04. September 2018, 14:00 Uhr

Landwirtschaft

Hochprozentiges vom Acker

Die Familien Weidmann und Groh setzen beim Brennen und Brauen auf eigene Produkte. Die wachsen auf ihren Feldern um Ockstadt. Nach Bränden und Bier wird bald Wein zum Sortiment gehören.
04. September 2018, 14:00 Uhr
Die Landwirtschaft ist die Basis für die gebrannten und gebrauten Köstlichkeiten aus Ockstadt. Andreas Matthies, Lorenz und Norman Groh sowie Margit und Reiner Weidmann (v. l.) entwickeln immer wieder neue Ideen für Produkte vom Acker. (Fotos: lod)

Schon seit dem 17. Jahrhundert wird auf dem Hof Weidmann an der Ober-Wöllstädter Straße Landwirtschaft betrieben. Als Landwirt kennen die Wetterauer Reiner Weidmann kaum. Bekannt wurde der Ockstädter mit seiner Obstbrennerei. Hier entsteht aus Obst Hochprozentiges.

Lohnbrennerei für 300 Obstanbauer

Auch als Lohnbrennerei, in der an die 300 Obstanbauer unter Aufsicht Weidmanns ihr eigenes »Hochprozentiges« brennen, ist der landwirtschaftliche Betrieb bekannt. Ein weiteres Standbein ist die Kultland-Brauerei. Sie wurde 2016 gegründet. »Basis all unseres Tuns ist und bleibt die Landwirtschaft«, sagt Reiner Weidmann. Auf 100 Hektar gedeihen Getreide, Raps und Kirschen.

Von Kühen zum Schnaps

Als Weidmann zusammen mit Ehefrau Margit den Betrieb von seinem Vater Robert übernahm, wurden noch Kühe und Schweine gehalten. Mitte der 1980er Jahre stellte der sechsfache Vater auf Schweinezucht um, die er 2006 einstellte. Er schlachtete selbst, verkaufte Wurst und Fleisch vom Hof. »Das war der Beginn der Direktvermarktung«, sagt Weidmann. Ihn ärgerte, dass »damals die Händler den Kirschenpreis bestimmten und da beschloss ich, mein Obst in flüssiger Form zu verkaufen. Schnaps und Wurst, das passte ja zusammen.« Er kaufte eine Brennerei. So mancher Ockstädter lästerte: »Wenn das mal was wird.«

 

Quereinsteiger aus Liebe

 

Es wurde aus der Idee eine Erfolgsgeschichte. Weidmanns fand bis zu seinem Tod 2004 auf seinem Altenteil eine neue Leidenschaft. »Beim Brennen konnte er so manches Schwätzchen halten«, erinnert sich Weidmann, der froh ist, dass die Familientradition fortgesetzt wird.

Dafür sorgt Schwiegersohn Norman Groh. Er heiratete vor 15 Jahren Weidmanns älteste Tochter Eva-Maria. Der gelernte Radio- und Fernsehtechniker aus Rosbach hatte bis dahin kaum einen Bezug zur Landwirtschaft.

Whiskey und Brände

Nach der Heirat half der Rosbacher im Betrieb mit, kelterte seinen eigenen Apfelwein und entschied sich schließlich für die Brennerei. 2006 begann er in Offenburg eine zweijährige Ausbildung zum staatlich anerkannten Brenner. Nach bestandener Prüfung wurde die »Weidmann und Groh GbR« gegründet. »Als Betrieb im Betrieb, schließlich mussten von nun an zwei Familien davon leben«, sagt Reiner Weidmann. Auch Whiskey wird inzwischen hergestellt. Die Brände erobern sich ihren Markt. Die Qualität stimmt. Bei der Prämierung des Brennereiverbandes im pfälzischen Landau Mitte Juli gab es in diesem Jahr acht Gold-, sieben Silber- und drei Bronzemedaillen, dazu nicht zum ersten Mal den Ehrenpreis des Wetteraukreises.

 

Bier vorerst nur in Fässern

 

»In der Landwirtschaft muss man immer innovativ sein«, sagt Lorenz Groh (21). Er ist der jüngere Bruder von Norman und stieg mit »Kultland-Brauerei« in den Betrieb mit ein. Unter dem Motto »Mein Bier von hier« wird das naturtrübe Bier derzeit nur in Fässern abgefüllt. »Wir überlegen gerade weitere Wege zu gehen«, sagt Norman Groh. Die Brauerei kooperiert inzwischen mit Kjetil Dahlhaus, der mit »Born in the Wetterau« heimischen Apfelwein vertreibt.

1000 Weinstöcke angepflanzt

Und dann erzählt Reiner Weidmann noch vom neuesten Projekt der Familie: Schwiegersohn Andreas Matthies, verheiratet mit Weidmanns jüngster Tochter Franziska, studiert, nach abgeschlossenem Theologiestudium, nun Agrarwissenschaften. Er hat bereits 1000 Weinstöcke für Tafeltrauben gepflanzt. »Nächstes Jahr wird erstmals geerntet. Dann gibt es auch Ockstädter Trauben«, kündigt Reiner Weidmann an.

Den Erfolg des Betriebs sieht der Seniorchef im harmonischen Miteinander der Generationen. »Wir verstehen uns alle prima. Natürlich gibt es auch mal Meinungsunterschiede, aber wir reden miteinander und klären das.«

 

Mehr Informationen zum Angebot von Weidmann und Groh gibt es im Internet unter https//weidmann-groh.de und unter www.kultland-brauerei.de.

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