30. Juli 2019, 20:17 Uhr

Großartige Vorstellung

30. Juli 2019, 20:17 Uhr
Hier verschmelzen musikalische Zeithorizonte: Das Ensemble »Il Giratempo« widmet sich Barbara Strozzi und dem Jazz aus dem 17. Jahrhundert. (Foto: gk)

Ihre »Schutzheilige« ist Barbara Strozzi, die 1619 in Venedig geborene und 1677 in Padua verstorbene Sopranistin und Komponistin des Barocks. Im Lauf von 20 Jahren veröffentlichte sie acht Sammlungen mit über 125 Arien, Kantaten und vor allem Madrigalen, deren Hauptthema die unglückliche Liebe ist.

Die Rede ist vom 2017 gegründeten Ensemble »Il Giratempo«, das am Sonntagabend im Chor der Stadtkirche ein mitreißendes Konzert unter dem Titel »Prayin’ for Barbara - 17th Century Jazz« gab und erst nach langem Beifall und einer Zugabe die Bühne verlassen durfte.

Dass die jahrhundertelang in Vergessenheit geratene Barbara in den letzten Jahren wie Phönix aus der Asche wiedererstand, ist auch dem Ensemble »Il Giratempo« (David Budai - Viola da Gamba; Vanessa Heinisch - Theorbe und Manuel Dahme am Cembalo) sowie der Sopranistin Laila Salome Fischer und dem Jazzsaxophonisten Magnus Mehl zu danken.

»17th Century Jazz«? In der Tat: Die fünf Musiker haben sich nicht nur der Pflege des musikalischen Erbes verschrieben, sondern wollen »ihre musikalischen Welten zu einem zeitübergreifenden Klangspektakel verschmelzen«. Dies ist ihnen überzeugend gelungen. Bei der Interpretation von Strozzis ergreifendem Marienlied »O Maria« sowie ihren Liebesmadrigalen »Lagrime mie« (Meine Tränen) und »E pazzo il mio cuore« (Mein Herz ist wahnsinnig vor Schmerz) entfaltete die Sopranistin Laila Salome Fischer den ganzen Reichtum ihrer glockenklaren, ungeheuer wandlungsfähigen Stimme. Den lautmalerischen Reichtum von Barbaras Kleinodien ließ die undinenhaft Gewandete glänzend Gestalt werden.

Glockenklare Stimme

Der Hörer fragt sich bei all dem verwundert: Wie konnte die Tochter aus gutem Hause (ihr Vater bot ihr immerhin ein privates Forum zur Präsentation ihrer Lieder) mit diesen Schätzen so lange in Vergessenheit geraten? Magnus Mehl lotete die mechanischen Grenzen seiner beiden Saxofone in virtuosen halsbrecherischen Läufen bis hin zu freejazzigen Improvisationen voll aus - akustisch wie auch optisch spektakulär.

Ja, es funktioniert tatsächlich: Hier verschmelzen musikalische Zeithorizonte - 350 Jahre voneinander entfernt. Dies nicht im zeitenthobenen Niemandsland enden zu lassen, ist Hauptaufgabe von Cembalo (Manuel Dahme glänzt mit einer Improvisation über eine Ciaccona Bernardo Storaces), der imposanten Theorbe und der sechssaitigen Viola da Gamba mit ihrem weichen, sonoren Klang.

Mit zwei hoch anspruchsvollen Titeln von Claudio Monteverdi (darunter eine Arie aus seiner Oper »Die Rückkehr des Odysseus in sein Vaterland«) und einem ergreifenden Wiegenlied Tarquinio Merulas komplettierte »Il Giratempo« seine großartige Vorstellung im Rahmen der Friedberger Sommerkonzerte.

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