23. Februar 2018, 18:23 Uhr

Gleiche Chance für alle

23. Februar 2018, 18:23 Uhr
Einigkeit beim Thema Kindergärten, Unterschiede beim Thema Ganztagsschule – die Kandidaten zur Landratswahl diskutieren über soziale Gerechtigkeit (v. l.): Daniel Libertus (FDP), Thomas Zebunke (Grüne), Stephanie Becker-Bösch (SPD) und Jan Weckler (CDU). (Foto: pv)

Den Welttag der sozialen Gerechtigkeit hat das Wetterauer Bündnis für soziale Gerechtigkeit zum Anlass für eine Podiumsdiskussion zur Landratswahl genommen. »Wie kann eine Landrätin oder ein Landrat in der Wetterau für soziale Gerechtigkeit sorgen?«, war die zentrale Frage. Über 180 Besucher nutzten am Dienstag die Gelegenheit, sich im Bürgerhaus Florstadt ein Bild der vier Kandidaten zu machen. Zwei Stunden stellten diese sich den Fragen von Dr. Felix Blaser von der Diakonie Hessen.

Blaser begann die Diskussion mit einer provokanten Frage: »Wie kann man lernen, wenn man Hunger hat? Kann ein Landrat für kostenloses Schulessen sorgen?« Das hessische Schulgesetz schreibe vor, dass das Mittagessen an Schulen etwas kosten müsse, erklärte CDU-Kandidat Jan Weckler. Das könne der Wetteraukreis nicht anders handhaben. SPD-Kandidatin Stephanie Becker-Bösch ergänzte: Für bedürftige Familien gebe es jetzt schon Unterstützung, wenn sie sich das Essen für ihre Kinder nicht leisten könnten. Sie sprach sich für die gebundene Ganztagsschule für alle aus, denn diese Schulform könne soziale Benachteiligung verhindern. »Wenn arme und reiche Kinder mittags gemeinsam mit ihren Lehrern essen, wirkt sich das positiv auf das gesamte Schulklima aus«, sagte Becker-Bösch.

Geld für Bildung – und fürs Essen

Mit dieser Forderung unterschied sie sich von ihren drei Mitbewerbern. Ganztagsschule ja – aber mit Wahlmöglichkeit für die Eltern, hielt Weckler dagegen. Der Wetteraukreis investiere derzeit viel Geld in eine gute schulische Infrastruktur, sagte der Schuldezernent. Nicht nur auf die Kosten, sondern auch auf die Qualität des Schulessens müsse Wert gelegt werden, meinte Daniel Libertus von der FDP. Es lohne sich, in Bildung und Schule zu investieren, denn dies sei der Schlüssel zu einer guten Zukunft, argumentierte der Liberale. Dieser Forderung schloss sich der Grüne Thomas Zebunke an und wünschte sich mehr ökologisch erzeugte Lebensmittel in den Schulkantinen sowie die Einführung des Unterrichtsfachs Ernährung.

Viele Kitas überlastet

Einig war sich die Runde in der Feststellung, dass die Kindergärten in vielen Kommunen überlastet seien. »Durch den hohen Zuzug platzen die Kitas aus allen Nähten«, sagte Weckler. Einhellig auch die Klage über zu wenig Erzieherinnen. Da helfe nur eine angemessene Bezahlung, meinte Libertus, sonst drohe die Abwanderung des Personals. Sozialdezernentin Becker-Bösch wies darauf hin, dass der Wetteraukreis die Kommunen mit dem Netzwerk »Frühe Hilfen« unterstütze, das neben Betreuungsplätzen auch Elternberatungen und Kurse anbiete.

Bei der Frage, wie die Entwicklung des Ostkreises zu bewerten sei, traten deutliche Unterschiede zwischen den Kandidaten zutage. Während Zebunke einen finanziellen Ausgleich für die östlichen Gebiete forderte, verwies Weckler auf eine gute Entwicklung im Ostkreis. Dort sei die Zahl der Beschäftigten zuletzt überdurchschnittlich gestiegen. Auch werde Wohnraum auf dem Land für junge Familien wieder attraktiver.

Zebunke und Libertus argumentierten, Digitalisierung sei eine Chance, Arbeitsplätze wieder in ländlichen Gegenden anzusiedeln. Voraussetzung dafür sei allerdings der Ausbau des schnellen Internets, betonte Libertus. Auf den Vorwurf aus dem Publikum, im Ostkreis gebe es zu wenig öffentliche Dienststellen des Kreises, stellte Becker-Bösch eine mobile Verwaltung in Aussicht: »Ich möchte ›Wetterau-mobil‹ auf den Weg bringen.«

Wie es gelingen könnte, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, sei eine der dringenden Fragen, die in der Wetterau anstünden, meinte Zebunke. Ein Zweckverband zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum hielten alle vier Kandidaten für eine gute Sache.

Alle vier Kandidaten überzeugten mit Kompetenz und guten Konzepten. Weckler und Becker-Bösch spielten ihre kommunalpolitische Erfahrung aus, während Zebunke sein Engagement für den Ostkreis hervorhob. Dass es kein Nachteil sein muss, kein Polit-Profi zu sein, nutzte Libertus für sich.

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