16. August 2017, 10:09 Uhr

Hotel Grunewald

Hotel Grunewald: Viel mehr als das Elvis-Zimmer

Das 1888 errichtete Hotel Grunewald in Bad Nauheim ist nach der Renovierung ein Schmuckstück geworden. Der Rummel ums Elvis-Zimmer stellt Pächter Thomas Dröscher vor Herausforderungen.
16. August 2017, 10:09 Uhr
Hier hat Elvis gesessen und gelegen: Das Original-Bad samt Klo im Zimmer Nummer 10 ist ein Wallfahrtsort der Fans. (Foto: Nici Merz)

Elvis gut und schön, aber im neuen Hotel Grunewald in Bad Nauheim gibt es weit mehr als den King of Rock ’n’ Roll. Der Medienhype um die Villa ist Betreiber Thomas Dröscher willkommen, aber nicht alle Facetten. Wenn etwa im HR-Fernsehen zehn Sekunden lang der Klodeckel des Weltstars im Bild ist, die fast 130-jährige Geschichte des Baudenkmals aber hinten runter fällt.

Mit Originalmöbeln von 1888 ist ein Raum des Café-Bistros ausgestattet.
Mit Originalmöbeln von 1888 ist ein Raum des Café-Bistros ausgestattet.

Es ist schon ein Schmuckstück, die 1888 errichtete Villa Grunewald in ihrer rundum sanierten Erscheinungsform. Voller Stolz erzählen die Eigentümer Alfred und Christian Möller, beides Architekten, wie sie alle möglichen historischen Details – vom europaweit fast einmaligen Aufzug von 1912 über Türen und Treppen bis hin zu Lüstern und historischen Wandmalereien – erhalten und mithilfe von Handwerkern aus der Region auf Vordermann gebracht haben. Kritischen Fragen wie der nach den modernen Gauben am denkmalgeschützten Dach gehen sie dabei nicht aus dem Weg. Den nationalen und internationalen Medien geht es im Vorfeld des European Elvis-Festivals allerdings fast nur um den US-Superstar, der 1958/59 gerade mal knapp vier Monate hier im Zimmer Nummer 10 logierte. Natürlich haben die Möllers dem Weltstar Tribut gezollt: Seine Räume sind die einzigen, die praktisch zu hundert Prozent unverändert geblieben sind, bis hin zur Matratze und dem damals eigens aus den USA importierten Klodeckel.

 
Fotostrecke: Impressionen vom neuen Hotel Grunewald
Pächter Dröscher muss jetzt den schwierigen Spagat bewältigen und die Elvis-Geschichte für sein Geschäft nutzen, ohne das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Etwa die schönen Suiten im Dachgeschoss, wo früher das »Gesinde« unter einfachsten Bedingungen untergebracht war. Heute gibt es dort eine Dachterrasse, warme Farben, ein Mix aus Modernität und Geschichte.

 

Superstar-Lümmel-Sofa

 

So steht in einer Nische der Sternwarten-Suite ein Schwungrad des Uralt-Aufzugs, dort, wo es früher auch zu finden war. Dröscher hat 16 Zimmer für Preise zwischen 67 und 240 Euro zu bieten, je nach Saison und Größe. »Am Festival-Wochenende könnte ich jedes Zimmer zehnmal vermieten.« Das Elvis-Apartment muss dann frei bleiben, weil es Bestandteil einer Führung ist. Neun Zimmer sind mit Küchenzeilen ausgestattet, die wie die Bäder hochmodern sind.

Die Grunewald-Macher - Christian und Alfred Möller sowie Pächter Thomas Dröscher (v. l.).
Die Grunewald-Macher - Christian und Alfred Möller sowie Pächter Thomas Dröscher (v. l.).

Urgemütlich geht es im neuen Café-Bistro zu. Auch hier viele Originale: Tapeten, riesige Spiegel, das unverkäufliche Steinway-Klavier, auf dem Elvis gespielt hat, während sich weibliche Fans an den Hotel-Fenstern die Nase platt drückten. Oder das berühmte Sofa, auf dem sich der Superstar gerne lümmelte. Heute werden hier und auf der schönen, mit Muschelkalk-Naturstein belegten Terrasse Gäste von 9 bis 22 Uhr bedient. Mit kleinen Gerichten und einer Riesenauswahl an Weinen. »Mein Spezialgebiet. Ich habe 2900 Flaschen im ehemaligen Kohlekeller. Kohle soll ja jetzt auch wieder reinkommen«, sagt Dröscher schmunzelnd.

Er hat vor zwei Wochen geöffnet, ohne Brimborium, damit die Leute ihm nicht noch mehr die Bude einrennen. Wobei »nett-neugierige« Besucher gerne gesehen sind. Die erste Internet-Buchung gab es vor einer Woche – zehn Minuten nachdem das Hotel auf der Booking-Plattform aufgetaucht war.

Doch solche Themen wurden beim jüngsten Pressegespräch nur gestreift. Mehrfach nachgehakt wurde dagegen, warum im Bistro kein typisches Elvis-Leibgericht wie das gegrillte Erdnussbutter-Bananen-Sandwich angeboten wird. Weil er das den Gästen nicht anbieten könne, antwortete der Hotelier wiederholt in aller Seelenruhe.

Info

Ehrfürchtig im Elvis-Zimmer

Kaum hat Hotelier Thomas Dröscher, der sich auf seiner Visitenkarte übrigens »Gastgeber« nennt, das Grunewald eröffnet, schon hat er einige Anekdoten übers Elvis-Apartment zu erzählen. »Mein erster Gast war ein Mann, der gerade seinen 50. Geburtstag gefeiert hatte. Die Übernachtung war das Überraschungsgeschenk seiner Frau«, erzählt Dröscher. Dem Geburtstagskind folgte eine Ehepaar, das vor lauter Glück, Ehrfurcht und Aufregung nicht geschlafen hat. Die Frau hat ein Foto gemacht, auf dem sie neben der Klobrille zu sehen ist, auf der einst Elvis Hinterteil platziert war. Umgehend wurde die Aufnahme bei Facebook gepostet. So wird es sicher weitergehen. 208 Euro lassen sich die Fans das ohne Murren kosten. Bei der großen Nachfrage ist dieser Preis nach Ansicht des Pächters ohnehin ein »Schnäppchen«. (bk)

 

 

 

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