25. Juli 2019, 11:00 Uhr

Musical-Star

Europaweit auf Tour - zu Hause in Dorn-Assenheim

Die weite Welt sieht André Haedicke von der Bühne aus. Seine Basis bleibt die Wetterau. Der Musical-Darsteller erzählt, warum er ohne Unterstützung von hier nie so weit gekommen wäre.
25. Juli 2019, 11:00 Uhr
Auf die Suche nach den Bretodeaus macht sich Amélie (Sandra Leitner), um das berühmte Schatzkästchen zurückzugeben. Haedicke ist einer der »falschen« Bretodeaus. (Foto: Franziska Hain/Nellie Krautschneider)

In Dorn-Assenheim hat André Haedicke alles, was er niemals wollte - und ist überglücklich damit. Hier lebt der Musical-Darsteller mit seinem Partner, seiner Oma, der Schwester und seinem Vater. Ein echtes Mehrgenerationenhaus. Das liebt er, obwohl er meist zehn Monate im Jahr unterwegs ist. Haedicke ist europaweit auf Tour und ziemlich erfolgreich. Derzeit steht er für die Musical-Produktion »Die fabelhafte Welt der Amélie« auf der Bühne in München. Darin spielt er einen Zwerg und mimt Elton John, doch das ist nicht alles. Eigentlich verkörpert er zehn Rollen, in einem »sagenhaften Team«, wie er sagt.

Was er jetzt macht, das wollte er schon immer machen. Alles hat seinen Lauf an der Henry-Benrath-Schule und am Burggymnasium in Friedberg sowie in der Theatergruppe Assenheim genommen. »Das Musical und ich, das ist es. Das musste einfach raus aus mir«, sagt Haedicke. Schon in seiner Schulzeit auf der Benrath-Schule hat er Theater gespielt: »Da ist man als männlicher Schauspieler gerne gesehen.«

Wunsch der Eltern: Erst Abitur

Nach dem Realschulabschluss wollte er eigentlich sofort Schauspieler werden, doch da hatten seine Eltern etwas dagegen. Abitur solle er machen: »Wenn du das schaffst, kannst du machen, was du willst«, hatte seine Mutter gesagt. Er schaffte es: »Allerdings war es gefühlt das schlechteste Abi der ganzen Schule«, erinnert sich Haedicke. Denn sein Ziel war klar: nicht Mathe oder Geschichte pauken, sondern schauspielern.

Daher hat er damals schon viel Zeit in die Produktionen der Theatergruppe Assenheim gesteckt. Mit ihr ist er übrigens heute noch fest verbunden. Er springt ein, wenn die Truppe um Norbert Deforth ihn braucht. »Es kam schon vor, dass ich von Wien nach Assenheim gereist bin, wenn ich frei hatte, und abends wieder zurück zum Musical sein musste.«

Oh Schreck, Ballett!

Musik und Schauspielern sind genau sein Ding: Das merkte auch die Jury der Universität der Künste in Berlin schnell. Das ist, wie Haedicke sagt, die größte Kunstuni Europas. Entsprechend hoch die Bewerberzahl, entsprechend klein die Auswahl, denn nur fünf Universitäten bieten ein MusicalStudium an. Zehn bis zwölf Bewerber werden pro Jahr an der Universität der Künste angenommen. Einer davon war Haedicke.

Wenn er sich an die Aufnahmeprüfung erinnert, lacht er: Er musste damals - ohne davon zu wissen - plötzlich Ballett tanzen. »Das war nichts für mich, denn ich bin klein und dick.« Da habe er sich gedacht: Augen zu und durch. »Es sah wahrscheinlich unmöglich aus, aber ich habe immer gelächelt und weitergemacht.«

Auf der Bühne wird er zu Elton John

Mit Erfolg: 2012 hat er seinen Abschluss gemacht und seither in unzähligen Engagements gespielt. Er ist bei Stage-Entertainment, einer der größten Produktionsfirmen für Musicals, unter Vertrag gekommen. Aktuell präsentiert das Unternehmen im Theater Werk 7 »Die fabelhafte Welt der Amélie« aus dem Jahr 2001 mit Audrey Tautou in der Hauptrolle. Darin spielt Haedicke den Zwerg, der im Film um die halbe Welt geschickt wird. Wer Haedicke sehen möchte, hat dazu bis zum 27. Oktober, immer dienstags bis sonntags Gelegenheit.

Während in der Kinovorlage Elton Johns »Candle in the Wind« erklingt, um das Jahr 1997 und den Tod Lady Dianas darzustellen, wird Haedicke in der Bühnenversion selbst zu Elton John. »Es ist alles handgemacht«, sagt er. Haedicke singt, dazukommen Klavier, Cello, Bass, Schlagwerk und Klarinette.

»Ich liebe meine Heimat«

Das erinnert ihn an seine Zeit im Alten Hallenbad in Friedberg. Dort hat er viel Theater gespielt, die Programme »Summer Swing Night« sowie »The Sound of Movie« entwickelt und auf die Beine gestellt.

»Ich habe einfach Lust am Theater und liebe meine Heimat.« Das ist ihm bei einem »unsicheren Künstlerleben besonders wichtig, denn er hat immer nur befristete Verträge. »Da brauche ich eine feste Basis - mein Zuhause.« Deshalb hat er sich gegen ein Leben in einer »anonymen Großstadt« entschieden. Sein Partner ist für ihn von Slowenien nach Dorn-Assenheim gezogen. »Das macht meine Künstlerseele glücklich.«

Unterstützung beim »Faust«-Musical in Assenheim

Die Theatergruppe Assenheim (TGAss) besteht seit über 30 Jahren und ist als Verein organisiert. Vorsitzender ist Norbert Deforth. In der Gruppe haben sich Menschen unterschiedlichen Alters und aus verschiedenen Lebensbereichen zusammengeschlossen, um ein ganzes Jahr lang an einer abendfüllenden Theaterproduktion zu arbeiten. Die TGAss tritt mit den Inszenierungen mehrfach im Bürgerhaus Assenheim oder im Dolce in Bad Nauheim auf.

Es gibt neben dem Schauspielern viele Möglichkeiten, sich zu engagieren: beim Bühnenbau, der Kulissenmalerei, in der Kostümschneiderei, der Requisite, in der Kinder- und Jugendarbeit, der Maske, im Fundus oder im Orchester. Im November möchte die TGAss das Musical »Faust« auf die Bühne bringen. André Haedicke wird das Team bei der Regie unterstützen. Premiere wird am Samstag, 23. November, um 20 Uhr im Bürgerhaus Assenheim sein. Viele weitere Aufführungen (auch für Senioren oder Schulklassen) werden folgen. Karten gibt es ab Montag, 16. September. Weitere Informationen online unter www.tgass.de

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