28. Juli 2018, 06:00 Uhr

Wildtiere

Hitze und Trockenheit werden lebensbedrohlich

Hitze und Trockenheit lassen Nahrungs- und Wasserquellen von kleinen Wildtieren wie Igeln versiegen. Es entstehen lebensbedrohliche Situationen, Gartenbesitzer können helfen.
28. Juli 2018, 06:00 Uhr
»Igelvadder« Otto Luzius präsentiert zwei seiner Schützlinge. Derzeit leiden die Tiere unter der extremen Trockenheit.

Viele Menschen stöhnen wegen der anhaltenden Hitze, sie schwitzen übermäßig, können sich kaum konzentrieren, manche bekommen Kreislaufprobleme. Lebensbedrohlich wird es in den seltensten Fällen. Bei den Wildtieren sieht das ganz anders aus, vor allem der Wasser-, aber auch der Nahrungsmangel machen Kleinsäugern, Vögeln oder Schmetterlingen zunehmend zu schaffen. Private Gartenbesitzer können in dieser Situation helfen, wie der Bad Nauheimer »Igelvadder« Otto Luzius und andere Tierschützer erläutern.

»Für die Igel ist die Lage zurzeit katastrophal. Sie finden kaum Wasser und Nahrung«, sagt Luzius, der sich normalerweise darum kümmert, die Tiere über den Winter zu bringen. Bei der extremen Hitze und Trockenheit gebe es keine Pfützen mehr, die Igel fänden kaum noch Trinkwasser. Er rät dazu, an schattigen Plätzen in Gärten flache Schalen mit frischem Wasser aufzustellen.

Großer Flüssigkeitsbedarf

Dabei sei es wichtig, Steine an den Rand zu legen, damit Insekten nicht im Wasser ertrinken, weil sie die Trinkschale nicht mehr verlassen könne. »Bienen und Wespen werden von den Igeln beim Trinken sonst mit aufgenommen und stechen, wenn sie noch nicht tot sind«, sagt Luzius.

Die Tiere hätten bei diesen Temperaturen großen Bedarf an Flüssigkeit. Nach Angaben von Luzius kann ein 800 Gramm schwerer Igel pro Tag durchaus 200 bis 250 Milliliter Wasser trinken. Gerade wenn Igelfreunde auch Trockenfutter in den Garten stellen, steige der Wasserbedarf.

Dehydriert oder verletzt

Doch nicht nur Trinkwasser fehlt, auch die Nahrungsquellen versiegen langsam. Luzius: »Igel fressen zum Beispiel Schnecken und Würmer, die bei dieser starken Sonneneinstrahlung ganz schnell vertrocknet sind. Auch Insekten gibt es kaum noch.« Manche Igel trauten sich aufgrund des Nahrungsmangels sogar in Hundezwinger, weil sie vom Futtergeruch angelockt werden. Ein solches Wagnis ende für die Kleinsäuger nicht selten tödlich.

Auch Jutta Knieriem-Haustein, »Igelmama« aus Wöllstadt, hat zurzeit alle Hände voll zu tun. Sie kümmert sich um die medizinische Versorgung der Tiere. Laut Luzius landen bei ihr derzeit nicht selten dehydrierte oder verletzte Igel. In einigen Fällen werden Operationen notwendig. Etwa die Amputation der Beine, wenn wieder mal ein Igel von einem Rasenmäherroboter oder einer Motorsense erfasst worden ist.

Ab August kommt Nachwuchs

Auch andere Tierschützer empfehlen dringend, kleine Wildtiere mit Trinkwasserstellen zu unterstützen. Mit Wasser gefüllte Blumentopfuntersetzer oder Frisbeescheiben seien bereits hilfreich. Auch Vögel, Eichhörnchen und Insekten profitierten davon. Wichtig sei es, das Wasser täglich zu wechseln, damit sich Parasiten, Bakterien und Keime nicht ausbreiteten und Tiere infizierten.

Für Igel seien Wasser- und Futterstellen zurzeit besonders wichtig, weil sie ab August ihre Jungen zur Welt bringen. Um die Tiere und ihren Nachwuchs nicht zu gefährden, sollten im August und September in Privatgärten Laubhaufen, Holzstöße und andere trockene Verstecke in Ruhe gelassen werden. Dort versuchen Igel in der Regel, ihren Nachwuchs aufzuziehen. (Archivfoto: nic)

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