Wetterau

Ein Stück Heimat in Friedberger Beeten

Er ermöglicht Gemeinschaft und bietet Platz fürs Hobby: der Interkulturelle Garten in Friedberg. Nun ist er startklar für die Saison.
26. Mai 2019, 18:00 Uhr
Redaktion
Genießen das Gärtnern an der Usa: Die Mitwirkenden des interkulturellen Gartens, hier mit Referent Wolfgang Dittrich (2. v. r.) und Gemeindepädagogin Gerlinde Jallow (4. v. r.).	(Foto: Petra Ihm-Fahle)
Genießen das Gärtnern an der Usa: Die Mitwirkenden des interkulturellen Gartens, hier mit Referent Wolfgang Dittrich (2. v. r.) und Gemeindepädagogin Gerlinde Jallow (4. v. r.). (Foto: Petra Ihm-Fahle)

Der Grill ist heiß, die Usa plätschert. Unter dem Pavillon mitten im Grünen sitzen bereits Projektteilnehmer und Gäste des interkulturellen Gartens in Friedberg. Auf dem Programm steht die Eröffnung der Saison. 700 Quadratmeter ist das Grundstück nahe den 24 Hallen groß. Die 73-jährige Gülpaze Albayrak bewirtschaftet einige Beete; sie ist bereits seit drei Jahren dabei.

Schon frühmorgens kommt die Seniorin in den Garten, um dort den Tag zu verbringen. »Das ist für mich Hobby«, erzählt sie gut gelaunt. Zwiebeln, Erdbeeren, Bohnen und andere Gewächse zieht sie auf ihren Flächen groß. Zuvor hatte sie sich einem Flecken in der Altstadt angenommen, doch die Pflanzen wurden zerstört. Traurig wandte sich Albayrak an den damaligen Bürgermeister Michael Keller, der sie auf das Projekt aufmerksam machte. »Dann haben wir ihr ein Stück Heimat gegeben«, konstatiert Wolfgang Dittrich, Referent für gesellschaftliche Verantwortung beim evangelischen Dekanat Wetterau.

Rastplatz für Pilger

Die Initiative begann 2016 auf Vorstoß des Dekanats, das dabei mit weiteren Initiativen kooperiert. »Die Idee war ein Gemeinwesen-Projekt, um das interkulturelle Miteinander zu fördern«, sagt Dittrich. Die Evangelische Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) fördert das Projekt.

»Das Büfett ist eröffnet«, ruft Gerlinde Jallow. In dem interkulturellen Gartenprojekt ist die Gemeindepädagogin unter anderem für Organisation, Veranstaltungen und Vernetzung zuständig. »Manchmal braucht auch jemand eine Beratung - das gehört ebenfalls dazu«, erläutert Jallow.

Für Projektteilnehmerin Fatma Demirkol steht das Miteinander im Vordergrund. »Ich finde interkulturelle Begegnungen wichtig, Menschen kennenzulernen und sich auszutauschen«, sagt sie. Salat, Gurken und Minze hat sie gepflanzt, Bohnen und Zucchini kommen noch dazu. Sie pflegt vor allem Hochbeete, wie die meisten Teilnehmer. Die Initiative versteht sich laut Dittrich als Nachhaltigkeitsprojekt: »Gifte zur Schädlingsbekämpfung und Torf sollen nicht zum Einsatz kommen. Neben der Gemeinschaftlichkeit sollen gärtnerische Fähigkeiten wieder erlernt werden, um sich mit gesundem Gemüse und Obst selbst zu versorgen.« Im vergangenen Jahr wurde im Garten, der direkt am Lutherweg liegt, auch ein überdachter Sitzplatz geschaffen, der Pilgern als Rastplatz dient. Auch an einen frei zugänglichen Pilgerstempel wurde gedacht.

Zu Beginn war der interkulturelle Garten nur ein schmaler Streifen, dann kam ein zweites Stück hinzu. Mittlerweile ist ein weiterer angrenzender Garten für das Projekt frei geworden, in dem eine Hütte mit Veranda steht. Dittrich und Jallow wollen dort »Kultur im Garten« realisieren - es ist bereits zu spüren: Tilman Steitz ist mit seiner Gitarre aus Frankfurt gekommen und begleitet die Saisoneröffnung musikalisch. Gegen Ende des Gartenfestes begrüßte Dittrich noch Teilnehmer einer Veranstaltung des NABU zum Thema Blühwiesen in Friedberg und informierte sie über den Interkulturellen Garten.

In Sachen Garten ist das Dekanat noch an anderer Stelle aktiv. Angrenzend an die nahe gelegene Kinderfarm Jimbala entsteht derzeit ein Begegnungsgarten, der größere Flächen zur Bewirtschaftung bietet. Das Dekanat, die Kinderfarm Jimbala, die Beschäftigungsgesellschaft RDW, der Verein »Mensch, mach mit« und der NABU haben gemeinsam einen Verein zur Trägerschaft des Begegnungsgartens gegründet. Kooperationspartner im interkulturellen Garten sind die Stadt Friedberg, das Diakonische Werk mit dem Fünf-Finger-Treff, NABU, Internationales Zentrum, Evangelische Familienbildungsstätte und Jimbala. Wer mitmachen will, kann sich unter der Telefonnummer 01 57/55 56 11 67 melden.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedbergbadnauheim/Wetterau-Ein-Stueck-Heimat-in-Friedberger-Beeten;art472,594164

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