13. November 2018, 11:15 Uhr

Erkältungszeit

Erkältungszeit: Was sie jetzt wissen müssen

Husten, Schnupfen und Ohrenschmerzen: Doch wie viele Erkältungen sind normal? Und wann ist ärztliche Hilfe gefragt? Nachgefragt in Bad Nauheim.
13. November 2018, 11:15 Uhr
Es ist Erkältungszeit. Kinder werden im Herbst und Winter besonders häufig krank. So baut ihr Körper Abwehrkräfte auf. Doch wenn die Kinder zu Hause bleiben müssen, stellt das vor allem arbeitende Eltern oftmals vor Probleme. (Foto: dpa)

Draußen ist es kalt und nass, das Immunsystem ist geschwächt und überall wird gehustet und geschnieft. Es ist Erkältungszeit. Die Erkältung erwischt auch Kinder häufig. Vor allem dann, wenn sie neu in den Kindergarten oder die Krippe kommen. »Das ist aber gut so«, meint Marina Keil. Sie ist Leiterin der Kinderkrippe am Südpark in Bad Nauheim. »Nur so können die Kleinen Abwehrkräfte aufbauen.«

Wer eine Schnupfnase oder Husten hat, müsse deshalb auch nicht gleich zu Hause bleiben. Nur, wenn es den Kindern merklich schlecht gehe, sie also Fieber hätten, schlapp und müde oder quengelig seien, müssten sie abgeholt werden. »Dann rufen wir die Eltern an und bitten darum, dass jemand kommt«, sagt Keil. Sobald sich die Kinder besser fühlen, dürfen sie wiederkommen. »Ein Attest vom Arzt ist nicht nötig.« Das Thema Erkältungen sorge bei den Eltern oft für Unsicherheiten. Doch Keil gibt Entwarnung: »Am Anfang sind alle Kinder öfter krank, aber das wird im Laufe der Zeit besser.«

 

Beschwerden mit Medikamenten lindern

Auch Kinderarzt Prof. Arno Fuchshuber hat zurzeit viele Patienten mit Erkältungen in seinen Praxen in Bad Nauheim und Friedberg. »Es ist normal, dass Kinder während eines Winters bis zu zehn grippale Infekte durchlaufen«, sagt er. Der Körper müsse sich mit der Vielzahl an verschiedenen Viren auseinandersetzen.

Um in der kalten Jahreszeit gesund zu bleiben, empfiehlt der Arzt eine ausgewogene Ernährung und reichlich Bewegung – auch an der frischen Luft. Von Produkten oder Medikamenten, die das Immunsystem stärken sollen, hält er nichts. »Deren Wirkung ist nicht nachgewiesen.« Wenn es doch zu einer Erkältung komme, könnten Medikamente gegeben werden, die die Beschwerden lindern. »Etwa Nasentropfen, um wieder frei atmen zu können, Inhalationen und Präparate gegen Fieber und Schmerzen«, sagt Fuchshuber.

Es ist normal, dass Kinder während eines Winters bis zu zehn Infekte durchlaufen

Kinderarzt Prof. Dr. Arno Fuchshuber

Krippenleiterin Keil rät außerdem, die Kinder passend zum Wetter anzuziehen – nicht zu dünn, aber auch nicht zu dick. »Sonst schwitzen sie beim Toben und Spielen und erkälten sich leichter.«

Ob ein Besuch beim Arzt nötig ist, hänge von den Symptomen und vom Alter des Kindes ab, sagt Fuchshuber. Bei Säuglingen sei bei Fieber und Husten besondere Vorsicht geboten. Ältere Kinder hingegen müssten meistens erst zum Arzt, wenn die Symptome länger anhielten.

 

Anspruch auf freie Tage

Doch wie reagieren die Eltern auf den mitunter überraschenden Anruf der Kinderkrippe, dass ihr Kind nach Hause muss? »Die Eltern sind sehr verantwortungsbewusst und vertrauen uns auch«, sagt Keil. Für berufstätige Eltern sei die Situation natürlich schwierig. Oft würden Oma und Opa oder andere Familienangehörige und Bekannte aus der Patsche helfen. »Wer kann, nutzt auch die Möglichkeit, zu Hause zu arbeiten.«

Eltern können sich für die Betreuung des kranken Kindes aber auch freinehmen. Dabei gibt es verschiedene Regelungen durch Arbeitgeber und Krankenkasse. Es kommt auch darauf an, was im Arbeitsvertrag steht. Laut Sozialgesetzbuch dürfen gesetzlich versicherte Elternteile aber jeweils zehn Tage zur Betreuung freinehmen. Alleinerziehende haben Anspruch auf 20 Tage. Bei zwei Kindern verdoppelt sich die Zahl der Krankheitstage. Die Obergrenze liegt bei 25 beziehungsweise 50 Tagen. Voraussetzung ist immer ein Attest des Arztes.

Wer nicht freibekommt, kann sich auch an den Notmütterruf des Wetteraukreises wenden. Erfahrene Mitarbeiterinnen betreuen dort die Kinder. Sie sind erreichbar unter Tel. 0 60 32/3 57 84.

Ein paar Monate müssen Eltern, Kinder und Erzieher noch durchhalten, bis das Husten und Schniefen ein Ende hat. »Die Erkältungszeit geht in der Regel von September bis März«, sagt Keil. »Solange sind Schnupfnasen unser täglich Brot.«

 

Viral oder bakteriell?

Erkältungen und die Grippe werden durch Viren ausgelöst. Doch während für die Grippe eine bestimmte Art von Viren verantwortlich ist, nämlich die sogenannten Influenza- oder auf deutsch Grippe-Viren, können hinter einer Erkältung eine Vielzahl verschiedener Viren stecken. Eine Erkältung – auch grippaler Infekt genannt – verläuft meist harmloser als eine Grippe. Betroffene zeigen Symptome wie Schnupfen, Husten oder Halsschmerzen. Eine Grippe geht dagegen meist mit heftigeren Symptomen sowie Kopf- und Gliederschmerzen einher, kommt plötzlich und dauert länger. Eine bakterielle Infektion ist zum Beispiel Scharlach. Auch eine Mandelentzündung kann durch Bakterien ausgelöst werden. Beides wird mit Antibiotika behandelt, gegen Viren wirken diese hingegen nicht.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bakterien
  • Erkältungen
  • Fieber
  • Grippe
  • Husten
  • Kindergärten
  • Kinderkrippen
  • Kindertagesstätten
  • Kinderärzte
  • Ohrenschmerzen
  • Schnupfen
  • Ärzte
  • Bad Nauheim
  • Anna-Luisa Hortien
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos