19. Juli 2019, 20:38 Uhr

Einst Römer, nun Kinder

19. Juli 2019, 20:38 Uhr
Akkurat gesetzte rechtwinklige Grundmauern verweisen auf ein römisches Gebäude.

Mit dem symbolischem ersten Spatenstich haben am Donnerstag die Arbeiten für den Neubau der Kindertagesstätte »Wichtelwiese« in Dorn-Assenheim begonnen. Schon am Mittwoch hatte ein Baggerfahrer bei vorbereitenden Arbeiten allerdings Grundmauern eines römischen Gebäudes freigelegt. Kreisarchäologe Dr. Jörg Lindenthal erwartet jedoch keine Verzögerung für die Bauarbeiten.

Am Rand der Fläche, auf der die Kita gebaut werden soll, stecken die Spaten in der Erde, bereit für den symbolischen Baubeginn durch Bürgermeister Bertin Bischofsberger, die Stadträtin Christa Stolle, Petra Klöppel und Horst Wenisch von der Stadtverwaltung, Architekt Alfred Möller, Alexander Langstrof, Inhaber der Baufirma Minnert, sowie den Tiefbauer Rainer Lindt. Dessen Mitarbeiter haben am Vortag den Mutterboden von der Fläche entfernt. Dabei wurde deutlich, dass das Grundstück am Ortsrand von Dorn-Assenheim vor ungefähr 1800 Jahren schon einmal bebaut war.

Deutlich sind auf der Fläche akkurat aus Bruchsteinen gefügte Grundmauern eines rechteckigen Gebäudes von ungefähr 18 Metern Länge und etwa sieben Metern Tiefe erkennbar. Tonscherben und der Mörtel weisen darauf hin, dass es von den Römern erbaut wurde. Lindenthal schätzt, dass es um 150 bis 200 nach Christi Geburt errichtet wurde. Er vermutet, dass es sich um ein privates landwirtschaftliches Wirtschaftsgebäude handelt. »Wir haben oft in der Wetterau einzeln stehende römische Gebäude«, erläutert er, dass es wahrscheinlich sei, dass zu dem jetzigen Fund keine weiteren benachbarten Bauwerke gehören. Allerdings schränkt er ein: »Das kann aber auch ein Nebengebäude von einer Villa Rustica sein.«

Für Lindenthal ist der Fund angesichts der dichten Besiedlung der Wetterau in der Antike nur eine kleine Überraschung. Sollte es sich um ein einzeln stehendes Wirtschaftsgebäude handeln, rechnet er für den Bau der Kita mit keinen nennenswerten Verzögerungen. Etwa eine Woche, schätzt er, werde die archäologische Untersuchung der Gebäudereste dauern, die nächste Woche beginnen könne. Voraussetzung sei, dass sich eine Grabungsfirma finde, die Kapazitäten frei habe. Das könne angesichts der regen Bautätigkeit derzeit schwieriger werden.

Langstrof überlegt, wie die Mauerreste mit dem Raster, in dem Betonpfähle zur sicheren Gründung des Neubaus ins Erdreich eingebohrt werden, in Deckung gebracht werden können. Diese Pfahlgründung hat der Statiker wegen des wenig tragfähigen Bodens am Rand der Bachaue für notwendig gehalten.

Sie sollen ein Gebäude von 618 Quadratmetern Grundfläche mit 536 Quadratmetern Nutzfläche und zwei Gruppen-, einem Bewegungs- sowie einem Speiseraum tragen. Möllers Entwurf, der aus zwei Gebäudehälften mit gegeneinander versetzten Pultdächern besteht, setzt weniger auf äußere Effekte als auf Flexibilität und Nachhaltigkeit. So wird das Gebäude komplett aus ökologischen Materialien mit Massivmauerwerk und Holzdachstuhl errichtet. Das Aluminiumdach ermöglicht, eine Fotovoltaikanlage anzubringen.

Kirche und Stadt werden nicht einig

Außerdem seien die Gruppenräume sowohl für die U3- als auch die Ü3-Betreuung geeignet und somit gegeneinander austauschbar. »Wir denken auch immer an die Nachnutzung«, betont Möller die Möglichkeiten des Entwurfs. »Wir haben in Bad Vilbel einen Kindergarten gebaut, der später auch als Altentreff genutzt werden kann.«

Davon ist der 1,95 Millionen Euro teure Neubau in Dorn-Assenheim allerdings noch weit entfernt. Er wurde wegen der stark steigenden Kinderzahlen in Reichelsheim notwendig. Diese sollten vor zwei Jahren eigentlich durch eine Erweiterung des katholischen Kindergartens St. Elisabeth aufgefangen werden. Jedoch konnten sich Stadt und katholische Kirche nicht über einen Zuschuss zu den Baukosten des Kindergartens an die Kirche einigen. Deshalb beschlossen die Stadtverordneten letztlich den städtischen Neubau der Kita »Wichtelwiese«, der im Oktober 2020 fertig sein soll.

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