30. August 2018, 11:05 Uhr

Wichtige Weichenstellung

Friedberger Büro Frielinghaus plant neue Therme

Bei der Debatte über Wohnbebauung im Umfeld des Bad Nauheimer Sprudelhofs ist fast in Vergessenheit geraten, was Priorität hat: der Therme-Neubau. Der Magistrat hat wichtige Weichen gestellt.
30. August 2018, 11:05 Uhr
Ungewöhnlich lange zieht sich der Abriss der Therme hin, mit dem im März begonnen wurde. Laut Fachbereichsleiter Steffen Schneider sind dafür die vielen Schadstoffe verantwortlich, die aufwendig entsorgt werden müssen. Das dauert bis November, dann wird die Gebäudehülle entfernt, was bis Mai dauert. Auch der Kostenrahmen (1,8 Millionen Euro brutto) werde nicht gesprengt. (Fotos: Nici Merz/ach)

Stolz war herauszuhören, als Bürgermeister Klaus Kreß am Donnerstagabend in der gemeinsamen Sitzung des Bauausschusses mit dem Haupt- und Finanzausschuss zum Entwicklungskonzept Sprudelhof wichtige Neuigkeiten verkündete. »Die Verwaltung hat im Sommer Vollgas gegeben«, sagte der Rathauschef. Die Auswahlverfahren für den Generalplaner zum Bau des Thermalbads und zur Betriebsführung wurden abgeschlossen.

Kreß zufolge ist es wichtig, die Betriebsführung schon jetzt zu regeln. Das beauftragte Unternehmen könne in Kooperation mit dem Generalplaner Einfluss nehmen. »Je funktionaler die Therme gestaltet ist, desto geringer wird der Betriebskostenzuschuss. Unser Ziel heißt null Euro«, sagte der Bürgermeister.

Betriebsführung schon geregelt

Einzelheiten verkündeten Steffen Schneider (Fachbereichsleiter Kur und Service) und Matthias Mroncz (Fachdienstleiter Stadtplanung). Um die Generalplanung hatten sich sieben Firmen beworben, den Zuschlag erhielt die BLFP Frielinghaus Architekten GmbH aus Friedberg. Das Büro nimmt einige Firmen, die sich um Detailfragen kümmern, mit ins Boot.

M. Frielinghaus
M. Frielinghaus

Nach Fertigstellung der Therme Ende 2021 wird der Betrieb von der Kannewischer Management AG mit Deutschlandsitz in Baden-Baden geführt. Dieses Unternehmen (»Die Nummer eins in Deutschland«, Ex-Bürgermeister Bernd Witzel) setzte sich gegen fünf Mitbewerber durch. Bisher führt Kannewischer Regie in fünf deutschen Thermalbädern, unter anderem in Baden-Baden und Bad Ems. Schneider und Mroncz gingen zudem auf den Zeitplan für das Gesamtprojekt Sprudelhof ein (siehe weiteren Artikel).

Einzelne Bebauungspläne

Nach den Worten des Bürgermeisters soll jeder Schritt zur Umsetzung des Hölzinger-Modells einzeln vorbereitet werden. Für jedes Bauvorhaben ist ein eigener B-Plan vorgesehen. Zum Hintergrund: Das Parlament hatte in seinem Grundsatzbeschluss für das städtebauliche Gesamtkonzept »Haltelinien« eingezogen, um über alle Einzelprojekte getrennt entscheiden zu können.

Außerdem, so Kreß, sollen Verzögerungen bei Therme-Bau und Anbindung ans Badehaus 2 verhindert werden, denn ein B-Plan für das Gesamtgebiet würde deutlich länger dauern. »Wir wollen den Therme-Zeitplan nicht gefährden.«

Hitziger Wortwechsel

Fahrt nahm die Debatte auf, als Peter Heidt (FDP) von einer »Verwässerung und Veränderung« des Hölzinger-Konzepts und vielen unbeantworteten Fragen sprach. Dem Bürgermeister warf er vor, unterschiedliche Aussagen zum Thema Bürgerentscheid gemacht zu haben. Heidt präsentierte eine Liste mit zwölf kritischen Fragen.

Dafür handelt er sich prompt eine Rüge von Manfred Jordis (Vorsitzender Bauausschuss) ein, denn das FDP-Papier könne nur als schriftliche Anfrage im Parlament eingebracht werden. Der Rathauschef ging nicht näher auf die Fragen ein, nutzte aber die Gelegenheit, Vorwürfe der Liberalen in scharfer Form zurückzuweisen. Ihn als »Wendehals« in Sachen Hölzinger-Modell zu bezeichnen, wie es FDP-Fraktionschef Benjamin Pizarro getan habe (die WZ berichtete), sei »vollkommener Quatsch« und eine »Frechheit«.

Er stehe weiter voll hinter dem Konzept des Architekten Prof. Johannes P. Hölzinger und des Fachbereichsleiters Jürgen Patscha. Gleichwohl halte er bei diesem wichtigen Projekt einen Bürgerentscheid für richtig. Zu beiden Punkten habe es von ihm nie unterschiedliche Aussagen gegeben. Auch Bernd Witzel (UWG) griff die FDP an, lieferte sich ein Wortgefecht mit Heidt.

FDP will Bürgerentscheid vorziehen

Anschließend beruhigten sich die Gemüter. In sachlichem Ton wies Heidt die Behauptung von Kreß zurück, die Freidemokraten seien gegen den Bürgerentscheid zur Wohnbebauung. »Damit haben wir kein Problem.« Wie Manfred Jordis (CDU) zeigte sich auch der Liberale befremdet darüber, dass der Rathauschef seinen Vorschlag zuerst der Presse und nicht der Politik mitgeteilt habe. Kreß räumte diesbezüglich einen Fehler ein.

Der vom Bürgermeister ins Auge gefasste Bürgerentscheid-Termin Anfang 2020 ist laut Heidt zu spät. Bis dahin bliebe nämlich das Parkplatzproblem ungelöst, das ganz entscheidend für die Entwicklung des Sprudelhofs sei. Er schlug vor, den Bürgerentscheid auf 2019 vorzuziehen.

 

Info

Hölzinger-Modell: der Zeitplan

In der ersten Hälfte 2019 soll der Bebauungsplan für den Therme-Neubau samt Anbindung ans Badehaus 2 aufgestellt werden. Für Anfang 2020 ist der Baubeginn vorgesehen, die Eröffnung soll Ende 2021 anstehen. Weiterhin zuversichtlich ist Fachdienstleiter Matthias Mroncz, einen Hotelinvestor zu finden. Die Planung für dieses Gebäude soll Ende 2019 abgeschlossen sein, der Bau parallel zum Thermalbad erfolgen. Für die neue Spielstätte hinterm Badehaus 3 veranschlagt die Stadt eine Bauzeit, die von 2020 bis 2022 dauert. In der zweiten Hälfte des kommenden Jahres soll der Architektenwettbewerb für die Wohnbebauung an der Ludwigstraße und die Tiefgaragen laufen. Die Ergebnisse werden in einer Bürgerversammlung präsentiert, Anfang 2020 soll ein vom Parlament initiierter Bürgerentscheid grünes Licht für dieses Projekt geben. Findet sich eine Mehrheit, würde die Planung Anfang 2021 abgeschlossen. (bk)

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