14. Mai 2019, 20:36 Uhr

Gelebte Nächstenliebe

14. Mai 2019, 20:36 Uhr
Livia Warch trägt ein Loblied auf Pflegekräfte vor.

Die Diakonie Hessen und die beiden hessischen Landeskirchen machten am Internationalen Tag der Pflege auf den wichtigen Beitrag aufmerksam, den Pflegende für die Gesellschaft leisten. Die Pflege alter und kranker Menschen sei gelebte Nächstenliebe. »Tag für Tag leisten Pflegerinnen und Pfleger unglaublich wertvolle Arbeit«, sagte die stellvertretende Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Ulrike Scherf, am Sonntag bei einem Gottesdienst in der Bad Nauheimer Dankeskirche.

»Wir treten dafür ein, dass den Pflegenden die Anerkennung zuteil wird, die sie verdient haben«, sagte Pfarrerin Schlerf. Menschenwürdige Pflege brauche gesetzliche Rahmenbedingungen, zum Beispiel eine angemessene Entlohnung der Pflegekräfte. Ziel müsse es sein, von einer »Gesellschaft in Sorge zu einer sorgenden Gesellschaft« zu werden. Die Mehrzahl der Pflegebedürftigen werde von Familienangehörigen zu Hause gepflegt. Die Gesetzgebung habe dafür die Bedingungen verbessert, etwa durch das Pflegezeitgesetz, das es ermögliche, einfacher berufliche Auszeiten nehmen zu können. »Pflegebedürftige Menschen sollten mit Würde und Achtung behandelt werden«, so Scherf. Dafür brauche es Zeit und Zuwendung.

In der Pflege seien zunehmend interkulturelle Kompetenzen gefordert. In ihrer Predigt über das Buch Ruth aus dem Alten Testament ging die Theologin auf die Bedeutung von kulturellen Unterschieden ein. Die Frauen Ruth und Noomi seien Beispiele für gelebte Solidarität auf der einen Seite und auch für das Aushalten von religiösen und kulturellen Unterschieden auf der anderen Seite. Scherf: »In der häuslichen Pflege leisten Pflegekräfte aus Osteuropa mittlerweile einen unverzichtbaren Beitrag zur häuslichen Pflege.« Allerdings gelte es gerade in diesem Bereich für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen.

Die Diakonie leiste mit ihren Einrichtungen einen wichtigen Beitrag zur pflegerischen Versorgung, sagte Dr. Harald Clausen vom Vorstand der Diakonie Hessen. Zur Diakonie Hessen gehören 28 Krankenhäuser, 274 Einrichtungen der Altenhilfe und 118 Diakoniestationen. »Wir setzen uns als Verband für gute Rahmenbedingungen in der Pflege ein«, sagte Clausen. Mit der Kampagne »Pflege tut Gut(es)« wolle die Diakonie die Leistungen in der Pflege anerkennen und das Positive am Pflegeberuf herausstellen.

Eine besondere Würdigung der Pflegearbeit in Form eines Gedichts trug die Poetry Slammerin und ausgebildete Krankenschwester Livia Warch vor. »Ihr seid immer da, auch wenn man euch zu selten Loblieder singt.« Ihr Text adressierte Pflegekräfte direkt (»Ihr oft unterschätzten Experten fürs Leben«) und stellte deren Zuverlässigkeit heraus. Zur besonderen Atmosphäre des Gottesdienstes trug auch die Band Habakuk bei, die mit ihrer Musik das Thema des Gottesdienstes musikalisch umsetzte.

Landrat Jan Weckler sprach in seinem Grußwort den Mangel an Fachkräften in der Pflege an. »Wertschätzung sollte sich auch in angemessener Bezahlung ausdrücken,« betonte er. Pflege sei immer auch physisch und psychisch belastend. Um menschenwürdige Bedingungen in der Pflege zu schaffen, brauche es Unterstützung für Pflegende ebenso wie für Menschen, die auf Pflege angewiesen sind. (Foto: pm)

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