24. August 2019, 18:00 Uhr

Sicherheit im Fokus

Für Großveranstaltungen gibt es immer mehr Auflagen

Der gescheiterte Plan, im Usa-Wellenbad ein Techno-Festival steigen zu lassen, zeigt es: Die Genehmigung von Großveranstaltungen wird immer komplizierter. Sicherheitsvorschriften wurden verschärft.
24. August 2019, 18:00 Uhr
Offen ist die Trinkkuranlage nur in Richtung Rosengarten. Ob dieser Fluchtweg ausreichend für Großveranstaltungen ist, muss von Fall zu Fall entschieden werden. (Archivfoto Nici Merz)

Konzertveranstalter Christian Minke, der das Techno-Festival im Schwimmbad organisieren wollte, ist ein Profi. Er müsste wissen, wie es um Sicherheitsvorschriften bestellt ist. »Probleme haben wir nur mit Profis«, sagte Erster Stadtrat Peter Krank, als am Dienstagabend im Kulturausschuss über ein Sicherheitskonzept für Veranstaltungen diskutiert wurde.

Am Beispiel »Atlantis« schilderte der Dezernent, wie in solchen Fällen vorgegangen wird. Immer öfter meldeten sich Leute mit einer guten Idee im Rathaus. Das klinge meist nett, stoße im Grundsatz auf Zustimmung. »Diese Veranstalter gehen dann sofort in die Offensive, werben mit Plakaten und auf Facebook, verkaufen Tickets«, sagte Krank. Dabei sei ihnen vollauf bewusst, dass eine Genehmigung letztlich nur mit einem ausgefeilten Sicherheitskonzept möglich sei.

Usa-Bad für Konzerte ungeeignet

Im Fall des Techno-Festivals habe der Geschäftsführer des Usa-Wellenbads zwar einen Vertrag mit Minke geschlossen. Wie in einer Klausel aber klar geregelt sei, könne das Konzert nur über die Bühne gehen, wenn der Veranstalter eine Genehmigung des Kreisbauamts erhalte. Diese Behörde habe nach Rücksprache mit der Stadt aber nicht Ja gesagt, weil weder Sicherheits- noch Lärmschutzfragen geklärt gewesen seien. So hätten Fluchtwege vom Festival-Gelände in Richtung Schwimmbecken geführt. »Bürgermeister Kreß konnte als Baudezernent nur eine negative Stellungnahme abgeben«, betonte der Erste Stadtrat. Seiner Ansicht nach ist das Usa-Wellenbad prinzipiell nicht für Konzerte geeignet. »Sparkling Vibes« habe einen völlig anderen Charakter. Bei diesem Event für junge Leute stehe das Schwimmen im Vordergrund, nebenbei gebe es Livemusik.

Hätte das Festival mit Kompromissbereitschaft und gutem Willen vonseiten der Stadt nicht doch veranstaltet werden können? Diese Frage war aus Diskussionsbeiträgen von Christian Trutwig (CDU) und Tillmann Weber (FDP) herauszuhören. »Die Absage ist schade für den Veranstalter, die Stadt und das potenzielle Publikum, für das in Bad Nauheim nichts stattfindet«, sagte Weber. Nach Ansicht des Freidemokraten hätte die Verwaltung dem Veranstalter rechtzeitig und eindeutig klar machen müssen, welche Vorgaben zu erfüllen seien. Es habe wohl auch keinen Versuch gegeben, das Sicherheitskonzept nachzubessern. Trutwigs Fazit: »Das Ergebnis ist traurig für Bad Nauheim als Veranstaltungsort.«

Bis zu 13 Behörden beteiligt

Für Großveranstaltungen in der Trinkkuranlage hat Krank von einer Firma ein Sicherheitskonzept erarbeiten lassen, das jetzt in Grundzügen vorliegt (siehe weiteren Artikel). Fachbereichsleiter Jochen Mörler skizzierte das Papier allerdings nur ansatzweise. Danach geht es bei der Planung immer darum, das Gefährdungspotenzial zu ermitteln. Auf dieser Grundlage könne dann entschieden werden, ob und unter welchen Bedingungen eine Genehmigung denkbar sei. Im Extremfall muss ein Veranstalter mit 13 verschiedenen Behörden kooperieren.

Seit dem verheerenden Loveparade-Unglück in Duisburg 2010, bei dem 21 Todesopfer zu beklagen waren, gelten neue Regeln. »Heute gibt es deutlich mehr Auflagen als in der Vergangenheit. Das ist leider so«, unterstrich der Erste Stadtrat. Veranstalter in der Stadt machten sich unter diesen Voraussetzungen Gedanken über die Finanzierung. Angesprochen wurde auch das Marktplatzfest. Krank zufolge hatten die Wirte vor ein, zwei Jahren noch mal einen Anlauf unternommen. »Sie wollten das Gelände einzäunen, um Eintritt nehmen zu können. Bei einer Einfriedung stehen aber wieder Sicherheit und Fluchtwege im Fokus.« Kosten kämen auf Veranstalter zu, die oft nicht tragbar seien - ein Teufelskreis.

Große Events wie Kerb und Weinfest könnten weiter angeboten werden, weil die Veranstaltungsorte nach vielen Seite offen stünden. Krank: »Die CDU muss beim Weinfest trotzdem einen riesigen Sicherheitsaufwand betreiben.« Bei der Kerb stelle sich die Frage der Terrorgefahr und eines Angriffs mit einem Fahrzeug. Bislang halte es die Polizei nicht für notwendig, die Haupt- oder Mittelstraße mit Betonklötzen zu sperren.

Firma hat Konzept entwickelt

Ab 2020 wird der Sprudelhof vermutlich für mindestens zwei Jahre zur Baustelle. Unter anderem soll eine neue Quelle gebohrt werden. Für Großveranstaltungen wie Weinfest, Christkindlmarkt oder Jugendstilfestival muss ein Ausweichort gefunden werden. »Viele Leute wollen unbedingt in die Trinkkuranlage«, sagte Erster Stadtrat Peter Krank im Kulturausschuss.

Im Gegensatz zum Sprudelhof ist dieses Jugendstilensemble aber weitgehend geschlossen, offen ist das Gelände nur in Richtung Rosengarten. »Es stellt sich die Frage, was wir dort zulassen können und dürfen«, erklärte der Dezernent. Deshalb hat er eine auf Sicherheitsfragen spezialisierte Firma beauftragt, ein Veranstaltungskonzept für die Trinkkuranlage zu erstellen. In Grundzügen liegt das Papier jetzt vor. Welche Schlüsse Krank daraus bezüglich der einzelnen Veranstaltungen zieht, wollte er nach der Ausschuss-Sitzung nicht verraten. Dafür sei es zu früh, zumal weiter unklar sei, ob die Bau- und Bohrarbeiten im Sprudelhof 2020 tatsächlich starten.

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