22. Januar 2019, 20:02 Uhr

Im Strudel der historischen Ereignisse

22. Januar 2019, 20:02 Uhr
Die Akteure stellen sich im Anschluss an das einstündige Theaterstück den Fragen aus dem jungen Publikum – und das sind sehr, sehr viele. (Foto: lh)

Geschichtsunterricht mal ganz anders haben die Schüler ab Klasse fünf am Montag an der Erich-Kästner-Schule in Rodheim erlebt. Das Wittener Ensemble »theaterspiel« brachte das Stück »Über(das)Leben oder meine Geburtstage mit dem Führer« von Beate Albrecht auf die Bühne. Auf der Grundlage von Zeitzeugenberichten gab es einen Einblick in das Unrechtssystem des NS-Staates im Hitler-Deutschland. In Szene gesetzt wurde es von fünf Darstellern, die mit viel Engagement nicht nur zum Zuschauen, Zuhören und Mitfühlen einluden, sondern im Anschluss an das etwa einstündige Stück auch zu Fragen und Diskussionen anregten.

NS-Zeit aus Kindersicht

»Die Jugendarbeit der Stadt Rosbach und die Erich-Kästner-Schule halten die Thematik für wichtig und freuen sich, dass das Stück nun auch hier aufgeführt wird«, sagte Alexandra Agel vom Frankfurter Verein Jugendberatung und Jugendhilfe (JJ), der die Jugendarbeit für die Stadt Rosbach leistet. Das Projekt zum Thema Jugendwiderstand während der NS-Zeit wird aus Fördermitteln von Bund, Land und Kreis unterstützt. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Wetteraukreis aus dem Projekt »Demokratie leben«, gefördert vom Bundesfamilienministerium, statt.

Elisabeth Sterzer spielte die Rolle der Anni, die bei Hitlers Machtübernahme 1933 erst neun Jahre alt ist und zusammen mit ihren Eltern (Olaf Reinecke als Vater und Beate Albrecht als Mutter) sowie dem Freund Hansi (Ivo Schneider) und dem Musiklehrer Herrn Liebmann (Florian Walter) mehr und mehr in den Strudel der historischen Ereignisse gerät. Einige werden zu Anhängern der NS-Diktatur und marschieren mit, andere – unter ihnen Anni – versuchen, sich der alles beherrschenden Ideologie zu verweigern oder dem Terror zu entfliehen. Ihr aktiver Widerstand führt sie ins Gefängnis und weckt gleichzeitig die Bereitschaft zum Kampf für ein gerechtes Leben und Überleben.

Die einfühlsame Livemusik mit Florian Walter am Saxofon, tänzerische Untermalungen von Olaf Reinicke sowie die schauspielerische Kraft der anderen drei Akteure gaben dem Stück eine besondere Dynamik und ließen die Dramatik von Schicksalen, Freundschaften und Feindschaften offenbar werden. »Es ist nötig, jeden Tag für Demokratie und Menschlichkeit einzutreten – auch heute noch«, resümierte Autorin Albrecht.

Das schlichte Bühnenbild – überwiegend bestehend aus Koffern und ein paar Holzschemeln – ließ erahnen, was den Betroffenen in den Zeiten von Angst, Tod und Verfolgung am Ende übrig blieb. Die Musik unterstrich im Verlauf des Stückes den Gegensatz von fröhlichen Geburtstagsfeiern zu Beginn und Angstschreien, donnernden Befehlen und düsteren Zukunftsaussichten während der zwölf Jahre Hitler-Diktatur. Leben im Versteck, Hoffen auf Fluchtmöglichkeiten und schließlich die Grausamkeit von Deportationen fanden hier gekonnten Ausdruck – sowohl akustisch als auch mimisch.

Die EKS-Schüler zeigten in der anschließenden Fragestunde reges Interesse an dem Thema, das Deutschland auf so unrühmliche Weise in den Mittelpunkt des Weltgeschehens gerückt hatte. »Damals ist menschlich viel kaputtgegangen«, war man sich einig. Schulleiter Dietmar Hienz ließ in seinen Dankesworten an das Ensemble und die Organisatoren von Stadt und JJ keinen Zweifel daran, dass man mit diesem Stück ganz nah an die Befindlichkeiten von Kindern und Jugendlichen herangekommen sei.

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