18. Januar 2018, 17:00 Uhr

Im Kurpark

Gänsepopulation: Geburtenkontrolle mit Gips-Eiern

Gänse bleiben in Bad Nauheim auch nach Weihnachten ein Thema, weil ihre Zahl im Kurpark langsam überhand nimmt. Das Erna-Ente-Team versucht das Wachstum deshalb trickreich zu stoppen.
18. Januar 2018, 17:00 Uhr
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Von Bernd Klühs
Nilgänse (Bild) sind nicht das Problem, eher Grau- und Kanadagänse. Sie werden jetzt mit Gips-Eiern ausgetrickst. (Foto: Nici Merz)

Mit der Unterscheidung von Vogelarten ist das so eine Sache – die WZ-Redakteure wissen ein Lied davon zu singen. Ähnlich ging es der Bad Nauheimer CDU. Sie hatte in ihrem Antrag ursprünglich vor einer zu großen Menge an Nilgänsen gewarnt, tatsächlich gibt es gerade mal drei Brutpaare. Andere Gänsearten spielen an den Teichs die Hauptrolle.

Gleichwohl hielt die Union an ihrem Ziel fest, die Zahl der Gänse (»ohne Nil«) zu verringern. Deshalb musste sich der Bauausschuss am Dienstagabend mit dem Thema befassen und ließ dabei als Expertin Laura Esser vom Naturschutzverein Erna-Ente-Team zur Wort kommen. Sie verblüffte die Politiker mit der Schilderung, wie die Ehrenamtlichen gegen diese Vögel vorgehen.

Illegale Fütterung lockt Vögel an

Zunächst sprach Esser allerdings das Thema Fütterung an, das eine zentrale Rolle spiele. Der Verein kümmere sich nur um die Wasservögel, die sich nicht selbst versorgen könnten. Die illegale Fütterung durch Kurpark-Besucher locke aber immer mehr wildlebende Vögel an. Von ihnen stamme auch der viele Kot auf den Wegen. »Die Zusammenarbeit mit dem Kur- und Servicebetrieb läuft gut. Wir haben vereinbart, neue Schilder aufzustellen, um auf das Fütterungsverbot hinzuweisen«, sagte Esser.

Da es sich beim Park um einen befriedeten Bezirk handele, komme eine Gänsejagd nicht in Frage. Deshalb habe sich das Erna-Ente-Team für eine friedlichere Methode entschieden. »Die Eier wurden durch Gips-Imitate ersetzt, was die Zahl des Graugänse-Nachwuchses bereits verringert hat«, erläuterte Esser. Kanadagänse haben sich der trickreichen Geburtenkontrolle dagegen erfolgreich widersetzt. Wie die Sprecherin des Erna-Ente-Teams sagte, hätten diese Gänse später als erwartet gebrütet. Darauf werde sich der Verein einstellen.

Kleiner Teich eine Kloake?

Wie in der Debatte deutlich wurde, macht sich die CDU nicht zuletzt Gedanken über die Wasserqualität des kleinen Teichs. »Das ist eine Kloake, die kurz vor dem Kippen steht«, meinte Ausschussmitglied Albert Möbs. Nach Angaben von Steffen Schneider, Leiter des Kur- und Servicebetriebs (KuS), kann davon keine Rede sein.

Wie zwei Gutachten ergeben hätten, seien die Sauerstoffwerte des Teichs gut. Schwieirgkeiten gebe es nur in heißen Sommern. Das durch Ausscheidungen von Wasservögeln und andere Nährstoffzufuhr sowie die starke Sonneneinstrahlung verursachte Algenwachstum erweise sich dann als Problem. »Bleibt die Sonne mal länger weg, sterben die Algen ab und sorgen für die grünliche Färbung des Wassers und den unangenehmen Geruch.«

Mehr Frischwasser aus der Usa

Der KuS habe einiges unternommen, um ein Umkippen des Teichs zu verhindern. Die Bewässerungsmodule zeigten positive Wirkung, der Zufluss von der Usa in den Teich sei augebaggert worden, um für mehr Frischwasser zu sorgen. »Dabei müssen wir allerdings darauf achten, dass im Fluss ein bestimmter Pegelstand nicht unterschritten wird.« Außerdem seien die Pflanzen am Ufer beschnitten worden, damit nicht zu viele Blätter in den Teich fallen. Hautproblem bleibt laut Schneider die illegale Fütterung und die Zahl der Wasservögel. Auch die Fischpopulation müsse von Anglern in Grenzen gehalten werden.

Mit den Äußerungen von Esser und Schneider gaben sich die Christdemokraten zufrieden und erklärten ihren Antrag für erledigt. Auf den Wunsch von Bernd Witzel und Albert Möbs, wieder weiße Schwäne auf dem großen Teich anzusiedeln, wurde nicht näher eingegangen.



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