18. März 2018, 17:00 Uhr

»Mein Lieblingsplatz«

Im Schlosspark gibt’s Erinnerungen an die Kindheit

In gedeckten Braun- und Grüntönen zeigt sich die Natur noch verhalten. Die zarten, weißen Blüten der Schneeglöckchen wagen einen ersten Vorstoß. Es ist still im Schlosspark des Fürstenhauses Ysenburg zu Büdingen.
18. März 2018, 17:00 Uhr
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Von Georgia Lori
Im Büdinger Schlosspark fühlt sich Georgia Lori am wohlsten. Hier ging sie früher mit ihrer Oma spazieren und genoss die ersten heimlichen Verabredungen. (Foto: bf)

Das Schloss in Büdingen erzählt eine jahrhundertealte Geschichte, die noch nicht zu Ende ist. Es ist eine kleine, abgeschiedene Welt. Eine Szenerie wie aus einem anderen Jahrhundert. Hier werden Erinnerungen an meine Kindheit wach. Etwa auf dem Vorhof des Schlosses, wo die Gebäude ein Rund bilden und im Sommer ein großer Baum seinen Schatten spendet. Unter seiner Krone spielte ich als Kind bei Sonntagsausflügen. Wenn es regnete, boten mir die Äste ein schützendes Dach. Die Gebäude und der Turm sowie der mit Moos besetzte Brunnen, in den Touristen Kleingeld werfen und sich etwas wünschen, tragen die Patina der Zeit. Als Kind spazierte ich mit meiner Großmutter durch diesen Vorhof. Im Sommer. Sie hielt mich an der Hand. Ein neugieriges Mädchen, in einem blauen Kleid mit weißen Kniestrümpfen und Lackschuhen.

Später genoss ich im Park meine ersten heimlichen Verabredungen und zog mich in den abgeschiedenen Teil mit dem in die Jahre gekommenen Sängerheim zurück, um für das Abitur zu lernen. Der ursprünglich vorhandene Wassergraben ist zwischenzeitlich verlandet. Nur ein Wasserlauf und ein künstlicher See hinter dem Schloss lassen diesen noch erahnen.

Das Schloss selbst wurde als staufische Wasserburg im 12. Jahrhundert gebaut. Im Lauf der Jahrhunderte ist daraus ein Schloss und die Residenz der Grafschaft Isenburg geworden. 1941 zog Otto Friedrich Fürst zu Ysenburg und Büdingen ein. Er machte Teile des Anwesens für die Öffentlichkeit zugänglich. Seit seinem Tod 1990 residiert sein Sohn Wolfgang Ernst mit seiner Gattin Leonille Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg im Schloss. Während der Landpartie zeigt das Fürstenpaar in der Öffentlichkeit Präsenz. Dann wird der Park zu einem stilvollen Ort mit Gartendekorationen, Kunsthandwerk und Mode.

Dass die Büdinger mit diesem Schlosspark verwurzelt sind, zeigte ein Aufschrei 2010/2011. Damals wurden etwa 150 Bäume abgeholzt, darunter 200 Jahre alte Eichen. Heute wirkt der Park weitläufiger. In der frischen Luft genieße ich das milde Licht des Parks am Morgen beim Joggen, den Ausblick von der Brücke auf den Wasserlauf, der die Reflexionen von schimmerndem Blattgrün und Wolken trägt. An diesem Ort verliere ich das Gefühl der Begrenzung und fühle mich geborgen. Einmal verabredete ich mich mit einer Freundin zum Picknick im Park. Wir saßen im Gras und stießen bei leichtem Nieselregen mit einem Glas Prosecco auf das Leben an. Auch dazu lädt der Park ein. Mein Lieblingsplatz wechselt je nach Jahreszeit seine Stimmung. Das macht ihn aus. Gelegentlich präsentiert er sich wie ein verklärtes Landschaftsgemälde. An die Burgmauern und den Wassergraben grenzt die Stadt, mit großen Gebäuden aus Buntsandstein und Fachwerkhäusern.

Momentan zeigt sich die Natur noch verhalten, noch ist es still im Büdinger Schlosspark. Es ist die Stille vor den Froschkonzerten im Mai und Juni und der betriebsamen Landpartie im malerischen Spätsommer, die ich so liebe.



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