22. Oktober 2019, 22:41 Uhr

IG BAU besorgt über Pendlerzahlen

22. Oktober 2019, 22:41 Uhr
Die Gewerkschaft IG BAU macht für den Pendler-Trend auch den fehlenden Wohnraum in Groß- und Universitätsstädten verantwortlich. (Foto: pm)

Die Zahl der Berufspendler im Wetteraukreis hat laut einer aktuelle Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) einen neuen Höchststand erreicht. Das teilt die IG Bauen-Agrar-Umwelt mit. Laut der Auswertung hätten auf dem Weg zur Arbeit im vergangenen Jahr rund 95 000 Menschen regelmäßig die Grenzen des Kreises verlassen - das seien 25 Prozent mehr als noch im Jahr 2000. Damals habe der Kreis noch rund 76 000 sogenannter Auspendler gezählt.

50 Kilometer und mehr

IG-Gewerkschafter Karl-Otto Waas spricht von einem »alarmierenden Trend«. Eine Hauptursache für den Pendel-Boom ist seiner Meinung nach der Mangel an bezahlbaren Wohnungen in den Groß- und Unistädten. »Eine wachsende Zahl von Menschen kann sich die hohen Mieten und Immobilienpreise in der Stadt nicht mehr leisten. Aber genau dort sind in den letzten Jahren besonders viele Jobs entstanden«, sagt der Bezirksvorsitzende der IG BAU Gelnhausen-Friedberg. Die Folge seien immer längere Staus und überfüllte Züge.

Strecken von mehr als 50 Kilometern bis zum Arbeitsplatz seien für viele Pendler aus dem Wetteraukreis mittlerweile gang und gäbe, sagt Waas. »Dabei geht nicht nur wertvolle Zeit für Familie, Freunde und Hobbys verloren. Auch die Umwelt leidet unter der Fahrerei.« Nach Angaben des Umweltbundesamtes gehe knapp ein Fünftel aller CO2-Emmissionen in Deutschland auf das Konto des Verkehrs.

Die IG BAU warnt vor einer Zunahme der Pendlerzahlen, sollte sich das Wohnen noch weiter vom Arbeiten entfernen. Nötig sei eine »drastische Wende« in der Wohnungsbaupolitik. »Die öffentliche Hand muss viel mehr als bisher investieren, um bezahlbaren Wohnraum in den Metropolen und Ballungsräumen zu schaffen. Es fehlen vor allem Wohnungen im sozialen und im bezahlbaren Segment«, sagt Waas.

Massive Investitionen seien aber auch im Bereich der Verkehrsinfrastruktur unverzichtbar, um die Pendler zu entlasten. »Vor allem beim Schienen-, Straßen- und Radwegenetz ist der Nachholbedarf groß«, sagte Waas. Einen entscheidenden Beitrag gegen den »Pendel-Frust« könnten zudem die Firmen leisten - indem sie es ihren Beschäftigten leichter machten, in Gleitzeit oder im Homeoffice zu arbeiten.

Die Pendler-Problematik im Wetteraukreis ist laut IG BAU Teil eines bundesweiten Trends: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit seien im letzten Jahr 39 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in eine andere Stadt oder einen anderen Kreis zur Arbeit gependelt.

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