27. September 2019, 20:11 Uhr

Vodafone stellt Mast auf

Funkloch in Langenhain-Ziegenberg verschwindet

Der Funkmast steht seit wenigen Tagen schon. Nicht wie ursprünglich von Vodafone geplant auf Gemeindegrund, sondern auf einem privaten Grundstück auf der mit Birken und Ruhebänken versehenen Anhöhe überm Dorf.
27. September 2019, 20:11 Uhr
Wer in Langenhain-Ziegenberg mit dem Handy telefonieren will, hat oft schlechte Karten. Nun steht ein Mobilfunkmast auf einer Anhöhe auf einem Privatgrundstück. Ein Vertrag mit der Gemeinde war nicht zustandegekommen.

Manchmal gewinnt die Zeit. So auch bei der Frage, ob eine Kommune auf die Standortwahl von Mobilfunkanbietern für ihre Sendemasten Einfluss nehmen kann. Im Parlament war sie durch einen Antrag der Grünen im späten Frühjahr aufgeploppt, wurde nicht als dringlich eingestuft und vertagt, nach den Sommerferien in den Ausschuss verschoben und nun auf die Tagesordnung genommen. Zu spät.

Aktuelles Beispiel ist eine Sendeanlage für Langenhain-Ziegenberg, wo der Großteil des Dorfes im Funkloch liegend vor mobilem Telefonieren abgeschirmt ist. Einstimmig votierten die Abgeordneten am Donnerstag im Langenhain-Ziegenberger Dorfgemeinschaftshaus (DGH) nach lebhaftem Meinungsaustausch dafür, dass sich die Gemeinde in die Standortwahl einbringen möge - zum Schutz von Mensch und Tier vor Strahlenbelastung und zur Bewahrung des Ortsbildes ebenso wie aus Gründen der guten Versorgung mit Mobilfunk.

Nur: Der Funkmast steht seit wenigen Tagen schon. Nicht wie ursprünglich von Vodafone geplant auf Gemeindegrund, sondern auf einem privaten Grundstück auf der mit Birken und Ruhebänken versehenen Anhöhe überm Dorf. Gegen den zuvor ausgewählten Standort hatte sich der örtliche Arbeitskreis Naturschutz gewehrt, der hier auf einem von der Kommune gepachteten Grundstück über viele Jahre ein Vogelschutzgehölz eingerichtet hatte. Zur Vertragsunterzeichnung mit der Gemeinde kam es nicht.

Die Abgeordneten sahen sich vor ihrem einstimmigen Beschluss pro kommunaler Standorteinmischung nun also vor vollendete Tatsachen gestellt, warfen die Flinte aber nicht ins Korn. Man werde weiter nach alternativen Standorten Ausschau halten, zum Beispiel auf der dem Dorf gegenüber liegenden Seite des Usatales am Wintersteinhang, schlug Klaus Spieler von den Grünen vor.

Den Verfahrensablauf hatte Mario Hosenseidl (CDU) in einer Kurzsatire skizziert. »In Langenhain-Ziegenberg kochen gerade die Gemüter hoch, analog wie digital«, beschrieb er den »munteren Streit« zwischen Befürwortern und Gegnern, die im halben Dutzend auch im Saal saßen und sich betroffen zeigten.

Angesichts der »Funkstille« für mindestens alle, die unterhalb des DGH wohnten, sei die Forderung nach dem Bau einer Sendeanlage nur zu verständlich, sagte Hosenseidl. Aber: »Warum muss es ausgerechnet der einzige Aussichtspunkt sein?« Da werde sich niemand mehr hinsetzen. »Wir hoffen auf eine verträglichere Lösung«, schloss der Christdemokrat. Spieler unterstrich, dass die Grünen nicht gegen einen Funkmast seien, aber für einen ausbalancierten Standort. Dem könnten sie zustimmen, schloss sich FWG-Chef Jürgen Schneider an. Ob der Mast an den »Drei Birken« seinen endgültigen Standort gefunden hat oder lediglich einen Testposten, wurde nicht klar.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Um die Reihenfolge der Ereignisse drehte sich schließlich ein wesentlicher Teil der Debatte. Die Ansichten gingen auseinander, gegenseitige Schuldzuweisungen blieben nicht aus. Joachim Reimertshofer (SPD) hätte sich einen früheren Hinweis der Grünen auf die laut Gesetz mögliche Einflussnahme durch die Gemeinde gewünscht. Sie hätten ihren Antrag nicht früher stellen können, konterte Spieler, man habe erst kurzfristig von den Vodafone-Plänen erfahren. Das hatten sie offenbar mit Bürgermeisterin Kristina Paulenz gemein. Sie könne erst jetzt nach dem Beschluss tätig werden, insistierte die Bürgermeisterin. Vom ursprünglichen Vertragsentwurf, den Vodafone an einen ehemaligen Mitarbeiter im Rathaus geschickt habe, habe sie erst viel später erfahren.

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