25. Februar 2017, 12:00 Uhr

Automatensprenger

Fünf Jahre Haft gefordert

Im Prozess gegen einen Butzbacher Automatensprenger hat die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe gefordert. Beim Prozess hat nun auch der Ideengeber der Taten ausgesagt.
25. Februar 2017, 12:00 Uhr
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Von Julian Wessel
Sieben Fahrkartenautomaten (wie diesen in Kirch-Göns) hat der Butzbacher mit Gas gesprengt. Die Ausbeute war bescheiden, der Schaden enorm. (Archivfoto: pob)

Eine Haftstrafe von fünf Jahren fordert die Staatsanwaltschaft für den 40-jährigen Butzbacher, der beim Prozessauftakt gestanden hatte, im vergangenen Sommer insgesamt sieben Fahrkartenautomaten in Langgöns, Butzbach und Rosbach gesprengt zu haben (die WZ berichtete). Die Beute hatte 3473,10 Euro betragen – während ein Sachverständiger der Deutschen Bahn den Sachschaden mit rund 140 000 Euro bezifferte. Nach einem ersten erfolgreichen Versuch hatte der einschlägig Vorbestrafte zwar weitere Automaten zerstört, war aber an keine Geldkassette mehr herangekommen. Der Familienvater war auf Geld für Drogen aus gewesen.

Beim zweiten Prozesstag kamen vor dem Gießener Landgericht Zeugen zu Wort. Ein 23-jähriger Zeitsoldat erzählte, wie er den Butzbacher in Kirch-Göns auf frischer Tat ertappt und in die Flucht geschlagen hatte. Anfang August habe ihn nachts um drei Uhr ein lauter Knall nach draußen gelockt. Auf einem Parkplatz habe er gesehen, wie eine verdächtige Person mit einer Sporttasche in ein Auto einsteigen wollte. Er habe sich dem Fahrzeug in den Weg gestellt, woraufhin der Mann zu Fuß in ein Gestrüpp getürmt sei und seine Tasche fallengelassen habe.

Als »Experten auf dem Gebiet der Automatensprengung« bezeichnete Richter Heiko Söhnel den 36-jährigen Thüringer, auf dessen Konto 31 Automatensprengungen im Bundesgebiet gehen. Der Ex-Fremdenlegionär soll dem Butzbach sein Wissen weitergegeben haben. Kennengelernt hatte er den Angeklagten, als beide bei der gleichen Firma angestellt waren. Offen hatte er ihm von seiner »Erfolgsmethode« berichtet, Automaten mittels Gaskartusche, Schlauch und Lunte in die Luft zu jagen. Er habe auch eine durchschnittliche Beute von 3000 Euro und Details zur Durchführung erwähnt. Keineswegs habe er jedoch gewollt, den Angeklagten zu ähnlichen Raubzügen anzustiften, sagte er vor Gericht.

Warum aber hatte er dann den Angeklagten in einen Baumarkt begleitet, wo dieser sich mit exakt jenen Materialien eindeckte, die bei seiner ersten Sprengung zum Einsatz kamen? »Es muss Ihnen doch klar gewesen sein, dass der Angeklagte mit der Gaskartusche nicht campen fahren wollte«, hielt Richter Söhnel dem Zeugen vor. Er habe den Angeklagten aufgrund seiner Drogensucht schlichtweg für zu labil gehalten, entgegnete der Thüringer: »Ich habe ihm so etwas überhaupt nicht zugetraut. « Außerdem habe er immer wieder auf die Gefahren und Risiken einer Sprengung hingewiesen und grundsätzlich davon abgeraten.

Der psychiatrische Gutachter Dieter Jöckel bescheinigte dem Angeklagten eine dissoziale Persönlichkeitsstörung, die aus der Pubertät herrühre. Glaubhaft sei jedoch der Wunsch des Gerüstbauers nach einer bürgerlichen Existenz, dafür spreche auch seine Entwicklung weg von der organisierten Kriminalität.

Staatsanwalt Alexander Hahn rechnete dem Angeklagten positiv an, dass er mehr Taten gestanden habe, als ihm nachzuweisen seien. Einig war er sich mit Verteidiger Frank Richtberg darüber, dass der Mann einen stationären Entzug machen muss. Richtberg forderte ein Strafmaß von deutlich unter fünf Jahren. Er verwies auf das friedfertige Naturell des Mannes, der den Zeitsoldaten mit seinem Pkw »nicht umgenietet« hätte: »Er geht nicht über Leichen.« Das Urteil wird für Freitag erwartet.



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