24. September 2019, 19:41 Uhr

»Es verpflichtet uns, mitzuarbeiten«

24. September 2019, 19:41 Uhr
Diskutieren über Naturschutz (v. l.) Frank-Uwe Pfuhl, Petra Kunik, Mona Abd El Kader und Pfarrer Dr. Peter Noss. (Foto: pm)

Wie wichtig ist es, die Jugendlichen von »Fridays for Future« ernst zu nehmen? Was bedeutet »öko-koscher«? Und was ist ein »Öko-Dschihad«? Diese und andere Fragen gehörten zu einem Dialog zwischen Vertretern christlicher, islamischer und jüdischer Glaubensrichtungen in der Burgkirche. Als Diskutanten hatte der evangelische Ökumene-Pfarrer Dr. Peter Noss Petra Kunik (jüdische Gemeinde Frankfurt), Mona Abd El Kader (Verein Hima Umweltschutz, Frankfurt) und Frank-Uwe Pfuhl (NABU-Umweltwerkstatt Wetterau) eingeladen. Anlass war die »Religiöse Naturschutzwoche«, die Noss federführend organisiert hat.

Sie finde die Klimaschutz-Jugendbewegung beeindruckend, sagte Kunik. Die »Computerisierung« junger Menschen stehe oft in der Kritik - aber Facebook und soziale Netzwerke unterstützten den Austausch. Sie ging auf den Begriff »öko-koscher« ein, der aus den USA stamme. »Das Wort ›koscher‹ heißt bei uns ›geeignet zum Essen‹«, sagte die Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Frankfurt. Wer sich »öko-koscher« ernähre, esse am besten kein Fleisch. Zum Sabbat gehöre dies zwar - aber es müsse nicht sein. Vegetarisch zu essen, reiche jungen Menschen oft nicht. Kunik: »Sie sagen: ›Es kann doch nicht sein, dass Gen-Mais koscher ist - oder Düngen‹.« Alles, was den Körper schädige, sei nicht koscher. Das Bewusstsein, woher das Gemüse komme und wie es behandelt werde, gehöre dazu, betonte sie. »In Frankfurt leben hauptsächlich junge Familien danach.«

Mona Abd El Kader erzählte, wie sie 2015 zum muslimischen Verein Hima Umweltschutz kam. Die Gruppe lasse Umweltschutz aufleben, »vor allem in der islamischen Gesellschaft, aber wir fördern auch den interreligiösen Dialog«. Wie Noss erzählte, sei er über die Autorin des Buchs »Öko-Dschihad - der grüne Islam«, Ursula Kowanda-Yassin, auf den Verein aufmerksam geworden. »Dschihad« werde oft in kriegerischem Kontext gesehen - die Autorin verwende den Begriff aber dafür, einen Weg konsequent zu gehen. Abd El Kader bestätigte dies: »Dschihad« bedeute so viel wie »Anstrengung für das Gute«. Das Bewusstsein in der islamischen Gemeinschaft werde immer größer, die Umwelt zu retten. »Es ist ein Aspekt, der in der Religion verankert ist«, sagte sie. Schlüsselbegriffe seien Entschleunigung, Minimalismus und Achtsamkeit.

Frank-Uwe Pfuhl hält den Einsatz der Kirchen in Sachen Naturschutz für ein wichtiges Signal. »Wir haben ein globales Problem. Vielleicht haben die Glaubensgemeinschaften eher die Möglichkeit, moralisch-ethisch darauf aufmerksam zu machen.« Die wichtigste Vokabel beim Umwelt- und Naturschutz ist laut Pfuhl das Wort »Verzicht«. Viele Bürger benutzten Ausflüchte, getreu dem Motto »Wir trennen ja den Müll«. Er glaube aber, dass sich die Menschheit »gewaltiger bewegen« müsse. Ihm gefalle die Idee der »Transition Towns«. Statt zum Kulturevent nach New York zu fliegen, könne man sich auch mit dem Nachbarn unterhalten. »Die Idee ist, alles zu relokalisieren und uns zu fragen, wie wir Energieverbräuche in großem Stil eindämmen können.«

Mit Blick auf die »Fridays for Future«-Bewegung zitierte Noss den Jesus-Satz »Lasset die Kinder zu mir kommen«. Jesus habe es für bedeutsam befunden, das Reich Gottes wie ein Kind anzunehmen. Was aus Kindermund komme, sei ernst zu nehmen. Noss: »Es verpflichtet uns, daran mitzuarbeiten.«

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