19. Oktober 2019, 18:00 Uhr

Unfallschwerpunkt

Erster Bad Nauheimer Blitzer kommt an Steinfurther Ortseingang

Im Gegensatz zu anderen Kommunen verzichtet Bad Nauheim bislang auf »Starenkästen«. Doch bald kommt es zur Premiere, weil der Ortseingang von Steinfurth ein Unfallschwerpunkt geworden ist.
19. Oktober 2019, 18:00 Uhr
Am Ortseingang von Steinfurth wird viel zu schnell gefahren, die Unfälle häufen sich. Deshalb wird dort der erste »Starenkasten« Bad Nauheims installiert. (Foto: Nici Merz)

Zwischen November 2018 und März 2019 hatten sich am Ortseingang von Steinfurth (aus Richtung Kernstadt) 13 Verkehrsunfälle ereignet, teils mit Schwerverletzten. Die Verantwortlichen von Hessen Mobil, Polizei und Stadtverwaltung standen zunächst vor einem Rätsel. Denn die Landestraße 3134 weist an dieser Stelle eigentlich keine besonderen Schwierigkeitsgrade auf, bei halbwegs vernünftiger Fahrweise sollten sich keine Probleme einstellen.

Im März befasste sich der Ortsbeirat mit dem Unfallschwerpunkt, der als Verkehrsdezernent zuständige Erste Stadtrat Peter Krank ließ Schilder »Achtung, Schleudergefahr!« montieren und kündigte eine weitergehende Untersuchung an. Das Aufstellen eines stationären Blitzers bezeichnete er damals als »letztes Mittel«, weil diese Kontroll- und Präventionstechnik in Bad Nauheim eigentlich keine Fans hat.

Zwei Messstellen

Jetzt strebt Krank genau diese eigentlich unerwünschte Lösung an. In Absprache mit den anderen beteiligten Behörden wurden in den letzten Monaten umfangreiche Geschwindigkeitsmessungen veranlasst. Wie sich dabei ergab, ist das Rätsel doch ganz einfach zu knacken. Auf der abschüssigen Strecke rein nach Steinfurth wird einfach viel zu schnell gefahren. Mit dem Gefälle allein ist das allerdings nicht zu erklären, denn Gleiches gilt für die Gegenrichtung - also bergauf in Richtung Kernstadt.

Die Geschwindigkeiterfassung lief über mehrere Wochen rund um die Uhr, und zwar an zwei Stellen: einmal direkt am Ortsschild, zum zweiten in der Nähe der Querungshilfe an der Kurve. Pro Tag wurden im Schnitt 16 000 Fahrzeuge erfasst, der Tempospitzenreiter brachte es innerorts auf sage und schreibe 110 km/h. »Gerast wird zu allen Tageszeiten, nicht nur nachts«, sagt Krank.

Nach Aussage des Ersten Stadtrats soll der »Starenkasten« Anfang nächsten Jahres gekauft und installiert werden. Voraussetzung ist die Bewilligung entsprechender Haushaltsmittel, denn ein solcher Blitzer kostet inklusive Aufbau stolze 160 000 Euro. Mit Hessen Mobil und Polizei hat Krank bislang nicht darüber gesprochen. »Wenn ich die Zahlen präsentiere, gehe ich aber fest von einer Zustimmung aus.« Den genauen Standort für den Blitzer hat der Verkehrsdezernent noch nicht festgelegt.

Ortsbeirat stimmt zu

Bei modernen Geräten kann der Betrachter übrigens nicht mehr erkennen, ob sich im Innern tatsächlich eine Kamera befindet. Das Gerät kann rausgenommen werden und vorübergehend in einem anderen Kasten zum Einsatz kommen - den es in Bad Nauheim bislang allerdings nicht gibt. Außerdem kann die Kamera laut Krank von Autos aus Verkehrssünder erfassen, ist also flexibel einsetzbar.

Der Ortsbeirat von Steinfurth hat sich schweren Herzens mit der »Starenkasten«-Premiere angefreundet. »Die Zahlen sprechen für sich, da führt am Blitzer leider kein Weg mehr vorbei«, sagte Ortsvorsteher Markus Philippi (UWG) nach der jüngsten Sitzung des Gremiums, in deren Rahmen der Erste Stadtrat seinen Plan erläutert hatte.

16 000 Fahrzeuge, viele zu schnell

Zwei Wochen lang wurde in Steinfurth in der Nähe der Querungshilfe (Bad Nauheimer Straße) rund um die Uhr die Geschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer gemessen. Weil es nicht in erster Linie um die erlaubte Höchstgeschwindigkeit ging und auch keine Strafzettel folgen sollten, wurden Autos und Motorräder erst ab einem Tempo von 60 km/h erfasst. »Im Schnitt sind dort pro Tag in beiden Richtung 16 000 Fahrzeuge unterwegs. 750 davon lagen bei einer Geschwindigkeit von mehr als 60 Stundenkilometer. Einer raste sogar mit hundert«, erläutert Erster Stadtrat Peter Krank. Fünf Wochen lang stand das Messgerät direkt am Ortseingangsschild. Dort lag die Höchstgeschwindigkeit sogar bei 110 km/h. »Wer aus der Kernstadt kommt, sollte seinen Wagen den Hang runter eigentlich ausrollen lassen, um mit fünfzig am Ortseingang anzukommen. Aber das gelingt etlichen Fahrern nicht«, sagt der Verkehrsdezernent.

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