wagen dort weiterhin stehen wird.
13. August 2018, 14:00 Uhr
Immer einen lockeren Spruch auf den Lippen und im Kochtopf leckere Speisen, die es nicht überall gibt: Caterer und Imbisswirt Peter Junker macht Feierabend. (Foto: Wagner)

Das Essensangebot des Imbiss-Wagens soll auch dann beibehalten werden, wenn Junker nicht mehr hinter dem Tresen steht. Alles wie gehabt und frisch zubereitet. Nur der mal griesgrämig schimpfende und dann wieder herzhaft lachende Chef wird fehlen. Ein Friedberger Original tritt ab, Ende August ist Schluss. Und warum? »Weil ich endlich mal vorm Tresen stehen will.«

Peter Junker war immer schon ein umtriebiger Zeitgenosse. Frisör hat er gelernt, das Geschäft seiner Eltern hat er übernommen. Dann fing er eine Lehre als medizinischer Bademeister an, ging zur Bundeswehr, gründete als zweites Standbein einen Catering-Service und außerdem (»Da war mir langweilig«) mit einem Freund einen Zeltverleih. »Soviele gibt’s nicht mehr, die soviel arbeiten«, sagt er lachend: »Viele kriegen schon bei einem Halbtagsjob einen Burnout.«

 

Am Anfang war die Paella

 

Das mit dem Catering-Service hat sich so ergeben. »Mit einer Paella fing es an«, erzählt Junker. Die kochte er erst für sich und dann für einen Freund. »Dann kamen ein Bekannter und ein Bekannter des Bekannten, da habe ich ein Gewerbe angemeldet.« Kochen war schon immer seine Leidenschaft. »Ich habe lange vor den Fernsehköchen gekocht.« Als Junge verfolgte er am Fernseher die erste deutsche Kochshow mit Clemens Wilmenrod. »Der konnte auch nicht kochen.« Aber Junker kann’s, und seine Stammkundschaft weiß das zu schätzen.

 

Abschied nach 30 Jahren

 

Seinen Imbisswagen hat er erst vor eineinhalb Jahren angeschafft. Die Weihnachtsmärkte in Bad Nauheim und Friedberg, bei denen er von Anbeginn dabei war, bestritt er in Hütten. »Beim ersten Weihnachtsmarkt in der Bad Nauheimer Fußgängerzone war’s so kalt, dass das Geschirr beim Spülen eingefroren ist.« Damals, vor rund 30 Jahren, habe er den Flammkuchen in der Wetterau eingeführt. »Das hatte sonst keiner im Angebot.«

Peter Junker ist ein Mann der klaren Worte. »Bratwurst und Pommes ist kein Essen«, sagt er. Bei ihm werden alle Gerichte frisch zubereitet. Die »Grie Soß« ist auch nicht dunkelgrün (dann nämlich wurden die Kräuter nicht per Hand gehackt, sondern im Mixer zerkleinert), bei ihm schimmern die Kräuter durch das Weiß der Sahne. Seine Fischgerichte sind beliebt, die Suppen sind ein Renner. »Selbst wenn es warm ist, ein paar Suppenkasper kommen immer.«

 

Abschied am 25. August

 

Und dann die Matjes (die bei ihm spaßeshalber schon mal »Mat-Yes« heißen, nach dem Motto »Sag ›Ja‹ zum eingelegten Hering«). Junker bezieht sie direkt aus Tönning an der Nordsee, wo er gerne auf dem Campingplatz urlaubt. »Der ist nicht zu salzig und nicht überreif, der hat Biss.«

Das sei von Anfang an sein Konzept gewesen: Frische Speisen, wechselnde Karte. Viele Jahre lang war Junker für das Catering bei Auftritten der Neuen Philharmonie und beim Neujahrsvariete der Ovag verantwortlich. Jetzt hat er seinen Imbiss-Wagen verkauft, irgendwann müsse es mal gut sein. Junker ist 68, er kann mehrere Stellen am Körper benennen, an denen es nachhaltig zwickt und zwackt. Seine Nachfolgerin will er noch einarbeiten. Am 25. August nimmt er offiziell Abschied vom Wochenmarkt.

Viele kriegen schon bei einem Halbtagsjob einen Burnout

PeterJunker

Junkers Feinkost-Imbiss ist ein beliebter Treffpunkt auf dem Elvis-Presley-Platz. Was muss ein Imbisswirt mitbringen, damit die Kundschaft strömt? »’Ne blöde Fresse ziehen, reicht nicht«, sagt Junker. »Ich war mein Leben lang Dienstleister. Das kann man nicht lernen, das muss in einem stecken.« Über Restaurant-Bedienungen, die das Handy zücken, wenn sie rechnen müssen, kann er nur den Kopf schütteln. Ein Weinglas nur bis zum Strich einschenken? »Das machen nur Geizkragen. Freundlichkeit ist das A und O. Das ist die beste Werbung.«

 

Genuss an der Nordsee

 

Nach der letzten Kommunalwahl wurde Junker auf der CDU-Liste in die Stadtverordnetenversammlung gewählt. Fraktionszwang? Das war nicht sein Ding, er gab sein Mandat zurück. Im CDU-Vorstand und im Ortsbeirat ist er aktiv, wünscht sich, der Ortsbeirat, der viel näher an den Problemen der Menschen dran sei, bekäme mehr Gewicht in der Lokalpolitik. »Ruhestand« ist eigentlich ein Fremdwort für einen wie ihn. Aber Junker kann auch das Leben genießen, vor allem, wenn er seine Zelte in Tönning auf dem Campingplatz an der Nordsee aufschlägt. »Als erstes kaufe ich mir einen Strandsegler, so eine Seifenkiste mit Segel.« Und wenn er zurück in Friedberg ist, werde ihm schon eine Beschäftigung einfallen. »Vielleicht laufe ich täglich die Kaiserstraße rauf und runter. Das machen andere, die jünger sind als ich, auch.«

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