02. Februar 2019, 14:00 Uhr

Nach Hauseinsturz

Immer wieder Ärger mit dem Denkmalschutz

Im Ortsbeirat der Kernstadt wurde kritisiert, dass der Denkmalschutz zu strikte Vorgaben mache, aber zu lasch kontrolliere. So werde die Stadtentwicklung ausgebremst.
02. Februar 2019, 14:00 Uhr
Hingeschaut, als es zu spät war: Das eingestürzte Haus in der Altstadt. (Foto: nic)

Die Ortsbeiräte sind beratende Gremien, haben keine Beschlusskraft. Dafür wird dort mitunter Tacheles geredet. So wie am Mittwoch im Ortsbeirat der Kernstadt, als die Mitglieder ihre Sorgen und Nöte zum Thema Denkmalschutz äußerten. Dieser – so lässt sich die Diskussion zusammenfassen – verhindere oder erschwere oft die Stadtentwicklung.

Erstes Beispiel: das Fachwerkhaus in der Großen Köhlergasse, an dem kürzlich eine Seitenwand einstürzte. Das Haus steht unter Ensembleschutz. Nur sei das den Behörden offenbar erst aufgefallen, als es zu spät war, rügte Bernd Fleck (CDU). Jetzt muss das Haus abgerissen werden. Ein leeres Grundstück sei eben mehr wert als ein bebautes, merkte Rosa Maria Bey (CDU) an. Ihr Parteikollege Stadtrat Dr. Olaf Osten nannte als Negativ-Beispiel für einen übertriebenen Denkmalschutz die »Blechhütten vor der Kaserne«. »Die rosten dort seit 50 Jahren, jetzt versperren sie die geplante Einfahrt zu dem Gelände.« Denkmalschutz sei wichtig. »Aber was haben die Blechhütten mit Denkmalschutz zu tun?«

Sanierung blockiert

Das nächste Beispiel ist ein Wohn- und Geschäftshaus auf der Kaiserstraße, in dem früher ein Schwein lebte und das seit Jahren leer steht. Die Decken sind zu niedrig, um die Räume sinnvoll zu nutzen. Der Eigentümer würde das Haus gerne sanieren, würde auch historische Holzbalken wieder einbauen. Ob er das auch darf, entscheide sich hoffentlich Mitte Februar bei einem Gesprächstermin mit der Unteren Denkmalschutzbehörde, sagte Ortsvorsteher Norbert Simmer (CDU).

Prominentestes Beispiel eines unter Denkmalschutz stehenden, aber abrissreifen Gebäudes ist das Gemeindezentrum West (die WZ berichtete). Das Haus Reuss auf der Kaiserstraße wäre wohl schon saniert, hätte der Denkmalschutz einen Teilabriss der maroden Wände und Decken erlaubt. Peter Junker (CDU) hat als Eigentümer eines denkmalgeschützten Hauses die Erfahrung gemacht, »dass ein Denkmalschützer gotische Fenster will, der andere rechteckige«, die Vorstellungen seien oft schwer nachzuvollziehen. Simmer schlug vor, einen Mitarbeiter der Denkmalbehörde in den Ortsbeirat einzuladen, um über solche Fälle zu sprechen.

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