19. November 2019, 21:16 Uhr

Gefühle als Wegweiser im Alltag

19. November 2019, 21:16 Uhr
Beschließen einen informativen Abendvortrag zum Thema Demenz im Rahmen der Vortragsreihe der Florstädter Sozialverbände (v. l.): Marlon Albert, Christina Keller, Ellen Otto, Walter Knies, Peter Fuhr, Michael Hinkel, Heinz Reichhold und Charlotte Tefarikis. Foto: Lutz

Dem Thema »Demenzielle Erkrankungen« haben sich die Florstädter Sozialverbände beim dritten Info-Abend ihrer Vortragsreihe angenommen. Ellen Otto vom VdK Stammheim begrüßte die Besucher und die Fachleute, die nach dem Genuss des Kurzspielfilms »Ach Luise« Rede und Antwort standen: Charlotte Tefarikis, Demenzbeauftragte des Capio-Mathilden-Hospitals in Büdingen, Christina Keller, Vorsitzende des Arbeitskreises Demenz Wetterau, und Marlon Keller vom Pflegestützpunkt Wetteraukreis West.

Nebel des Vergessens

Der halbstündige Film »Ach Luise« könnte auch den Untertitel »Demenz - Nebel des Vergessens« tragen. »Er besticht durch große Authentizität und Einfühlsamkeit gleichzeitig«, wie Ellen Otto ausführte, »und zeigt uns die Problematik der Demenz und der Pflege demenzkranker Menschen«.

»Ach Luise«, dachte sich der Betrachter, wenn die Hauptdarstellerin aus ihrer inneren Verwirrung die falsche Haustür aufschließen will oder fast eine Böschung herunterfällt, wenn sie bereits bezahlte Einkäufe stehen lässt oder die Pfanne auf dem Herd vergisst. Im Verlauf des Films wird klar, dass Luise nur krank und nicht verrückt ist. Obwohl ihr Mann kaum noch Schlaf findet, will - und muss - er sich 24 Stunden am Tag um Luise kümmern. Die Resignation steigt, auch weil keine helfenden Kinder in der Nähe leben. In einem Sanatorium mit verständnisvollem Personal lebt Luise schließlich auf, auch weil sie einen alten Schulfreund wiedererkennt. Sie lebt fortan das Leben eines Kindes und erkennt ihren Mann nicht mehr: Für sie ist er ab sofort ihr Vater.

»Die Betroffenheit steht Ihnen ins Gesicht geschrieben. Das ist jedes Mal der Fall«, übernahm Christina Keller nach dem Film die Diskussion. Sie sprach von 1,7 Millionen Menschen mit Demenzerkrankungen in Deutschland und 43 Millionen weltweit. »Die demografische Entwicklung sorgt dafür, dass wir mehr Neuerkrankungen als Todesfälle haben, was Demenz zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem werden lässt.« Menschen mit den einhergehenden Einschränkungen sollten aber trotzdem möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung verbleiben, weiß Charlotte Tefarikis aus Erfahrung. Für die Erkrankten sei das erste Stadium eine qualvolle Zeit, wenn sie merkten, wie ihnen die Kontrolle verloren gehe. Es gebe zwar kein Patentrezept, aber man sollte die Betroffenen nicht mit ihren Fehlern konfrontieren oder ständig verbessern.

Die Fachfrauen merkten an, dass es 150 Ursachen für diese Gehirnschädigung gebe und der mittlere Verlauf drei bis vier Jahre dauere. Für den Demenzerkrankten seien Stimmungen der Wegweiser im Alltag, denn die Sensibilität für Gefühle bleibe erhalten. Man müsse sich als Familie von vielem verabschieden, aber man solle froh sein über das, was bleibe: der gemeinsame emotionale Umgang.

Ratsam im Zusammenleben mit Demenzerkrankten, was nicht nur Alzheimer-Patienten meine, sei, alles Aggressive fernzuhalten, Verständnis für die Situation aufzubringen - und sich Hintergrundwissen einzueignen.

Hilfe für Betroffene und Angehörige gibt es in den Pflegestützpunkten in Büdingen, Tel. 0 60 42/8 84 18 02, und Friedberg, Tel. 0 60 31/83 34 11; pflegestuetzpunkt@wetteraukreis.de

Zum Abschluss der Vortragsreihe am Donnerstag, 21. November, 19 Uhr, kleiner Saal des Bürgerhauses Nieder-Florstadt, spricht Stefan Fuchs, Vorsitzender des Fördervereins Hospiz Wetterau, über stationäre Hospizarbeit.

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