30. August 2019, 17:05 Uhr

Mysteriös

Hasendrama: Wohin ist »Löffel« verschwunden?

In zwei Bingenheimer Familien gab es kürzlich Tränen: Die Kaninchen der Kinder wurden offenbar aus ihren Ställen gestohlen. Schon wieder. Erst im Frühjahr sind in dem Echzeller Ortsteil Tiere verschwunden. Besonders bitter ist die Geschichte von Hasenpapa »Löffel«.
30. August 2019, 17:05 Uhr
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Von Eva Diehl
Zwergkaninchen »Löffel« wird in Bingenheim schmerzlich vermisst. (Archivfoto: edg)

Es bleibt mysteriös: In Bingenheim sind in den vergangenen Wochen erneut Kaninchen über Nacht aus ihren Ställen verschwunden. Mindestens zwei Familien sind betroffen, die die Tiere im Garten ihrer Wohnhäuser in Außengehegen hielten. Alles deutet auf Diebe hin und nicht auf tierische Räuber wie Fuchs und Co. Eine Familie hat Anzeige bei der Polizei erstattet. Nach den Vorfällen im Frühjahr wird die Liste von in Bingenheim vermissten Kaninchen damit länger.

»Mein Sohn hat bittere Tränen geweint«, sagt Tim Neumann, dem zwei Kaninchen aus dem Stall in seinem Garten Am Welschbach gestohlen wurden. Die Tiere sind vor gut zwei Wochen verschwunden zwischen Freitagabend und Sonntagmorgen. Vor gut einer Woche in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ist dann ein weiteres Zwergkaninchen in Bingenheim entwendet worden - und zwar aus dem Garten von Heike Müller, die mit ihrer Familie in Sichtweite der Neumanns am Ortsrand wohnt. Das Dramatische: Hier haben die Täter schon zum zweiten Mal zugeschlagen und eine ganze Hasenfamilie zerrissen.

Kaum Hoffnung auf Aufklärung

Erst Ende April waren aus dem großzügigen Stall im Müllers Garten fünf Zwergkaninchen über Nacht gestohlen worden: Drei Jungen, deren Mutter und ein weiteres Tier (WZ berichtete). Allein und verschreckt saß Hasenpapa »Löffel« allein im Stall. Schon damals waren Müllers Pflegetöchter Vicky (11) und Jasmin (7) am Boden zerstört. Ihre Mutter Heike ging zur Polizei und erstattete Anzeige gegen Unbekannt. Zwei weitere Bingenheimer Familien vermissten im Frühjahr offenbar ebenfalls Hasen.

»Löffel«, das Kaninchen mit dem struppigen braunen Fell, bekam von da an besonders viel Zuneigung von den Kindern und einen neuen, etwas kleineren Stall. »Wir hatten ihn extra so platziert, dass man ihn von außen nicht sehen kann«, sagt Müller. Niemals habe sie »Löffel« allein im Garten hoppeln lassen; nur wenn die Kinder dabei waren. Doch seit vergangener Woche ist auch »Löffel« nicht mehr da. »Meine Tochter hat der leeren Stall gefunden. Sie war total aufgelöst«, sagt Müller. Der Riegel, der den Stall sichert, sei zurückgeschoben und die Tür offen gewesen. Sie ist sich sicher: Jemand ist gezielt in den Garten gekommen, um das Kaninchen zu holen. Eine Vermutung, wer das getan haben könnte, habe sie aber nicht. Im Garten oder in der Umgebung sei das Tier nicht zu finden und werde auch nicht im Internet zum Verkauf angeboten.

Auffällig ist, dass offenbar nur in Bingenheim Tiere verschwinden. Neumann hegt ebenfalls keinen konkreten Verdacht, sagt aber: »Wenn rauskommt, dass das jemand aus dem Dorf getan hat, wird er seines Lebens hier auf jeden Fall nicht mehr froh«, sagt Neumann. Das seelische Leid der Kinder in Kauf zu nehmen, finde er perfide. Zu ermitteln, wer der Täter ist, überlasse er aber der Polizei. Allerdings habe er wenig Hoffnung auf Erfolg. Nichtsdestotrotz sagt er: »Ich habe Anzeige erstattet, um meinen Kindern zu zeigen, dass man etwas dagegen tun muss.«

Die beiden Zwergkaninchen seiner Kinder, weiß und schwarz-weiß, sind ebenfalls aus dem verschlossenen Stall verschwunden. Das große Außengehege hatte die Familie extra neu angeschafft. Übers Tatwochenende waren die Neumanns nicht zu Hause, und eine Nachbarin schaute nach den Tieren. Die versteckten sich gern in einer Höhle unter einer Steinplatte, wo sie die Nachbarin beim Füttern auch vermutet hatte. Doch am Sonntagmorgen war die Platte zur Seite geschoben und die Tiere weg. Kampfspuren wie Haare, Federn oder Blut gab es laut Neumann nicht. Der Stall sei dagegen wieder verschlossen worden.

Das Drama um die verschwundenen Hasen hat in beiden Bingenheimer Familien Spuren hinterlassen. Die Neumanns haben bereits ihren Stall verkauft, der sie mit seiner gähnenden Leere nur immer wieder an den Verlust erinnert. »Wir schaffen uns keine Hasen mehr an«, sagt Neumann. »In der Wohnung wollen wir sie nicht halten, und in den Garten können wir keinen Hochsicherheitstrakt bauen.« Müllers Töchter bekommen dagegen neue Kaninchen. Ab jetzt steht der Stall allerdings in der Wohnung - aus Angst, sie könnten wieder von heute auf morgen verschwinden. Müller: »Das kann ich ihnen nicht ein drittes Mal zumuten.«



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