07. August 2018, 05:00 Uhr

Bedrohung

Ermittlungen nach Trip mit Softairwaffe

Dem jungen Gießener, der Ende Juni auch in Friedberg für Angst und Schrecken gesorgt hat, drohen strafrechtliche Konsequenzen. Aber war er auch zurechnungsfähig?
07. August 2018, 05:00 Uhr
Auf diesem Symbolbild ist eine Softair-Pistole zu sehen. Mit einer solchen oder einer ähnlichen hat ein junger Mann für Angst und Schrecken gesorgt – erst in Gießen, dann in Friedberg und in Frankfurt. (Symbolfoto: dpa)

Einen 21-jährigen Gießener, der am 29. Juni mit einer Softairwaffe zunächst in seiner Heimatstadt und dann in einem Regionalzug und am Frankfurter Hauptbahnhof Angst und Schrecken verbreitete, könnte sein Verhalten auch strafrechtlich teuer zu stehen kommen. Die Polizei hat in den letzten Wochen gegen den aus der Anneröder Siedlung stammenden Mann wegen Störung des öffentlichen Friedens, Bedrohung und Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz ermittelt. »Wir haben die Verfahren mittlerweile an die Staatsanwaltschaft abgegeben«, sagte Polizeisprecher Jörg Reinemer auf GAZ-Anfrage.

Allerdings ist fraglich, ob der junge Gießener zum Tatzeitpunkt überhaupt schuldfähig war. Drei Tage nach seinem aufsehenerregenden Trip von Gießen nach Frankfurt wurde er laut Reinemer in die Psychiatrie eingewiesen. Unmittelbar nach seiner Festnahme in Frankfurt hätten Beamte der Gießener Polizei seine Wohnung durchsucht und Drogen gefunden, berichtete Reinemer.

 

Auf stehenden Zug geschossen

 

An dem besagten Freitag Ende Juni war der Mann erstmals Passanten in der Anneröder Siedlung aufgefallen. Der 21-Jährige hatte einen Ghettoblaster bei sich, aus dem lauter Rap mit deutschen Texten schallte. Trotz großer Hitze trug er ein Sweatshirt, hielt plötzlich eine Pistole in der Hand und fuchtelte damit herum. Auf einen Anwohner, der vor ihm die Straße querte, um in sein Auto einzusteigen, schien der 21-Jährige sogar mit der Waffe zu zielen. Er lief dann zur Licher Straße, bestieg einen Stadtbus der Linie 2 und gab auch dort mit der Pistole an. Fahrgäste verließen den Bus an der nächsten Haltestelle fluchtartig und informierten die Polizei.

Der Gießener fuhr derweil bis zum Bahnhof und nahm einen Regionalzug Richtung Frankfurt. In Friedberg soll er wieder auffällig geworden sein und mit der Softair-Pistole auf einen stehenden Zug geschossen haben. Zudem soll er in dem Zug, als ihn ein Bahnmitarbeiter ansprach, die Waffe erneut gezückt haben.

 

Nah- und Fernverkehr gestoppt

 

Dies führte zu Anrufen bei der Bundespolizei, die daraufhin angesichts der unklaren Lage für den Frankfurter Hauptbahnhof einen Großalarm auslöste und den gesamten Nah- und Fernverkehr stoppte. Nach der Ankunft des Zugs ließ sich der Gießener widerstandslos festnehmen.

Weil er eine sogenannte Anscheinswaffe verbotswidrig in der Öffentlichkeit gezeigt hat, drohen ihm auch finanzielle Folgen. Bei dem Verstoß gegen das Waffengesetz handelt es sich zwar nur um eine Ordnungswidrigkeit, die aber mit einer Geldbuße bis zu 10 000 Euro geahndet werden kann.

Sogenannte Softair-Waffen, aus denen unter anderem beim Paintball Farbkugeln verschossen werden, bereiten der Polizei schon seit vielen Jahren Sorge. Weil sie echten Waffen täuschend ähnlich sehen, kommt es immer wieder zu unklaren Bedrohungssituationen, wenn mit ihnen in der Öffentlichkeit hantiert wird.

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