04. Oktober 2019, 17:00 Uhr

Lange Haftstrafe

Eine Woche auf freiem Fuß: Dann Verwandte überfallen

Seine Freiheit war von kurzer Dauer: Weil ein 41-Jähriger nur eine Woche, nachdem er aus dem Gefängnis entlassen worden war, erneut straffällig wurde, landete er wieder hinter Gittern.
04. Oktober 2019, 17:00 Uhr
Es klingelt an der Tür. Ein maskierter und bewaffneter Mann versetzt eine Wetterauer Familie in Angst und Schrecken. Jetzt ist das Urteil in Friedberg gefallen. (Symbolfoto: dpa)

Drei Jahre sechs Monate - so lautet das Urteil des Jugendschöffengerichts am Amtsgericht Friedberg. Richterin Franzke und die beiden Laienrichter an ihrer Seite sehen es als erwiesen an, dass der 41-jährige Angeklagte an einem Samstagabend im Dezember 2018 bei entfernten Verwandten in der Wetterau geklingelt hatte - maskiert und bewaffnet. Er bedrohte den Sohn der Familie mit einem Messer, versuchte, ihn zu fesseln, und konnte nur dank Hilfe der Mutter aus dem Haus gedrängt werden.

Zwei Tage später rief er an und drohte der Familie; er wollte verhindern, dass die Polizei eingeschaltet wird. Doch dafür war er zu spät. Einen Tag später wurde er festgenommen und jetzt wegen versuchter Freiheitsberaubung, Nötigung und versuchter Bedrohung verurteilt.

Die Tat selbst hatte der Mann zugegeben. Nur über das Motiv herrschten unterschiedliche Auffassungen. Es gebe keins, sagte der Angeklagte. Doch, ein sexuelles, sagte die Staatsanwaltschaft - und letztlich auch das Gericht.

Rückfallgefährdeter Sexualstraftäter

Der Angeklagte hatte am Tatort einen handgeschriebenen Zettel verloren, auf dem er sexuelle Praktiken und Fantasien aufgelistet hatte. »Um nicht viel reden zu müssen«, wie er sich gegenüber einem psychiatrischen Sachverständigen geäußert hatte. Denn obwohl er seine Verwandten jahrelang nicht gesehen hatte, bestand die Gefahr, dass sie ihn wiedererkennen würden. Deshalb habe er sich auch eine Maske übers Gesicht gezogen. Der Grund? Er sei »einfach geil« nach der Haft gewesen, habe jahrelang keinen Sex gehabt, wie er sich dem Gutachter weiter anvertraut hatte. Irritierend: Im Auto des Angeklagten hatten die Ermittler eine Gurke, Bananen und Penaten-Öl gefunden. Vor Gericht äußerte sich der Angeklagte auch dazu nicht.

Sein Verteidiger wies zwar mehrfach darauf hin, dass kein Sexualdelikt angeklagt sei. Doch sein Mandat war gerade erst aus der Haft entlassen worden: Mehrere Jahre hatte er wegen eines Sexualdelikts hinter Gittern verbracht; er gilt als rückfallgefährdeter Sexualstraftäter.

Der am Tatort gefundene Brief spreche schon für eine gewisse Motivation, sagte Richterin Franzke. Zumal es keine Anhaltspunkte für einen Raubüberfall gegeben habe.

Details des Zettels wollten die Opfer nicht wissen. Bevor die wirre Liste verlesen wurde, verließen sie den Gerichtssaal. Auch vom Angeklagten wollten sie nichts hören: Es täte ihm leid, er würde es rückgängig machen, wenn er könnte, sagte er. Ähnlich hatte er sich schon in einem Brief aus der Haft geäußert. Die Familienmutter sagte dazu: »Ich hatte den Eindruck, er wollte nur seinen Vorteil daraus ziehen.«

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