20. Juni 2018, 11:00 Uhr

Boom

Immer mehr Wohnmobile in der Wetterau

Die Zahl der Wohnmobile ist in den vergangenen acht Jahren im Wetteraukreis um fast 40 Prozent gestiegen. Die Gründe dafür sind vielfältig.
20. Juni 2018, 11:00 Uhr
zds
Beliebt: 1641 Wohnmobile waren zum 1. Januar 2018 im Wetteraukreis gemeldet. (Symbolfoto: fotolia/makera)

Die Branche boomt seit Jahren. »Es herrschte eine regelrechte Goldgräberstimmung«, sagt Andreas Bächle, Geschäftsführer von Engel Caravaning in Friedberg. Ein Blick in die Statistik verdeutlicht: Insgesamt 486 893 Campingmobile waren bei der letzten Bestandsaufnahme des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) im Januar 2018 in Deutschland gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl damit um 36 726 gestiegen, seit 2010 gar um 161 792. Eine Tendenz, die sich auch auf Wetteraukreis übertragen lässt. In den vergangenen acht Jahren ist im gesamten Kreis ein Zuwachs von 38,7 Prozent zu verzeichnen. In absoluten Zahlen heißt das: 2010 waren noch 1183 Wohnmobile gemeldet, mittlerweile sind es 1641.

 

Abkehr vom Massentourismus

 

Es ist das Gefühl von Freiheit und Abenteuer, das seit jeher mit dem Traum vom Wohnmobil verbunden ist. Und dennoch gibt es durchaus Gründe für den Zuwachs. Sie reichen von der Sicherheitslage im Ausland bis hin zum niedrigen Zins beim Kauf eines Wohnmobils und dem hohen Wiederverkaufswert.

Viele Menschen setzen heute auf Individualurlaube; es gibt den Wunsch nach unabhängigem Reisen, die Abkehr vom Massentourismus im Hotel. »Die Leute möchten Orte entdecken, die sie sonst nur schwer erreichen können«, glaubt Bächle. Auch für Kurztrips sei das Wohnmobil ideal, sagt der Händler.

Und trotzdem bleibt das Wohnmobil ein Nischenprodukt, ein Zweit- oder Drittauto, auch das machen die absoluten Zahlen deutlich. Denn noch immer ist ordentlich Finanzkraft bei all jenen gefragt, die sich ein neues Wohnmobil zulegen wollen. Durchschnittlich kostet es 68 000 Euro, so die deutschlandweiten Erhebungen. Die größten Zuwachsraten habe die Branche bei den kleineren Kastenwagen, sagt Bächle. Im mittleren Segment (bis 100 000 Euro) gebe es nach vielen Jahren mit steigenden Absatzzahlen mittlerweile eine gewisse Sättigung auf dem Markt. Nach wie vor gefragt seien aber die teuren Luxusvarianten.

Der größte Boom nützt nichts, wenn die Kunden nicht wissen, wo sie sich hinstellen können

Andreas Bächle

 

Reisemobile sind ein Luxusgut – das weiß auch die Branche: »Die Käufer sind tendenziell wohlhabender und damit auch konjunkturresistenter als die Kunden von Caravans«, hieß es vor fünf Jahren beim Caravaning Industrie Verband (CIVD), als die Freizeitindustrie von der Schuldenkrise verstärkt getroffen wurde und die Wohnwagenzahlen bröckelten. Aber wenigstens die Reisemobilisten waren ein Lichtblick. Inzwischen wird gar mit Blick auf die Ausstattung zwischen »unter 100 000 Euro« und »über 100 000 Euro« eingeteilt, was den üppigen Durchschnittspreis erklärt.

In der Wetterau kommen rund 5,4 Wohnmobile auf 1000 Einwohner, das macht in der »Wohnmobilbundesliga« Platz 237 von 400 ausgewerteten kreisfreien Städten und Kommunen. Der bundesweite Spitzenreiter ist mit gut 16 Wohnmobilen pro 1000 Einwohner erneut der Kreis Schleswig-Flensburg. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Kreisstadt Schleswig Sitz eines großen Wohnmobilvermieters ist. Was nicht nur für den kleineren Geldbeutel ein guter Tipp ist, sondern auch für Paare: Denn einige Tage auf engstem Raum als Test für den Wohnmobil-Traum sichert bei Neulingen die Investition am besten ab.

 

Diesel? Kein Problem!

 

Wenn man sich fragt, wie es um die Zukunft bestellt ist, steckt der Teufel im Detail – beziehungsweise unter der Haube: Sparsam und durchzugsstark muss der Motor sein, sonst wäre es schwierig, bei dem hohen Luftwiderstand ein annehmbares Tempo zu erreichen. Die allermeisten Wohnmobile fahren mit einem Dieselmotor. Ist das nun ein Problem angesichts der aktuellen Dieseldiskussion? »Die Kunden sind schon irritiert«, berichtet Händler Bächle. Doch gebe es bei den Euro-6-Modellen keine Probleme – und die meisten Stellplätze lägen ohnehin außerhalb der Innenstädte.

Großen Handlungsbedarf sieht der Wohnmobil-Händel ohnehin an einer anderen Baustelle: »Wir brauchen mehr Stellplätze. Der größte Boom nützt nichts, wenn die Kunden nicht wissen, wo sie sich hinstellen können.« Er mache sich deshalb in der Tourismus-Region Wetterau dafür stark, die Wohnmobil-Infrastruktur im Kreis nach vorne zu bringen. (mit Statistiken von ZDS)

Info

Kaum offizielle Stellplätze

Bislang gibt es wenig Wohnmobilstellplätze in der Wetterau. Doch das Angebot wächst: In Stockheim können Wohnmobilisten ab sofort auf drei Stellplätzen neben der Kulturhalle am Bahnhof rasten. Harald Steinke, Sprecher der Modellbahnhof GbR, hat die Plätze mit Rasensteinen, Rollrasen und Stauden heimelig gestaltet. Vier Stellplätze gibt es in Echzell nahe dem Bingenheimer Ried 13 in Gedern am See. Cornelia Dörr von der Tourismus-Region Wetterau hofft, dass das Stellplatznetzwerk sinnvoll ausgebaut wird. Hilfreich sei das »Silek«, das Siedlungsintegrierte Ländliche Entwicklungskonzept, das alle 25 Kreiskommunen betrachtet und sich auf die Entwicklung öffentlicher Wege, touristischer Punkte sowie Wohnmobilstellplätze konzentriert. Derweil stellt Klaus Mey vom Schlosshotel Ysenburg in Staden in Privatinitiative auf dem Hof Flächen für Wohnmobile zur Verfügung. (pm)

 

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